Vielfältiges Programm bei den 77. Bregenzer Festspielen

Kultur / 17.11.2022 • 20:30 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Die Bregenzer Festspiele präsentierten das Programm für die Saison 2023.  <span class="copyright">Mirjam Mayer</span>
Die Bregenzer Festspiele präsentierten das Programm für die Saison 2023. Mirjam Mayer

“Madame Butterfly” am See und „Ernani“ im Haus.

Bregenz Die 77. Bregenzer Festspiele bieten auch im kommenden Jahr wieder ein abwechslungsreiches Programm für mehr als 215.000 Besucher. Auf der Seebühne gibt es die Wiederaufnahme der “Madame Butterfly”, im Festspielhaus kommt Giuseppe Verdis „Ernani“ zur Aufführung und zahlreiche Konzerte, ein Opernstudio, ein Opernatelier und zwei Mal Schauspiel runden das Programm ab.

Festspielpräsident Hans-Peter Metzler, Intendantin Elisabeth Sobotka, der kaufmännische Direktor Michael Diem sowie Andreas Homoki, Regisseur des Spiels auf dem See “Madame Butterfly” präsentierten am Donnerstagvormittag die Saison 2023.

Festspielpräsident Metzler konnte bei der Begrüßung feststellen: „Es geht den Bregenzer Festspielen sehr gut! Das liegt hauptsächlich an den Personen neben mir am Podium und unserem gesamten Team. Andreas Homoki hat Unglaubliches am See geschaffen, die Besucher haben die Aufführungen genossen. Ich selbst habe in der vergangenen Saison fünf Standing Ovations miterlebt, das habe ich zuvor noch nie gesehen.“ Der kaufmännische Direktor, Michael Diem, ist sehr zufrieden: „Die Butterfly hat auch wirtschaftlich geliefert, so früh waren wir selten ausverkauft. Die Kostenseite hatten wir im Griff, weil wir mehr Auslastung hatten als wir uns vorgenommen hatten. Für die kommende Saison haben wir bereits ein Drittel der Karten für die Seeaufführung verkauft.“

Festspielpräsident Hans Peter Metzler.   <span class="copyright">Klaus Hartinger </span>
Festspielpräsident Hans Peter Metzler. Klaus Hartinger

Die Festspiele 2023 starten bereits im Frühling mit ersten Höhepunkten, im März mit Kammersängerin Brigitte Fassbaender und der Meisterklasse, zu Ostern führt das Wiener Burgtheater Ferdinand Raimunds „Die gefesselte Phantasie“ auf und im Mai laden die Jungen Festspiele, bisher unter dem Namen „Cross Culture“ bekannt, interessierte Kinder zu Mozarts „Zauberflöte“ als Mitmach-Oper unter Beteiligung des Symphonieorchesters Vorarlberg ein.

Eröffnet werden die Spiele am See am 19. Juli 2023 mit „Ernani“ von Giuseppe Verdi, die musikalische Leitung hat Enrique Mazzola, die Inszenierung übernimmt Volksoper-Direktorin Lotte de Beer. Die 1844 uraufgeführte Oper um Liebe und Rache stand zuletzt 1987 auf dem Spielplan. Festspielintendantin Elisabeth Sobotka wurde bei der Auswahl inspiriert von Werner Herzogs Filmklassiker ‚Fitzcarraldo‘: „Die Anfangsszene mit der Musik von „Ernani“ hat sich mir so eingeprägt, dass ich diese Oper unbedingt einmal aufführen wollte. Während eines Gesprächs mit Lotte de Beer gestand ich meine Liebe zu dieser Oper und sie meinte schlicht: Ich liebe „Ernani“ auch.“ Die Verdi-Oper besticht durch unglaublich schöne Melodien, großen Chorszenen und allem, was eine hinreißende Oper braucht.

Die Intendantin der Festspiele Elisabeth Sobotka freut sich auf Verdis "Ernani".   <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Die Intendantin der Festspiele Elisabeth Sobotka freut sich auf Verdis "Ernani". Klaus Hartinger

Als Spiel auf dem See zeigen die Festspiele erneut „Madame Butterfly“, die am 20. Juli 2023 ihre Wiederaufnahme-Premiere feiert. Im zurückliegenden Sommer begeisterte die Geschichte um die japanische Geisha Cio-Cio-San rund 163.000 Besuchern bei einer Auslastung von einhundert Prozent. Für die Inszenierung sind keine großen Veränderungen geplant, aber: „Das Licht eines schönen Sonnenuntergangs aufzunehmen ist nicht so leicht. Ich werde mit unserem Videokünstler die Anfangsstimmung etwas anpassen, diese Erfahrung der letzten Saison möchte ich einarbeiten. Es wird 2023 eine komplett neue Sänger-Besetzung geben, ich freue mich schon sehr auf die Zusammenarbeit”, so der Regisseur der Butterfly, Andreas Homoki.

Andreas Homoki, der Regisseur der "Madame Butterfly".   <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Andreas Homoki, der Regisseur der "Madame Butterfly". Klaus Hartinger

Die jungen Sänger des Opernstudios widmen sich im kommenden Jahr der Oper „Werther“, die – komponiert von Jules Massenet – 1892 in Wien uraufgeführt wurde. Eine Erstaufführung und eine Uraufführung wird auf der Werkstattbühne geboten: „The Faggots and Their Friends Between Revolutions“ des britisch-deutschen Komponisten Philip Venables sowie die Oper des argentinischen Komponisten Fabián Panisello „Die Judith von Shimoda“.

Orchesterkonzerte

„Annäherung – Anverwandlung – Aneignung“ lautet das Leitmotiv der Orchesterkonzerte mit den Wiener Symphonikern und dem Symphonieorchester Vorarlberg. Schwerpunkt bildet die Musik der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Neben Werken berühmter Komponisten wie Maurice Ravel, Jean Sibelius und Richard Strauss gelangen auch Kompositionen wenig bekannter Künstlerinnen wie Grażyna Bacewicz und Florence Price zur Aufführung. “In Motion. Konzert für Continuo und großes Orchester” des israelischen Komponisten Ayal Adler feiert seine Uraufführung. Die Musicbanda Franui widmen sich Franz Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“. Gemeinsam mit Puppenspieler Nikolaus Habjan und Bassbariton Florian Boesch erzählen sie als „Umspannwerk zwischen Klassik, Volksmusik, Jazz und zeitgenössischer Kammermusik“ den 200 Jahre alten Stoff auf neue Art und Weise.

"Madame Butterfly" steht auch in der kommenden Saison auf dem Programm.<span class="copyright">Mirjam Mayer</span>
"Madame Butterfly" steht auch in der kommenden Saison auf dem Programm.Mirjam Mayer

An drei Abenden lädt “Musik & Poesie” zu Kleist – „Das Erdbeben in Chili“ mit Schauspieler Ulrich Mathes, zu „Ehre – Das gekränkte Ich“ mit Schriftsteller Michael Köhlmeier, am Klavier begleitet von Sergey Tanin, und zu Brecht – »Und das Schiff mit acht Segeln« mit Schauspieler Luzian Hirzel und Sopranistin Roxane Choux.

Mit Heinrich von Kleists „Der zerbrochene Krug“ kehrt unter der Regie von Anne Lenk schließlich das Deutsche Theater Berlin nach Bregenz zurück.

22 Bewerberinnen und Bewerber für die Festspielintendanz.   <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
22 Bewerberinnen und Bewerber für die Festspielintendanz. Klaus Hartinger

22 Interessenten

Wie bereits berichtet, wird die amtierende Bregenzer Festspielintendantin Elisabeth Sobotka nach dem Sommer 2024 an die Staatsoper Berlin wechseln. Am Samstag endete der Bewerbungszeitraum für die Intendanz ab der Saison 2025 und es haben sich insgesamt 22 Interessenten beworben. Festspielpräsident Hans Peter Metzler zeigt sich sehr zufrieden: „15 Männer und sieben Frauen aus Österreich, Deutschland, Schweiz, Frankreich, Italien, Skandinavien und aus Nordamerika haben sich beworben. Wir werden aus dieser langen Liste zusammen mit unserem Expertenrat die besten Bewerber heraussuchen und diese dann zu Hearings einladen. Ich bin zuversichtlich, dass wir Anfang des kommenden Jahres zu einem Ergebnis kommen.“

Die Bregenzer Festspiele 2023 finden von 19. Juli bis 20. August statt. Tickets und Infos unter www.bregenzerfestspiele.com und Telefon 05574 4076.

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