Eine besondere Vorarlberger Erfolgsgeschichte

Kultur / 21.11.2022 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Schriftstellerin Erika Kronabitter hat den Feldkircher Lyrikpreis initiiert. Zur diesjährigen Verleihung erscheint eine umfangreiche Anthologie. <span class="copyright">Kronabitter</span>
Die Schriftstellerin Erika Kronabitter hat den Feldkircher Lyrikpreis initiiert. Zur diesjährigen Verleihung erscheint eine umfangreiche Anthologie. Kronabitter

Feldkircher Lyrikpreis hat sich nach zähem Ringen etabliert: Ausgezeichnete 2022 stehen fest.

Feldkirch Was längst zu den erfolgreichsten Projekten der Stadt Feldkirch bzw. in Vorarlberg zählt, dem liegt, wie so oft, Hartnäckigkeit und ein besonderes Engagement zugrunde. Der Feldkircher Lyrikpreis wird heuer zum zwanzigsten Mal ausgetragen. Die Strahlkraft reicht mittlerweile weit über die Staatsgrenze bzw. über Europa hinaus. Die Auflagen zur Teilnahme sind hoch und dennoch erhalten die Juroren jeweils Hunderte von Einsendungen. Bei der Preisverleihung am 26. November im Saumarkttheater wird ein Buch mit den ausgezeichneten Beiträgen und einer weiteren Auswahl von Texten mit guten Jurybewertungen aufliegen, dessen Herausgabe die Schriftstellerin Erika Kronabitter verantwortet hat.

In ihrer weiteren Funktion als Literaturvermittlerin war sie ausschlaggebend am Zustandekommen dieses Lyrikpreises beteiligt. Dabei ging es in erster Linie auch darum, die Politik vom Wert einer solchen Ausschreibung zu überzeugen. Beim Land bzw. in der Person des damaligen Leiters der Kulturabteilung im Amt der Vorarlberger Landesregierung, Werner Grabher, stieß sie auf Aufgeschlossenheit, in der Stadt glich die Überzeugungsarbeit einem harten Kampf. Erika Kronabitter erinnert sich noch an den Besuch beim damaligen Bürgermeister Wilfried Berchtold. „Die Mappe mit dem Antrag wurde vor meinen Augen einfach zugeschlagen – das war es.“ Mit dem Theater am Saumarkt und der Vereinigung Literatur Vorarlberg fand sie hingegen rasch Institutionen, die ihr Thema Lyrikpreis begeistert auf die Agenda nahmen, allerdings auch erst einmal damit leben mussten, dass die Stadt dann gerade einmal ein Preisgeld von 400 Euro anbot, während das Land sofort 1000 Euro herausrückte.

Anthologie bei Art Science

2003 erfolgte die erste Preisverleihung. Im bekannten österreichischen Autor und Interessensvertreter Gerhard Ruiss fand man einen wichtigen Unterstützer, und ein zähes Hinweisen auf die Bedeutung einer solchen Ausschreibung, verbunden mit dem Titel „Feldkircher Lyrikpreis“ durch die Medien (VN und ORF) führten schließlich zur Erhöhung der Preisgelder. „Wenn ich jetzt von Autorinnen und Autoren höre, wie schön es ist, dass es diesen Preis gibt, wenn ich feststelle, dass die Einreichungen nicht nur aus dem deutschsprachigen Raum kommen, sondern auch aus Frankreich oder den USA, dann hat es sich gelohnt“, erzählt Erika Kronabitter. Immer wieder erreicht sie die Information, dass jemand, der am Feldkircher Lyrikpreis erfolgreich teilgenommen hat, in seiner Heimatstadt zu einer Publikation gekommen ist. „Das motiviert.“ Unter anderem beim Suchen nach einem Verlag, der mit der Edition Art Science gefunden wurde. Erika Kronabitter ist nicht nur jeweils Herausgeberin des Bandes mit den Preisträgertexten und besten Einsendungen, heuer setzte sie eine Hardcover-Ausgabe durch, für die sie die Schreibarbeit selbst übernahm. „Nachdem ich schon alles selbst machen musste, entschied ich mich für ein A5-Format. Nun hat man ein kompaktes Buch in der Hand.“ Der Titel „Nur die Kontur eines Kreises“ verweist auf den Ausschreibungsmodus, für den man sich vor einigen Jahren entschieden hat. Die Preisträgerin oder der Preisträger wählt eine Zeile aus seinem Text, mit der das Thema der nächsten Ausschreibung vorgegeben wird.  

Das sind die Preisträger

Neben Marie-Rose Rodewald-Cerha, Literaturvermittlerin und Vorstandsmitglied im Theater am Saumarkt, wird das Juryteam im Zweijahresrhythmus jeweils neu besetzt. Heuer haben Sarah Rinderer, Preisträgerin im Jahr 2021, sowie die Autoren Ferdinand Schmatz und José F. A. Oliver die Einsendungen bewertet.

Die erste Jurysitzung fand per Zoom statt, zur finalen Auswertung trifft man sich jeweils in Strobl. <span class="copyright">Saumarkt</span>
Die erste Jurysitzung fand per Zoom statt, zur finalen Auswertung trifft man sich jeweils in Strobl. Saumarkt

Ausgezeichnet werden die deutsche Autorin Ann Kathrin Ast (1. Preis) sowie der österreichische Autor Philipp Hauser und der deutsche Autor Armin Steigenberger (jeweils 2. Preise).  Das Publikum vergibt ebenfalls einen Preis. Der erste Preis ist mit 5000 Euro dotiert, die zweiten Preise mit je 1500 Euro, der Publikumspreis mit 1000 Euro. Die Online-Bewertung läuft auf der Homepage des Theaters am Saumarkt ab 21. November. Vom 23. bis 27. November trägt das Theater ein regelrechtes Lyrik-Festival mit Workshops, einem Literaturspaziergang und Diskussionen aus.

„Lyrik drückt mit wenigen Worten viel aus“, beantwortet Erika Kronabitter die Frage, wie Menschen zur Beschäftigung mit dieser Kunstform zu motivieren sind. „Sie begleitet ohne viel Aufwand durchs Leben.“ Auf dem Frühstückstisch, an dem die Schriftstellerin mit ihrem Mann, dem „Netz für Kinder“-Gründer und Russ-Preisträger Hubert Löffler, den Tag beginnt, liegt immer ein lyrischer Text, der das Gespräch in Gang setzt. Nachahmenswert.

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