Grundstückseigentümer legt sich gegen Pläne für Asylquartier quer

VN / 22.11.2022 • 18:17 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Widerstand gegen ein Asylquartier im Betriebsgebiet Pfeller wächst. Auch der Grundstückseigentümer ist dagegen. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Widerstand gegen ein Asylquartier im Betriebsgebiet Pfeller wächst. Auch der Grundstückseigentümer ist dagegen. VN/Steurer

Land Vorarlberg und Immobilien-Unternehmen begraben Pläne für Großquartier in Schwarzach.

Schwarzach Die Wogen um Pläne für ein mögliches Asylquartier im Schwarzacher Gewerbegebiet Pfeller gehen hoch. Entsprechende Überlegungen des Landes hatten Bürgermeister Thomas Schierle auf den Plan gerufen. Das Land habe die Gemeinde und ihn als Bürgermeister vor vollendete Tatsachen gestellt, kritisierte er am Dienstag auch in einem Flugblatt an die Bevölkerung. Der Widerstand gegen die Pläne wächst. Weil sich der Grundstückseigentümer querlegt, ist das Aus für das Asylquartier in Schwarzach bereits besiegelt. Entsprechende Informationen bestätigte mittlerweile auch das Land den VN.

Bürgermeister Thomas Schierle wehrt sich gegen die Pläne. Mit einem Flugblatt hat er sich auch an die Bevölkerung gewandt. <span class="copyright">VN/GER</span>
Bürgermeister Thomas Schierle wehrt sich gegen die Pläne. Mit einem Flugblatt hat er sich auch an die Bevölkerung gewandt. VN/GER

Das Land Vorarlberg ist seit längerem auf der Suche nach Standorten auch für größere Unterkünfte. Der Lauteracher Bauträger i+R errichtet in Schwarzach auf einem 3668 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Offsetdruckerei und Bischofberger Transporte eine gut 1800 Quadratmeter große Industrie- und Gewerbehalle. Das Unternehmen habe das Objekt dem Land aus eigenen Stücken als mögliches Flüchtlingsquartier angeboten, heißt es aus dem Landhaus.

Grundstückseigentümer legt sich gegen Pläne für Asylquartier quer
Flugblatt an die Schwarzacher Bevölkerung.

Land und Immobilienfirma haben die Rechnung aber offensichtlich ohne den Wirt gemacht – konkret dem grundbücherlichen Besitzer der Liegenschaft. Errichtet wird auf Boden im Baurecht. Nutzungseinschränkungen im Baurechtsvertrag schließen jegliche Beherbergung aus, wie der Grundstückseigentümer, die Hefel Realvermögen AG, den VN bestätigen.

Die Bauarbeiten für die Industrie- und Gewerbehalle laufen bereits. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Die Bauarbeiten für die Industrie- und Gewerbehalle laufen bereits. VN/Steurer

Unterzeichnet wurde der Vertrag zwischen i+R und der Hefel Realvermögen AG, deren Aktionäre 13 Mitglieder der Unternehmerfamilie Hefel sind, bereits 2020. Offensichtlich haben Land Vorarlberg und das Lauteracher Immobilienunternehmen “Punkt 3” im Baurechtsvertrag zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ausgeschlossen sind darin alle Möglichkeiten für Wohnungen inklusive der Errichtung von Beherbergungsbetrieben.

In einem Schreiben, das mittlerweile mehrere Adressaten erreicht hat und von den VN eingesehen werden konnte, erteilt der Grundstückseigentümer Plänen für ein Asylquartier unmissverständlich eine Absage. Eine Unterkunft für Flüchtlinge dürfe am geplanten Standort definitiv nicht erreichtet werden. Die Baurechtsgeberin, die Hefel Realvermögen AG, werde dafür sicher keine Zustimmung erteilen, heißt es dazu.

Land rudert zurück

Zuvor hatte schon das Land Vorarlberg in offiziellen Aussendungen zurückgerudert. War am Montag noch von bereits unterschriebenen Verträgen zwischen Land und Immobilienfirma die Rede, wurde am Dienstag die Tatsache hervorgehoben, dass noch nichts unterzeichnet wurde. Ein Vertrag mit dem Errichter der Unterkunft, der i+R Immobilien, liege nicht vor. Das Lauteracher Unternehmen äußerte sich gestern nicht weiter. Die Kommunikation liege in Händen des Landes. Dort wurde auch das Schreiben des Grundstückseigentümers erwähnt, wonach dieser einer Nutzungs als Flüchtlingsunterkunft nicht zustimmen würde. Am Abend schließlich bestätigte der zuständige Landesrat Christian Gantner das Aus für die Schwarzach-Pläne. Man sei gemeinsam mit der Firma i+R Immobilien zur Entscheidung gekommen, das Projekt nicht weiter zu verfolgen.

Landeshauptmann Markus Wallner übt sich in Schadensbegrenzung. <span class="copyright">VLK</span>
Landeshauptmann Markus Wallner übt sich in Schadensbegrenzung. VLK

Unglückliche Kommunikation zwischen Land und Gemeinde, Irritationen um rechtliche Voraussetzungen: Das Projekt “Asylquartier Schwarzach Pfeller” ist gescheitert, ehe es richtig publik war. “Es ist zu einem Zeitpunkt an die Öffentlichkeit gekommen, wo es dort nichts verloren hatte”, beklagte Landeshauptmann Markus Wallner im Pressefoyer am Dienstag. Wenn ein Grundstück nicht verfübar sei, könne dort auch nichts errichtet werden. “Ein Sturm im Wasserglas” nannte Wallner die Diskussionen und war bemüht, die Wogen zu glätten. Das Zusammenspiel mit den Gemeinden und Bürgermeistern sei von höchter Priorität. “Es geht nur mit engem Dialog”, so Wallner. In Schwarzach ist das ordentlich schief gelaufen.

Mitarbeit: Matthias Rauch

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.