Ein Gerät ist nicht nur ein Gerät

VN / 23.11.2022 • 19:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sabine Benzer (Geschäftsführerin Theater am Saumarkt), Moderatorin Margarete Zink sowie Literatur- und Medienwissenschaftler Simon Ganahl. <span class="copyright">BI</span>
Sabine Benzer (Geschäftsführerin Theater am Saumarkt), Moderatorin Margarete Zink sowie Literatur- und Medienwissenschaftler Simon Ganahl. BI

Theater am Saumarkt lud zur Diskussion zum Thema “Homo Medius – Mensch-Ding-Beziehungen”.

Feldkirch Die Beziehungen des Menschen zu den Dingen in der Informationsgesellschaft waren das Thema der Veranstaltungsreihe „Parallelen – Reden über das gute Leben“, die am vergangenen Sonntag im Theater am Saumarkt stattfand. Die Kunsthistorikerin Margarete Zink hat dieses Veranstaltungsformat konzipiert. Es ist ein Talkformat, das wie die schon seit vielen Jahren stattfindende Programmschiene Tangenten, aktuelle Themen der Zeit beleuchtet.

„Eine Kulturinitiative, wie es das Theater am Saumarkt ist, sollte neben einem vielfältigen Programm, zeitgenössischer Kunst, partizipativen Formaten auch die Möglichkeit schaffen, gesellschaftspolitische Themen gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu bearbeiten“, erklärte Sabine Benzer, die Geschäftsführerin des Theaters am Saumarkt. Margarete Zink wählt mit viel Engagement und Gespür die Themen und Gäste aus und bereitet sich ­akribisch auf jede Veranstaltung vor.

Gründliche Auseinandersetzung

Am Sonntag stand das Thema „Homo Medius – Mensch-Ding-Beziehungen“ im Fokus. Hierzu hatte Zink den Literatur- und Medienwissenschaftler Simon Ganahl, der an der Universität Wien unterrichtet, und den Sammler Reinhard Häfele aus Frastanz eingeladen. Häfele wurde krankheitsbedingt durch einen Videocall zugeschaltet, was zwar ungeplant, aber dennoch stimmig zur Thematik gepasst hat. Die Moderatorin fragte ihre Gäste, was es für sie bedeutet, in einer zunehmend von audiovisuellen Medien bestimmten, offenen Welt die analogen und digitale Dinge auszusortieren oder aufzubewahren und sich auf diese Weise der eigenen Identität, der Vergangenheit und der Zukunft zu versichern. Die Fragestellung lautete: Welche Faktoren bestimmen die neue Spezies, den „Homo Medius“? Die Herangehensweise an diese Thematik wurde von beiden Interviewpartnern breit gefächert und höchst spannend dargebracht. So sagte Simon Ganahl: „Geräte sind nicht einfach Geräte. Diese werden aufgrund eines gesellschaftlichen Bedürfnisses entwickelt.“ Es gelte, sich nicht nur auf der Inhaltsebene mit den Medien auseinanderzusetzen, sondern sich eben auch mit den jeweiligen Geräten zu befassen.

Emotionale Ebene

Reinhard Häfele erklärte: „Beim Sammeln darf kein Ewigkeitsanspruch gestellt werden. Die Museen ertrinken in ihren Depots. In Zukunft werden viele Privatsammlungen einfach im Container landen. Eine Symbiose mit der Digitalisierung bildet jedoch eine gute Möglichkeit, Sammlung aufzubewahren, ohne dass zu viel Platz gebraucht wird.“

Simon Ganahl führte weiter aus, dass es im Umgang mit den Medien um das Eingemachte gehe: „Medien bestimmen, wie wir leben und wie wir unseren Alltag strukturieren.“ Längerfristig wäre ein Zusammenspiel von Wissenschaftlern, Sammlern und der Öffentlichkeit ideal. Zink beleuchtete auch noch die emotionale Ebene: „Es geht immer auch um Gefühle, die mit einem Gerät verknüpft sind. Etwas wegzugeben kann mit einem Verlustgefühl verbunden sein.“ BI

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Mir hat die Diskussion sehr gut gefallen, da der gesellschaftliche Wert des Sammelns besprochen wurde. Es gibt immer mehr Schnittstellen zwischen dem körperlichen Aufbewahren und der digitalen Welt. <strong>Elisabeth Bilger, </strong>Feldkirch
Mir hat die Diskussion sehr gut gefallen, da der gesellschaftliche Wert des Sammelns besprochen wurde. Es gibt immer mehr Schnittstellen zwischen dem körperlichen Aufbewahren und der digitalen Welt. Elisabeth Bilger, Feldkirch
Ich habe eine wertvolle Gesprächsperspektive mit Simon Ganahl für meine nächste Ausstellung zum Thema Renaissance gefunden. Seine Herangehensweise an Themen ist für mich eine wichtige Denkressource. <strong>Bruno Winkler</strong>, Schruns
Ich habe eine wertvolle Gesprächsperspektive mit Simon Ganahl für meine nächste Ausstellung zum Thema Renaissance gefunden. Seine Herangehensweise an Themen ist für mich eine wichtige Denkressource. Bruno Winkler, Schruns
Ich empfand die Veranstaltung als sehr bereichernd. Mir gefällt im Besonderen der interdisziplinäre Ansatz über institutionelle Grenzen hinweg, der im Rahmen der Veranstaltungsreihe verfolgt wird. <strong>Martina Zerovnik</strong>, Wien
Ich empfand die Veranstaltung als sehr bereichernd. Mir gefällt im Besonderen der interdisziplinäre Ansatz über institutionelle Grenzen hinweg, der im Rahmen der Veranstaltungsreihe verfolgt wird. Martina Zerovnik, Wien

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