Das Coronavirus: Gekommen, um zu bleiben?

Coronakrise / 28.11.2022 • 22:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Armin Fidler sitzt für das Land Vorarlberg in der Corona-Kommission. <span class="copyright">VN/STIPLOVSEK</span>
Armin Fidler sitzt für das Land Vorarlberg in der Corona-Kommission. VN/STIPLOVSEK

Public-Health-Experte Armin Fidler plädiert für eine differenzierte Betrachtung der Covid-Situation.

Bregenz Vergangene Woche sorgte der deutsche Virologe Christian Drosten (Charité Berlin) mit Aussagen in einem Interview für Aufsehen. Demnach sehe er „Zeichen für das kommende Ende der Pandemie“ und ein immer zahnloseres Coronavirus: „Die Lage für das Virus wird prekär. Das ist gut. Es ist nicht mehr so, dass das Virus mit ein paar Mutationen das Spiel komplett drehen könnte“, sagte Drosten der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Im Gespräch mit den Vorarlberger Nachrichten schlägt der Public-Health-Experte Armin Fidler in eine ähnliche Kerbe: „Es wird in unseren Breiten nicht mehr zu verheerenden epidemiologischen Folgen kommen, weil fast jeder ein- oder mehrmals schon Kontakt mit dem Virus hatte – entweder bei einer Infektion oder mit einer Impfung.“ Der Vorarlberger, der für das Land in der Corona-Kommission sitzt, plädiert aber für eine diffferenzierte Betrachtung der aktuellen Corona-Situation, zum Beispiel in Hinblick auf China: „Bei einer riesigen Bevölkerung und nicht sehr guten Impfstoffen so lange auf eine ‚Zero-Covid-Policy‘ zu setzen, war ein Fehlschluss.“ Dort gebe es durchaus noch die Möglichkeit für weitere Mutationen, „weil die Erfahrung innerhalb der chinesischen Bevölkerung mit dem Virus sehr begrenzt ist“.

“Es gibt wissenschaftliche Anhaltspunkte dafür, dass es nicht egal ist, wie oft man sich mit Corona infiziert.”

Public-Health-Experte Armin Fidler

Bessere Impfstoffe folgen

Das Virus werde zumindest in mittelfristiger Sicht weiter in der Bevölkerung zirkulieren, ist Fidler überzeugt, aber: „Die Impfstoffe haben schon viel geholfen, und ich bin davon überzeugt, dass man sie weiter verbessert.“ Sie seien nicht perfekt, zum Beispiel bei den intranasalen Präparaten, die die Schleimhautimmunität verbessern sollen, gebe es noch Luft nach oben. Jedoch werde sich in dieser Hinsicht noch viel tun.

Auch deshalb sieht Fidler im Moment keine „Kapitulation vor dem Virus“, selbst wenn es im Moment kaum noch Schutzmaßnahmen gibt. Die Maskenpflicht würde in gewissen Settings aber jedenfalls noch Sinn machen, meint Fidler, und spricht dabei zum Beispiel hochfrequentierte öffentliche Verkehrsmittel im Winter an: „Viele der asiatischen Länder haben uns das vorgemacht.“ Auch „aus Höflichkeit den Mitmenschen gegenüber“, zum Beispiel bei Vorerkrankten, würde das Sinn machen. Außerdem könne das Virus sämtliche Organe betreffen. Auch bei „pumperlgsunden“ und jungen Personen.

Ein Risiko sieht Fidler aber speziell in der gesellschaftlichen Stimmung, wie er gegenüber den VN bilanziert: „Mir macht Sorge, dass manche Menschen eine vollständige Wissenschaftsfeindlichkeit an den Tag legen. Wo Evidenz einfach geleugnet wird. Wie soll ich so jemanden von etwas überzeugen? Und das ist nicht nur ein Prozent der Bevölkerung, sondern ein Drittel, das irgendwie in diese Kategorie fällt.“

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