15-Stunden-OP rettet einem Höchster den Oberschenkel

VN / 29.11.2022 • 17:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Beritan Cankaya mit den behandelnden Ärzten Rohit Arora (l.) und Dolores Wolfram-Raunicher. <span class="copyright">Tirolkliniken</span>
Beritan Cankaya mit den behandelnden Ärzten Rohit Arora (l.) und Dolores Wolfram-Raunicher. Tirolkliniken

Jungem Höchster blieb so die Amputation erspart.

höchst Innsbruck Erleichterung und Dankbarkeit: Beides spiegelt sich im Gesicht von Beritan Cankaya wieder. Nach einem Autounfall im September 2020, bei dem er als Beifahrer schwer verletzt wurde, drohte dem jungen Vorarlberger nämlich die Amputation des linken Beins. Mehrere Operationen in verschiedenen Krankenhäusern blieben erfolglos. Erst ein Transfer an die Uniklinik für Orthopädie und Traumatologie in Innsbruck weckte neue Hoffnungen. Sie wurden nicht enttäuscht. Beritan Cankaya kann sein Bein wieder voll belasten und er wird ein normales Leben führen können.

Langer Eingriff

Zwei Teams setzten in einer 15-stündigen Operation den kaputten Oberschenkel quasi wieder neu zusammen. Ein Eingriff, der auch an den Unikliniken kein alltäglicher ist. Das weiß Beritan: „Ich bin dem Schicksal so dankbar, dass es mich in die Hände von Professor Arora und Professorin Wolfram-Raunicher geführt hat“, sagt der heute 18-Jährige aus Höchst. Er zeigt sich zutiefst dankbar: „Danke, dass Sie so eine tolle Arbeit geleistet, nicht aufgegeben und mir mein Bein und somit eine Zukunft ohne Einschränkungen geschenkt haben.“ Selbst Fußballspielen, sein Lieblingssport, ist wieder möglich.

Wadenbein transferiert

Hinter Beritan Cankaya liegt ein monatelanger Leidensweg. Beim Unfall zog er sich einen mehrfachen offenen Oberschenkelbruch zu. Immer wieder musste er deshalb unters Messer, doch die Wunde wollte nicht heilen. “Es war für uns alle eine schwere Zeit”, sagt Olcan Cankaya im VN-Gespräch. Dennoch wich die alleinerziehende zweifache Mutter kaum von der Seite ihres Sohnes, der seit März 2021 in Innsbruck in Behandlung war. Auch dort wurde er fünfmal operiert. Der entscheidende Eingriff dauerte insgesamt 15 Stunden. Ein erstes Anamnesegespräch mit Rohit Arora, dem Direktor der Uniklinik für Orthopädie und Traumatologie, hatte neue Erkenntnisse gebracht. Deren Umsetzung erfolgte mit Dolores Wolfram-Raunicher, Oberärztin und Professorin an der Uniklinik für Plastische-, Rekonstruktive- und Ästhetische Chirurgie. In der letzten Operation wurden ein Teil des Wadenbeins samt Gefäßen aus dem Unterschenkel entnommen, in den Oberschenkel verpflanzt und die Gefäße des Wadenbeins mittels Mikroskop an eine Arterie und Vene am Oberschenkel angeschlossen. Dass der Eingriff so erfolgreich verlief, bewegte auch die Operateure. Rohit Arora erklärte: „So etwas schafft man nicht im Alleingang.” Zeitweise standen beide Teams sogar gleichzeitig am OP-Tisch.

Obwohl Beritan Cankaya von den Strapazen noch gezeichnet ist, denkt er schon an seine Zukunft. Er möchte studieren und wieder Fußball spielen.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.