Gericht: Betrunkene, schlafende Kollegin sexuell missbraucht

VN / 06.12.2022 • 14:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte wurde zu einer teilbedingten Haftstrafe verurteilt. <span class="copyright">Eckert</span>
Der Angeklagte wurde zu einer teilbedingten Haftstrafe verurteilt. Eckert

Wie sich ein Angeklagter aus schwerwiegenden Vorwürfen rausreden wollte.

Feldkirch Im November 2021 stand der nächste Lockdown wegen Corona vor der Tür. Eine Gruppe junger Leute machte gerade gemeinsam eine Ausbildung, man wollte sich treffen und noch einmal feiern, bevor wieder Sperren drohten.

Ein junger Mann lud acht Gäste in seine Wohnung ein. Es wurde reichlich getrunken. Einer der Gäste erwischte offenbar etwas zu viel Alkohol. Jedenfalls musste sich eine junge Frau mehrfach am WC übergeben. Eine Kollegin sah nach ihr und auch der Gastgeber bekam mit, dass es der Betrunkenen alles andere als gut ging. Auch er selbst hatte einiges konsumiert. „In meinem Zustand habe ich vermutlich auch das ein oder andere meiner Kollegin falsch interpretiert“, räumt der 28-jährige,  ansonsten Unbescholtene als Angeklagter bei seinem Prozess am Landesgericht Feldkirch ein.

Ins Bett gelegt

Nach einer ganzen Weile am WC legte man die junge Frau in ein Bett, wo sie einschlief. Eine ebenfalls müde Kollegin legte sich dazu, ehe später der 28-Jährige noch als Dritter dazu kam. Während die stark Betrunkene schlief, küsste der junge Mann sie auf den Mund. Er berichtet, dass sich die junge Frau zu ihm gedreht und den Arm um ihn gelegt habe. Es habe auch ihrerseits Berührungen an seinem Körper gegeben.

„Vielleicht habe ich das falsch gedeutet und das war im Halbschlaf, ohne dass sie es überhaupt wollte“, sagt er heute. Schlussendlich streichelte er sein Gegenüber im Intimbereich und an den Brüsten. Die junge Frau habe Laute von sich gegeben, er habe es für Stöhnen gehalten, was er ebenfalls für eine Zustimmung gehalten habe. „Das Opfer hat fest geschlafen, das bestätigt auch die Zeugin“, hält jedoch Staatsanwältin Julia Berchtold an ihrer Anklage fest. 

Ausgenutzt

Die junge Frau, die ebenfalls im Bett lag, gibt an, das Missbrauchsopfer habe sich die ganze Zeit nicht bewegt und bis zuletzt nichts mitbekommen. Als der Angeklagte gemerkt habe, dass auch sie, die Zeugin, erwacht war, habe er sich ganz auffallend plötzlich schlafend gestellt und die Zudringlichkeiten plötzlich eingestellt. Sich jemandem, der tief schläft, sexuell anzunähern ist ebenso verboten wie die Annäherung an jemanden, der nicht fähig ist, die Handlungen richtig einzuordnen.

Der Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Silke Sandholzer verurteilt den Angeklagten wegen sexuellen Missbrauchs einer Wehrlosen. Die Strafe für den Unbescholtenen wird mit zwölf Monaten Haftstrafe ausgemessen, davon sind elf auf Bewährung. Dem Opfer werden insgesamt 4400 Euro zugesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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