Großes Herz für Mitmenschen

VN / 06.12.2022 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Oliver Natter ist Lehrer an der Berufsschule Dornbirn. <span class="copyright">STEURER</span>
Oliver Natter ist Lehrer an der Berufsschule Dornbirn. STEURER

Der Vorarlberger Oliver Natter engagiert sich dafür, die Welt ein Stück besser zu machen.

Dornbirn Oliver Natter engagiert sich seit Jahren wohltätig. Er war einige Jahre bei der Caritas und hat mit anderen Hilfsorganisationen zusammengearbeitet. Obenhin hat er eine Schule in Uganda aufgebaut und einen kranken syrischen Jungen nach Vorarlberg gebracht. “Man weiß dann, dass man etwas gemacht und die Welt ein wenig verbessert hat oder zumindest für die Leute, die es betrifft”, sagt er.

Hilfe für kranken Jungen

Als er vor fünf Jahren auf ein YouTube-Video stößt, in dem ein 8-jähriger Junge im Körper eines 80-jährigen Mannes zu sehen ist, lässt es den Vorarlberger nicht los. “Es war ein Bericht über den Jungen Mohammed, der mit der schweren Krankheit Progerie kämpft.” Die Erkrankung ist ganz selten und verursacht eine vorzeitige Alterung bei Kindern. Die meisten sterben im Alter von 16 bis 18 Jahren. “Meine Grundintention war es, Geld zu spenden”, erzählt Natter. Auf seine Anfrage bezüglich eines Spendenkontos wies ihn das arabische Fernsehen, das den Beitrag veröffentlicht hatte, ab. “Das fand ich komisch und wollte es nicht so stehen lassen.” Also setzte sich der Lehrer in Verbindung mit einem ihm bekannten Syrer hier und bat ihn um Hilfe. “Ich habe damals, 2011, als die syrische Revolution ausbrach, mehreren Flüchtlingen geholfen eine Wohnung zu finden und hatte ich noch einige Kontakte.”

Natter mit Mohammed, als er endlich nach Vorarlberg kam. <span class="copyright">VN/NATTER</span>
Natter mit Mohammed, als er endlich nach Vorarlberg kam. VN/NATTER

Nachdem er mit der Familie via Skype-Call gesprochen hatte, fiel ihm auf, dass sie weder eine Ahnung hatten, was Mohammed eigentlich fehlt, noch dass er derzeit ärztlich betreut wird. “Ich dachte mir dann, dass sie das Geld nicht retten wird. Ich habe dann mit Ärzten geredet, die gesagt haben, dass er eine falsche Diagnose hat”, schildert Natter. Der Junge hat nämlich Cutis Laxa – eine Fehlbildung des Gewebes, die behandelt werden kann und nicht tödlich verlaufen muss.

Oliver Natter mit seinen Kindern (rechts), Mohammed und seiner Mutter im Zoo in Gossau.
Oliver Natter mit seinen Kindern (rechts), Mohammed und seiner Mutter im Zoo in Gossau.

Die Ärzte waren jedoch nicht bereit, in die Türkei zu reisen. Denn die Familie befand sich zu der Zeit in einem kurdischen Gebiet in der Türkei. Deswegen entschloss sich Oliver Natter, Mohammed hierher zu holen. “Die Frage war nur, wie ich das auf einem legalen Weg mache.” Der Vorarlberger sowie die Familie von Mohammed mussten dann einige Hindernisse überwinden, bevor das Innenministerium sich entschloss zu helfen, aber nur wenn die Kosten von Oliver Natter übernommen werden. “Daraufhin ging es ganz schnell. Innerhalb einer Woche waren sie in Traiskirchen. Zwei Tage später hier und ich habe schnell eine Wohnung in Bregenz organisiert.” Mittlerweile kann Mohammed gut Deutsch sprechen und besucht die Schule. Er wurde schon von Ärzten behandelt. “Ich wusste: Wenn ich ihm nicht helfe und er stirbt, könnte ich es mir nie verzeihen. Sein Schicksal wurde in meine Hände gelegt.”

Mohammed und Natter mit dem Team von RTL, das ebenfalls einen Beitrag zu ihrer Geschichte gemacht hat. <span class="copyright">Natter</span>
Mohammed und Natter mit dem Team von RTL, das ebenfalls einen Beitrag zu ihrer Geschichte gemacht hat. Natter

Ukraine

Oliver Natter hat nicht nur 40 Wohnungen für syrische Flüchtlinge organisiert, sondern mittlerweile auch 14 Unterkünfte für Ukrainerinnen. “Ich war es schon gewohnt, Wohnungen zu suchen. Bei den Syrern hat es gut geklappt und ich hatte schon ein Netzwerk von Leuten”, erzählt er. Zusammen mit Ukrainern, die hier seit Längerem leben, hat er einen Verein gegründet: “Vorarlberg hilft der Ukraine”. Sie helfen Geflüchteten hier bei der Wohnungs- und Jobsuche. Derzeit organisieren sie Generatoren, die sie in die Ukraine schicken können, damit die Häuser über den Winter versorgt werden können. “Schließlich ist es egal, was für eine Nationalität oder Religion ein Mensch hat. Wenn er in der Not ist, muss man helfen.”

Der Vorarlberger mit den geflüchteten Ukrainerinnen. <span class="copyright">NATTER</span>
Der Vorarlberger mit den geflüchteten Ukrainerinnen. NATTER

Zur Person

Oliver Natter

Wohnort Wolfurt

Beruf Lehrer an der pädagogischen Fachschule und Berufsschule Dornbirn

Hobbys Skifahren, Schwimmen

Alter 49 Jahre

Familienstand verheiratet, drei Kinder

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