Nikotinbeutel: In Vorarlberg bald ab 18, doch nicht in der Schweiz

Politik / 12.12.2022 • 17:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nikotinbeutel: In Vorarlberg bald ab 18, doch nicht in der Schweiz
Snus sind grundsätzlich verboten, Nikotinbeutel bald ab 18 Jahre. Das plant Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink. Einen Strich durch die Rechnung macht jedoch die nahe Grenze. Canva, APA/Hochmuth

Vorarlberg will verhindern, dass Jugendlichen Nikotinbeutel verkauft werden. Hinter der Grenze ist die Gesetzeslage jedoch weit liberaler.

Bregenz Die Vorarlberger Landesregierung hat am Montag eine Regierungsvorlage beschlossen, die den Jugendschutz reformieren soll. Das Ziel bleibt dezitiert der Nikotinbeutel, der umgangssprachlich oft (white) Snus genannt wird.

Snus und Nikotinbeutel

Bei Snus handelt es sich eine Version des Oraltabaks. Die Beutel beinhalten Tabak, Salze und oft Aromen und werden zum Konsum zwischen Lippen und Zähne geschoben. Ihr Vertrieb ist in der EU außerhalb von Schweden verboten, in der Schweiz seit 2019 legal.

Nikotinbeutel sind vergleichbar, jedoch ohne Tabak. Damit soll nicht zuletzt das europäische Vertriebsverbot umgangen werden. Da sie ohne Tabak sind, werden sie auch oft als eine weniger gesundheitsschädliche Variante zu den – illegalen – Snus und anderen Tabakprodukten angepriesen.

In beiden Fällen ist die Dosierung des Nikotins, dem an sich süchtig machenden Wirkstoff, oft vergleichbar mit einer Zigarette oder deutlich darüber – allein schon, da über die Schleimhaut ein höherer Anteil des Nikotingehalts auch tatsächlich aufgenommen wird als beim Rauchen.

So sind künftig, wenn die Regierungsvorlage vom Landtag angenommen wird, neben Tabak- und Alkoholprodukte alle “sonstige Rausch- und Suchtmittel, die geeignet sind, rauschähnliche Zustände, Abhängigkeit, Betäubung oder physische oder psychische Erregungszustände hervorzurufen” für Jugendliche unter 18 Jahre verboten zu erwerben oder zu konsumieren.

Ausnahmen in den Erläuterungen

“Das Gesetz ist so formuliert, dass es der sehr dynamischen Entwicklung im Bereich von Rausch- und Suchtmitteln Rechnung trägt”, betont Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink. Ähnlich sieht es auch Andreas Prenn von der Supro, der in die Gesetzesentwicklung eingebunden war: “Wir ließen alles einfließen, was wir uns an künftige Entwicklungen vorstellen konnten.” Prenn könne daher mit dem Gesetzesentwurf “ganz gut leben”.

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Dass man vor allem an nikotinhaltige, aber tabakfreie Rauschmittel dachte, zeigt sich klar an den in den Erläuterungen zur Vorlage formulierten Ausnahmen. So sind Nikotinersatzprodukte nach dem Arzneimittelgesetz wie Nikotinpflaster ebenso ausgenommen wie Medikamente, Kaffee, Schwarztee oder Limonaden und damit wohl auch Energydrinks. Sie gelten trotz eines theoretischen Suchtpotenzials als “grundsätzlich harmlose Lebensmittel”. Das Justizministerium warnte im Vorfeld, dass diese Produkte ansonsten auch die Bedingungen eines Abgabe- und Konsumationsverbots erfüllen würden.

Snus in einem Geschäft in Schweden, in dem die Tabakprodukte eine lange Tradition genießen. In der EU ist der Handel mit tabakhaltigen Nikotinbeutel abseits von Schweden verboten.<span class="copyright"> Reuters/Ringstrom</span>
Snus in einem Geschäft in Schweden, in dem die Tabakprodukte eine lange Tradition genießen. In der EU ist der Handel mit tabakhaltigen Nikotinbeutel abseits von Schweden verboten. Reuters/Ringstrom

Leicht verfügbar in der Schweiz

Mit der Grenznähe zur Schweiz, in denen sowohl Nikotinbeutel wie auch die bei uns verbotenen Snus verkauft werden dürfen, sieht sich Vorarlberg einer Herausforderung gegenüber. So ist der Händler Snushus gleich mit zwei Standorten direkt an der Vorarlberger Grenze vertreten. “Wir orientieren uns im Verkauf an den Gesetzen des Kantons St. Gallen”, erklärt Rico Thalparpan von Snushus den VN. Dies bedeutet im Kanton St. Gallen der Verkauf von Nikotinprodukten ab 16 Jahre. Aus Vorarlberg habe man durchaus “schon ein paar Kunden.”

Barbara Schöbi-Fink will Jugendliche vor den gesundheitlichen Gefahren gewisser Substanzen und deren Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung schützen. <span class="copyright">APA/Hochmuth</span>
Barbara Schöbi-Fink will Jugendliche vor den gesundheitlichen Gefahren gewisser Substanzen und deren Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung schützen. APA/Hochmuth

“Die Verfügbarkeit ist nicht steuerbar, aber die Sensibilität gegenüber dem Thema”, räumt auch Prenn ein. So werde in den Schulen bereits massiv gegen Snus und Nikotinbeutel gegengesteuert. Es brauche aber auch die Sensibilisierung der Eltern. “Sie sind auch in der Pflicht, dass ihnen nicht egal ist, was ihre Kinder konsumieren”, betont Prenn.

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