Sexueller Missbrauch in Feriencamps: Pensionist vor Gericht

VN / 14.12.2022 • 19:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der 74-jährige Angeklagte am Dienstag bei der Verhandlung am Landesgericht Innsbruck. <span class="copyright">Apa/markus Stegmayr</span>
Der 74-jährige Angeklagte am Dienstag bei der Verhandlung am Landesgericht Innsbruck. Apa/markus Stegmayr

So endete am Landesgericht Innsbruck das Verfahren gegen einen 74-Jährigen, der auch in Vorarlberg im Visier der Justiz stand.

Feldkirch, Innsbruck Im August vergangenen Jahres übernahm die Staatsanwaltschaft Feldkirch die Ermittlungen gegen einen Wiener Betreiber von Feriencamps in Vorarlberg, der Steiermark und Tirol für sieben- bis 14-jährige Kinder, der des schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und der Anbahnung von Sexualkontakten zu Unmündigen verdächtigt wird. Der Grund dafür ist, dass die gravierendste Tat, die mehr als 30 Jahre zurückliegt, im Vorarlberger Unterland stattgefunden haben soll.

Es ging damals um einen acht Jahre alten Buben, der von ihm schwer missbraucht worden sein soll. Der Betroffene soll einen Nervenzusammenbruch erlitten haben, dem Vernehmen nach machte ihm das Erlebte noch Jahre später zu schaffen.

Der heute 74-jährige Tatverdächtige stand am vergangenen Dienstag wegen schweren sexuellen Missbrauchs Unmündiger als Angeklagter am Landesgericht Innsbruck. Dem nicht geständigen Pensionisten Mann wurde konkret vorgeworfen, im Sommer 2009 als Feriencamp-Leiter am Achensee einen neunjährigen Buben missbraucht und sich damit zusätzlich des Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses schuldig gemacht haben. Er wurde freigesprochen, das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig.

<p class="caption">Am Landesgericht Innsbruck wurde der Pensonist im Zweifel freigesprochen. <span class="copyright">Justiz<span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"></span></span></p>

Am Landesgericht Innsbruck wurde der Pensonist im Zweifel freigesprochen. Justiz

Freispruch im Zweifel

Es handle sich um einen “Freispruch im Zweifel”, sagte Richter Norbert Hofer in seiner Urteilsbegründung. Es bleibe jedoch ein schaler Nachgeschmack, so der Richter. Im Endeffekt sei das Verfahren wegen “massiver Interventionen”, etwa vonseiten eines Kinderschutzvereins, “kaputt gemacht worden”, erklärte Hofer. Der Verein habe Einfluss auf das mutmaßliche Opfer genommen und dadurch das Verfahren “massiv beeinträchtigt”, hielt er in der Urteilsbegründung fest. Dadurch könne es sein, dass die Erinnerung des heute 22-jährigen Opfers “konstruiert” worden sei.

„Schwammige Erinnerungen“

In seinem Schlussplädoyer hatte der Staatsanwalt dagegen davon gesprochen, dass die Aussagen des mutmaßlichen Opfers “linear” gewesen seien. “Widersprüchliche Aussagen gab es aus meiner Sicht jedenfalls nicht”, so der öffentliche Ankläger, der für den Angeklagten einen Schuldspruch im Sinne der Anklage verlangte. Das sah dessen Verteidigerin anders: “Die Erinnerungen sind zum Teil schwammig”. Das mutmaßliche Opfer habe “sicher etwas Unrechtes erlebt”, jedoch “nicht am Achensee und nicht mit dem Angeklagten”.

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