Der wohl erste jüdische Soldat aus Hohenems

VN / 21.12.2022 • 18:25 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein Foto von Wolf Bikart ist nicht überliefert, es existiert jedoch noch sein Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Hohenems. <span class="copyright">JMH</span>
Ein Foto von Wolf Bikart ist nicht überliefert, es existiert jedoch noch sein Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Hohenems. JMH

Wolf Bikart rückte 1817 zum Tiroler Jägerregiment ein.

HOHENEMS Die VN-Heimat Dornbirn und das Jüdische Museum Hohenems widmen sich in der letzten Ausgabe der gemeinsamen Biografienreihe dem Leben des wahrscheinlich ersten jüdischen Soldaten aus Hohenems.

Wolf Bikart kam am 6. Mai 1790 in Hohenems als Sohn des Hausierers Michael Bikart und seiner Frau Jeanette Gutmann zur Welt. Während der Vater aus Wangen im Allgäu eingewandert war, reicht der Stammbaum der Mutter bis zu den ältesten jüdischen Familien zur Zeit der ersten Ansiedlungserlaubnis 1617 zurück.

Wolf Bikart arbeitete zunächst als Schuhmacher und folgte damit nicht dem Beispiel seiner beiden älteren Brüder, die den Kaufmannsberuf ergriffen hatten. Bikart hatte außerdem zwei Schwestern sowie einen jüngeren Bruder und wuchs in der Israelitengasse 40, der heutigen Jakob-Hannibal-Straße 4, auf. Durch die restriktive Regelung der so genannten „Normalzahl“, die während der bayrischen Herrschaft in Vorarlberg (1805–1814) auf 90 jüdische Familien festgelegt wurde, war es dem drittältesten Sohn in Hohenems nicht erlaubt zu heiraten. Er blieb ledig und kinderlos.

Die Aufnahme zeigt das Modell einer Uniform des Tiroler Jägerregiments Kaiser Franz I., wie sie auch Wolf Bikart getragen hat.  <span class="copyright">Kaiserjägermuseum Innsbruck, Eigentümer: Stiftung Bergisel</span>
Die Aufnahme zeigt das Modell einer Uniform des Tiroler Jägerregiments Kaiser Franz I., wie sie auch Wolf Bikart getragen hat. Kaiserjägermuseum Innsbruck, Eigentümer: Stiftung Bergisel

An der Limitierung der jüdischen Familien hielten auch die Habsburger fest, die ab Juni 1814 wieder über das Schicksal der Vorarlberger Bevölkerung entschieden. Für Wolf Bikart ergaben sich dadurch bald neue berufliche Chancen. Laut Dr. Ilya Berkovich vom Institut für die Erforschung der Habsburgermonarchie und des Balkanraumes der Österreichischen Akademie der Wissenschaften war Wolf zwar weder der erste jüdische Soldat in Vorarlberg noch bei den Kaiserjägern. Denn bereits 1790 waren die ersten, jedoch meist aus Galizien stammenden jüdischen Wehrpflichtigen in Vorarlberg stationiert, und 1802 dienten in den mit Tirol und Vorarlberg verbundenen Infanterieregimentern Nr. 41 und 46 fast 40 jüdische Unteroffiziere und Soldaten.

Weitere Infos zu Dr. Ilya Berkovich und seiner Forschung unter
www.oeaw.ac.at/ihb/personen/berkovich-ilya

Doch neuesten Erkenntnissen des Militärhistorikers zufolge traten bereits 1816, und damit früher als bisher vermutet, Angehörige der hiesigen Israelitischen Kultusgemeinde der Armee bei. So gehörten etwa die Brüder Johann und Elias Dannhauser aus Innsbruck dem im selben Jahr neu gegründeten 64. Tiroler Jägerregiment „Kaiser“ an.

Karges Handgeld

Wolf Bikart folgte schließlich, als erster urkundlich bestätigter Hohenemser Jude in der kaiserlich-königlichen Armee, am 25. April 1817. Frühe Anhaltspunkte finden sich zudem im 1905 erschienen Werk des Hohenemser Rabbiners Aron Tänzer, in welchem er darauf hinwies, dass Bikart von einem 1812 gegründeten „Privatverein zum Zwecke der Unterstützung jüdischer Jünglinge“ finanzielle Zuwendungen erfahren habe. Diese hatte er wohl auch bitter nötig, denn als freiwilliger inländischer Rekrut bekam Wolf das geringstmögliche Handgeld von drei Gulden.

Bregenz – Kufstein – Innsbruck

Die Militärkarriere von Wolf Bikart war, obwohl er sich ursprünglich für einen achtjährigen Dienstvertrag verpflichtet hatte, von kurzer Dauer. Früh im Jahr 1818 wurde seine Kompanie von Bregenz nach Kufstein verlegt. 1819 befand sich Wolf Bikart in Innsbruck, wo er im Herbst ins Garnisonsspital aufgenommen werden musste. Nicht mehr bei voller Gesundheit, wurde er zwischenzeitlich sogar beurlaubt und mit einem Reisegeld für 25 österreichische Meilen ausgestattet, was der Entfernung zwischen Innsbruck und Hohenems entsprach.

Tod im Armenhaus

Zwar meldete er sich am 14. September 1820 für die jährliche Übungszeit zurück, wurde aber bereits nach einer ärztlichen Untersuchung als „Real Invalid“ eingestuft. Genauere Angaben fehlen, es spricht jedoch alles für eine baldige Entlassung aus dem Militärdienst. Über sein weiteres Leben in Hohen­ems wissen wir nur wenig. Sein Name wird lediglich 1837 in den Quellen erwähnt, als ihm das Erbe eines Drittels der elterlichen Wohnung zugesprochen wurde. Am 1. August 1878 verstarb er 88-jährig im jüdischen Armenhaus. RAE

Die Serie “Jüdische Lebensgeschichten aus Hohenems” erschien in den vergangenen zwei Jahren in über 40 Teilen in den VN. Hier einige der Highlights der Serie zum Nachlesen.

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