Gesänge aus dem Frisiersalon

Kultur / 21.12.2022 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jakob Peböck, Lukas Müller, David Lins und Ralf Giesinger. <span class="copyright">Fritz Jurmann (3)</span>
Jakob Peböck, Lukas Müller, David Lins und Ralf Giesinger. Fritz Jurmann (3)

Besondere Weihnachten mit dem Barbershop-Quartett „Five Gold Rings“ am Saumarkt.

FELDKIRCH Wie man spaßiges Entertainment mit hochrangiger moderner Vokalkunst zu einem kurzweiligen Abend von erster Güte verbindet? Ganz einfach. Es braucht dazu bloß ein Männer-Vokalquartett, das a cappella mit dem in unseren Breiten wenig bekannten Barbershop-Stil die Gesangsszene des Landes derzeit kräftig aufmischt. Die vier aufgeweckten Jungs nennen sich „Five Gold Rings“, obwohl sie nur zu viert sind, und verwandeln am Dienstag mit ihrem Programm „A Barbershop Christmas“ den voll besetzten Saumarkt schon zum zweiten Mal innert Tagen in einen Hexenkessel mit Standing Ovations.  

Auf den ersten Blick glaubt man sich in die gute alte Zeit im Berlin der Zwanziger versetzt, ein bisschen scheint auch Max Rabe retro mitzumischen. Aber in Wirklichkeit ist alles ganz anders und in einer alten Gesangstradition in Amerika begründet, wo im Frisiersalon, dem Barbershop, beim „Balbieren“, wie man das früher nannte, eben auch gesungen wurde. Und dabei geht es grundsätzlich weniger um die ausgewählten Gesangstitel als vielmehr um deren ganz spezielle Arrangements, mit denen die vier Stimmen der Akteure virtuos untereinander aufgeteilt werden. Das ergibt dann auch die berühmten, eng geführten „Close Harmonies“ und damit den besonderen, leicht schrägen und jazzigen Sound als Markenzeichen des Barbershop-Stils. 

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Die vier gesanglich ausgezeichnet vorgebildeten jungen Leute stammen aus dem Landesjugendchor „Voices“, wo ihr Ex-Chef Oskar (Egle) sie eines Tages anwies: „Ihr macht das jetzt“, und sie machten es und formten als Quartett diesen Stil nach vielem Tüfteln zu Vokalkunst allererster Qualität, mit genau zugeordneten Stimmen. Ralf Giesinger ist als Leadsänger die Hauptstimme zugedacht, der Tenor David Lins singt dazu die Überstimme. Das gesangliche Fundament bildet Lukas Müller mit seinem tragenden Bass, und Jakob Peböck ergänzt den vierstimmigen Satz in abenteuerlichen Harmonien mit seinem Bariton. Klar, dass das nur funktionieren kann, wenn alle vier wie in diesem Fall absolut intonationssicher sind, wenn sie wie aus einem Atem gespeist werden und stimmlich auch in rhythmischer Präzision so eng miteinander verbunden sind, dass kein Blatt Papier mehr zwischen ihnen Platz hat. Und so schmelzen denn ihre „Close Harmonies“ nur so dahin wie italienisches Gelati auf der Zunge.

Auch tanzen können die vier jungen Musiker gnadenlos gut.
Auch tanzen können die vier jungen Musiker gnadenlos gut.

Ein solcher Abend würde freilich in Schönheit erstarren, wären da nicht Leute wie diese Vier, von denen wohl jeder etwas vom Gen des Entertainments mit der Muttermilch aufgesogen hat. Also kommt auch jeder mal dran zum Moderieren, um das Publikum mit dem Schalk im Nacken auf Betriebstemperatur zu bringen, sich auch gegenseitig etwas auf die Schippe nehmen. Ja, und in kleinen Choreografien auch zu tanzen, was sie selber noch als „im Moment größte Baustelle“ bezeichnen. Aber immerhin schlenkern sie ihre Beine rhythmisch wie dereinst Frankieboy, ohne dass die Sauberkeit ihrer musikalischen Darbietung dabei im Geringsten leiden würde.

Das Barbershop-Quartett „Five Gold Rings“.
Das Barbershop-Quartett „Five Gold Rings“.

Dafür bereichern sie ihren internationalen Reigen von Weihnachtsliedern und -songs durch eigene Arrangements, am Auffälligsten David Lins mit einem verqueren „Jingle Bells“, Lukas Müller ist bei „Maria durch ein Dornwald ging“ verliebt in schöne Vorhalte, bei „Es ist ein Ros entsprungen“ nimmt er Anleihen bei den „Flying Pickets“. Unglaublich, dass alle dieses Programm, inklusive Fremdsprachen, einen ganzen Abend lang auswendig draufhaben. Auch der Saumarkt bietet als Kleinkunstbühne dafür das ideale Ambiente.

FRITZ JURMANN

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