Gericht: Dieb schonte seine eigenen Ersparnisse

VN / 28.12.2022 • 16:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Um sein Geld für den Führerschein zu sparen, finanzierte der Angeklagte seine Sucht mit Diebsbeute. <span class="copyright">eckert</span>
Um sein Geld für den Führerschein zu sparen, finanzierte der Angeklagte seine Sucht mit Diebsbeute. eckert

Warum ein 24-jähriger Süchtiger den Drogenkonsum lieber mit Diebsbeute finanzieren wollte.

Feldkirch Der Angeklagte kam vor sechs Jahren aus dem Irak nach Österreich. Seit drei Jahren raucht er Cannabis und ist laut eigenen Angaben süchtig. „Ich wollte mich selbst heilen“, erklärt er bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch in gutem Deutsch. Er machte den Hauptschulabschluss, wollte eine Friseurlehre beginnen, doch er rauchte zunehmend Cannabis und brauchte immer mehr Geld.

Den Stoff kaufte er offenbar am Dornbirner Bahnhof von einem Afghanen und einem Marokkaner. Namen weiß er keine. Das Gramm habe zehn Euro gekostet, täglich habe er zuletzt fünf Gramm pro Tag benötigt. Er hatte zwar zuhause einiges an Ersparnissen, rund 5000 Euro aus eigenen Mitteln, den Rest von seiner Mutter, doch das Geld wollte er aufheben, denn: „Ich wollte den Führerschein machen“, erklärt er Richter Dietmar Nußbaumer.

Diebstähle aus Pkw

„Das ist auch eine interessante Verantwortung. Lieber stehlen zu gehen, als eigene finanzielle Reserven anzurühren“, kommentiert der Richter die Verantwortung des U-Häftlings. Der junge Mann hat bereits mehrere Vorstrafen, unter anderem auch wegen schweren Raubes.

Im Zusammenhang mit dem Raubverfahren tauchten vielfache Einbrüche in Pkw auf. Die finanzielle Beute bei den unversperrten Fahrzeugen hielt sich in Grenzen. Lästig für die Betroffenen, weil sie sich Führerscheine, Ausweise und Bankkarten neu organisieren mussten. Zum Teil missbrauchte der junge Mann auch die Karten und stahl bei einem Zigarettenautomaten einiges an Raucherwaren. Einem Opfer werden 360 Euro Schadenersatz zugesprochen, die restlichen Geschädigten sind nicht zur Verhandlung erschienen.

Keine Beschaffungskriminalität

Die Verteidigerin versucht Beschaffungskriminalität als milderndes Argument vorzubringen. Doch bei derart hohem Eigenkapital ist dies schwierig. „Sie hätten genug Geld gehabt, um die Drogen aus eigenen Mitteln zu bezahlen“, heißt es seitens des Gerichts. Mildernd wird gewertet, dass der Angeklagte unter 21 Jahren war, dass er reumütig und geständig ist und dass etliche Taten beim Versuch blieben. Erschwerend war, dass er bereits einige, einschlägige Vorstrafen hat und innerhalb der Probezeit wieder rückfällig wurde. Der Verurteilte selbst wundert sich, dass „nur“ 15 Monate Haft verhängt werden. Eine noch offene Bewährungsstrafe wird vorerst nicht fällig gestellt, somit hat der Drogenkonsument und Einbrecher noch Glück. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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