Betrugsmasche „Tochter/Sohn“: Was die Polizei dagegen unternimmt

VN / 30.12.2022 • 06:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Beispiele aus Vorarlberg: Die Einstiegsszenarien sind immer fast gleich: Handy kaputt, neue Telefonnummer, Bank-App funktionert nicht. Polizei

Jüngster Fall: Dornbirnerin überwies hilfesuchendem, doch falschem Sohn 10.000 Euro.

Schwarzach Seit Wochen vergeht kaum ein Tag, an dem bei der Vorarlberger Polizei kein Tochter/Sohn-Trick angezeigt wird. Das bestätigte die Betrugsabteilung des Landeskriminalamtes (LKA) den VN in einem Informationsgespräch.

Es ist schon schockierend, wie teuer diese Betrugsmasche eine Frau in Dornbirn zu stehen kam. Sie hatte ihrem vermeintlichen Sohn in mehreren Überweisungen einen Geldbetrag in der Höhe von insgesamt 10.000 Euro überwiesen. Die Kontaktaufnahme durch den unbekannten Betrüger mit dem Opfer erfolgte per SMS und wurde später per WhatsApp weitergeführt. Die Dornbirnerin erstattete am Donnerstag Anzeige.

Rechtzeitig gestoppt

Noch recht „bescheiden“ mutet dagegen der Geldbetrag von 2750 Euro an, den eine Frau aus dem Kleinwalsertal ihrer vermeintlichen Tochter überwiesen hat. Die Kontaktaufnahme mit dem Opfer erfolgte in diesem Fall jedoch nicht über ein Chat-Nachricht per WhatsApp, sondern mittels SMS. In diesem Fall hatte die Frau noch Glück: Ihre Bank konnte die Überweisung rechtzeitig stoppen.

Doch wer steckt hinter der Betrugsmasche „Tochter/Sohn“, wer sind die Hintermänner dieser heimtückischen Machenschaft, die immer mehr Opfer findet? Und dies trotz der bereits zahlreichen Warnungen seitens der Polizei?

Kriminelle Organisation

Die zuständigen Kriminalisten des LKA kennen noch keine Gesichter. „Sicher ist nur, dass es sich um eine kriminelle Organisation handelt“, hieß es seitens der Betrugsabteilung in Bregenz. Noch unklar ist, von wo aus die Täter operieren bzw. wo sich der Sitz der verbrecherischen Community befindet. „Wir wissen es noch nicht“, so eine Ermittlerin zu den VN.

Aus ähnlichen Deliktsbereichen zeigt die Erfahrung jedoch, dass die Kriminellen im weit entfernten Ausland sitzen und Übersetzungsprogramme nutzen. Das macht die Rückverfolgung der Chatverläufe für die Fahnder äußerst kompliziert.  „Wir setzen deshalb vor allem auf Prävention“, sagt eine zuständige Kriminalbeamtin.

<p class="caption">Die Opfer der unbekannten Betrüger finden sich vor allem unter älteren Personen.<span class="marker"><span class="copyright">Symbol/VN/Paulitsch</span></span></p>

Die Opfer der unbekannten Betrüger finden sich vor allem unter älteren Personen.Symbol/VN/Paulitsch

Wichtig: Anzeige erstatten

Die Kriminellen sitzen erfahrungsgemäß im weit entfernten Ausland und nützen Übersetzungsprogramme. Auch wenn es, wie gesagt, bei solchen Betrugsfällen der Polizei kaum möglich ist, an die Hintermänner und –frauen zu gelangen, da meist aus der Anonymität agiert wird, sollten diese Delikte angezeigt werden.

Nur so erhält die Polizei Informationen zum Ausmaß des Deliktsfeldes, kann Zusammenhänge herstellen und allenfalls Ermittlungsansätze finden. Doch dafür müssen auch relevante Beweismittel, die den Betrug belegen, gesichert werden: Screenshots der betrügerischen Accounts, das Chatprotokoll und/oder der E-Mail-Verkehr. Anzeige kann bei jeder Polizeidienststelle erstattet werden.

Die Kriminalpolizei rät:

  • Angehörige, wenn diese mit vermeintlichen Geldforderungen kommen, auf der bekannten Rufnummer kontaktieren.
  • Bei Kontakt mit unbekannten Rufnummern diese nicht speichern.
  • Fragen stellen, die nur der echte Sohn bzw. echte Tochter wissen können
  • Bei Geldforderungen, egal ob am Telefon oder über WhatsApp, sehr misstrauisch sein und sich nicht unter Druck setzen lassen.
  • Ist ein Schaden entstanden, umgehend die Hausbank kontaktieren und um Rückbuchung ersuchen.
  • Bei der nächsten Polizeidienststelle Anzeige erstatten.

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