Der Ritterschlag für den Ex-Weltmeister

Sport / 02.01.2023 • 19:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Karate-Ass Daniel Devigili beim Spaaring mit Tochter Hanna. <span class="copyright">Paulitsch</span>
Karate-Ass Daniel Devigili beim Spaaring mit Tochter Hanna. Paulitsch

Der Fraxner Daniel Devigili (51) ist neuer Kumite-Bundestrainer bei Karate Austria.

Fraxern Als Aktiver stand Daniel Devigili nicht nur einmal im Verlauf seiner Karriere im Rampenlicht. Am 11. Dezember 1997 kürte sich der damals 23-jährige Fraxner beim WKF-Championat in Malaysia in der 75-kg-Klasse mit einem Ippon-Finalsieg in der Verlängerung gegen den Deutschen Kosta Sariyannis zum ersten rot-weiß-roten Weltmeister im Karate. Weitere Meilensteine waren die EM-Bronzene 1994 in Birmingham, WM-Silber 2002 in Madrid und der Gewinn der US Open in Las Vegas 2004, ehe er sich mit 34 Jahren seine aktive Karriere beendete.

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„17 Jahre Karatesport haben physisch und psychisch ihre Spuren hinterlassen. Die Verschleißerscheinungen durch das tägliche Training bzw. die Belastungen in den Wettkämpfen haben so überhandgenommen, dass ich ausgereizt war und mich nicht mehr in der Lage sah, Sport auf Weltklasseniveau zu betreiben“, blickt Devigili zurück. „Dazu kam, dass ich im April 2000 das Amt des Kommandanten beim Heeresleistungssportzentrum 9 (HLSZ) in Dornbirn von Janos Kondert übernommen habe und mich in der ersten Zeit voll und ganz der neuen beruflichen Aufgabe widmen wollte.“

Erfahrungen weitergeben

Nach einer knapp zehnjährigen schöpferischen Pause, mit Stippvisiten im Motorsport als Athletikcoach von Formel-1-Pilot Christian Klien und ähnlichen anderen Bereichen, war es der Höhenflug von Tochter Hanna, der zu einer Rückkehr sorgte. „Der Wunsch, die umfangreichen Einblicke, die ich während meiner aktiven Karriere gelernt und erlebt habe, einmal an junge Menschen weiterzugeben, war eigentlich immer da. Die Erfahrungen, die einen das Sportlerleben lehrt, kann man aus keinem Buch lernen oder sie irgendwo kaufen. Sicher ein Mitgrund für den Einstieg ins Trainergeschäft war der Aspekt, dass meine Tochter vom Wettkampfeifer gepackt wurde und ich sie auf ihrem sportlichen Werdegang begleiten, fördern und fordern wollte.“

Tochter Hanna war beim letzten WM-Start von Daniel Davigili gerade 16 Monate alt. <span class="copyright">Paulitsch</span>
Tochter Hanna war beim letzten WM-Start von Daniel Davigili gerade 16 Monate alt. Paulitsch

Nach insgesamt sieben Jahren als verantwortlicher Bundestrainer Nachwuchs (U12 bis 18) bei Karate Austria, und den Eintritt von Manfred Eppenschwandtner (74) in den verdienten Ruhestand, übernahm Devigili mit Jahresbeginn die Position des Salzburgers als Kumite-Bundestrainers. „Aus meiner Sicht ändert die Beförderung eigentlich nicht viel am Aufgabenbereich. Im Prinzip steige ich mit jener Gruppe an Athletinnen und Athleten, die ich seit vielen Jahren betreue, in die nächste Alters- und Leistungsstufe auf“, erklärt der 51-jährige Fraxner.

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Kapitän eines Teams

Devigili legt Wert darauf, dass die Verantwortung aber nicht von ihm allein getragen wird. „Dies wäre aufgrund meiner beruflichen Verpflichtung als Kommandant des HLSZ 9 auch gar nicht möglich. Dazu kommt, dass die Gruppe an Karatekas so groß ist und der zeitliche Aufwand von einer Person gar nicht zu bewältigen ist. Ich sehe mich als Kapitän eines Teams, dessen Hauptaufgabe darin besteht, die Rahmenbedingungen vorzugeben. Das Leistungsniveau in der Weltspitze des Karatesports ist enorm hoch und Österreich hat sich einen Status in der erweiterten Weltspitze in den letzten Jahren hart erarbeitet. Um diesen hohen Standard zu halten, wurden die verschiedenen Aufgabenbereiche auf mehrere Schultern verteilt, So wie mein Vorgänger werde ich von Juan Luis Benítez Cárdenes, Coach und Lebenspartner von der Olympia-Dritten Bettina Plank, und von Matjaz Koncina unterstützt. Letzter ist zugleich mein Nachfolger als Bundestrainer der Unter-18/16-Jährigen. Obwohl im Karate jeder Kämpfer alleine auf der Tatami steht, ist ein intaktes Teamgefüge die Grundlage für Erfolge. Dies war früher schon so, als ich noch selbst Aktiver war, und daran hat sich in den Grundzügen bis heute nichts geändert.“

<p class="caption">Daniel Devigili mit Adrian Nigsch, Vanessa Giesinger, Hanna Devigili, Yannick Böhler, Hamsat Israilov (hinten von links) sowie Martin Märker und Kristin Mathis (vorne).<span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="marker"> </span></p>

Daniel Devigili mit Adrian Nigsch, Vanessa Giesinger, Hanna Devigili, Yannick Böhler, Hamsat Israilov (hinten von links) sowie Martin Märker und Kristin Mathis (vorne). 

HLSZ-Kommandant hat Priorität

Trotz des Ritterschlages wird sich der Träger des Schwarzgürtels, dem aufgrund seiner Erfolge der fünfte Dan (Fachbezeichnung Godan) verliehen wurde, hat die Aufgabe als Leiter der HLSZ 9 in Dornbirn für Devigili weiter oberste Priorität. „Als Vizeleutnant habe ich hier zwar schon den höchstmöglichen Dienstgrad erreicht. Trotzdem werde ich so wie in den Vergangenheit versuchen, meinen Aufgaben als Führungsperson beim Bundesheer zu erfüllen. An den Umstand, dass sich seit 2015 nie mehr als zwei Wochen Urlaub am Stück mit der Familie gehabt habe, die restlichen Tage für Lehrgänge und Wettkämpfe aufgebraucht werden, habe ich mich gewöhnt. Auf mich wartet ein dichtgedrängtes Programm mit zahlreichen Höhepunkten und es gilt, ein ausgeklügelten Zeitmanagement für alle Aktivitäten zu erstellen.“

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