Von der Sucht, Schönes zu erschaffen

VN / 09.01.2023 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Durch Zufall fand Peter Andres aus Gurtis zu seiner Leidenschaft, dem Drechseln. <span class="copyright">VN/HUMmer</span>
Durch Zufall fand Peter Andres aus Gurtis zu seiner Leidenschaft, dem Drechseln. VN/HUMmer

Peter Andres findet seine Ruhe im Drechseln.

Von Raffael Hummer

Gurtis „Und wenn dann alles plötzlich leicht geht, wenn Kopf, Auge und Hand eins werden, wenn ich nicht mehr denke, sondern jeder Zug meiner Raspel von allein perfekt passt, dann fühle ich den Flow, den ich so liebe“, beschreibt Peter Andres aus Gurtis seine Begeisterung fürs Drechseln.

Für den 49-Jährigen ist das Drechseln zur Sucht geworden. <span class="copyright">Andres</span>
Für den 49-Jährigen ist das Drechseln zur Sucht geworden. Andres

Es ist die pure Lust, die ihn gepackt hat. Ein Zufall in seinem Leben, eine zufällige Begegnung, die sein Leben und Schaffen nachhaltig beeinflussen und verändern sollte. Als gelernter Fliesenleger, der nach seiner Lehre in verschiedenen Bereichen am Bau arbeitete, führte ihn sein Weg ins Berner Oberland. Dort begegnete er einem Drechsler, der sich anschickte, dem Gurtner sein Handwerk zu zeigen, ganz begeistert, dass „so ein Tätowierter“ sich dafür interessierte. Es war das erste Mal, dass Andres mit dieser Handwerkskunst in Berührung kam. Danach ließ sie ihn nie wieder los. So rutschte er in eine Sucht. Eine Sucht, die ihn oft nicht schlafen ließ. „Bis um drei Uhr in der Früh stand ich in meiner Werkstatt, obwohl ich am nächsten Tag um sechs zur Arbeit musste.“

Grenzenlos

Was Andres anfängt, das zieht er auch durch. „Mit allen Konsequenzen. Da gibt es kein Links und kein Rechts“, stellt er klar. Und so legte er seinen ganzen Fokus auf das Drechseln und investierte all seine Energie darein. Für ihn eine meditative Tätigkeit, die unerschöpflich ist. Diese Unerschöpflichkeit kommt aus der Vielseitigkeit. Die verschiedenen Holzarten und Beschaffenheiten und die unterschiedlichen Techniken, diese zu bearbeiten, machen das Handwerk zu etwas nicht Ausreifbarem, das einen ein Leben lang beschäftigt. „Mit jedem Objekt, an dem ich arbeite, eröffnen sich neue Wege, die ich gehen möchte.“ Während dem Arbeiten sieht er wieder neue Formen, aus denen sich eine Vielzahl an Ideen ergibt.

Peter Andres schafft es, mit dem Holz, das er bearbeitet, sämtliche Formen zu erschaffen. <span class="copyright">Andres</span>
Peter Andres schafft es, mit dem Holz, das er bearbeitet, sämtliche Formen zu erschaffen. Andres

Auch wenn seine Werke kunstvoll geschaffen sind, Andres will sich selbst nicht als Künstler bezeichnen. „Was Kunst ist, haben andere zu beurteilen. Ich schaffe Objekte ohne Bedeutung oder Funktion. Ihr einziger Zweck ist, schön zu sein.“ Wenn er also gefragt wird, ob eine Schale eine Obstschale sei, meint er nur: „Wenn Obst darin ist, ja, dann schon.“

Durchmesser 4,01 m, Höhe 1,5 m, Wandstärke 16 cm: Mit dieser Schale machte Peter Andres 2005 den Weltrekord. <span class="copyright">VN/HUMmer</span>
Durchmesser 4,01 m, Höhe 1,5 m, Wandstärke 16 cm: Mit dieser Schale machte Peter Andres 2005 den Weltrekord. VN/HUMmer

Zu seiner heutigen Bekanntheit verhalf ihm 2005 sein Weltrekord. „Die weltgrößte gedrechselte Schale“, die lange in Gurtis stand. Diesen Rekord erreicht zu haben, bedeutet ihm heute jedoch nicht besonders viel.

Rekorde seien vergänglich, die Schale sei nun lange genug Wind und Wetter ausgesetzt gewesen, oft genug fotografiert worden. Deswegen habe er sie verbrannt. Mit dieser Vergänglichkeit seiner Werke muss er leben können, „das ist eben so“, zeigt sich der 49-Jährige wenig beeindruckt. Sich vom Geschaffenen lösen zu können, sei ihm lange schwergefallen, aber man müsse sich sattsehen können.

In Kursen mit kleinen Gruppen teilt der Gurtner gerne sein Wissen mit Interessierten. <span class="copyright">ANdres</span>
In Kursen mit kleinen Gruppen teilt der Gurtner gerne sein Wissen mit Interessierten. ANdres

Kurse und Werkstatt

Neben der Werkstatt, in der er regelmäßig Kurse anbietet, die schnell ausgebucht sind, hat der Handwerker in seinem Haus auch einen Werkzeug-Shop eingerichtet. Hier verkauft er sämtliches Zubehör, das ein Drechsler benötigt, oder auch nicht. Denn beim Verkauf ist es dem Fachmann wichtig, ehrlich zu sein. „Wer einen Rat will, bekommt ihn, ich versuche aber nie, jemandem etwas anzudrehen, das derjenige nicht braucht.“

zur person

PETER ANDRES

GEBOREN 19. März 1973

WOHNORT Gurtis

FAMILIENSTAND ledig

WERDEGANG Lehre und Tätigkeit als Fliesenleger, Tätigkeit im Baunebengewerbe, seit 2000 selbstständig als Drechsler, 2009 Kurswerkstatt, 2014 Werkzeugshop

HOBBYS Fahrrad und Motorrad fahren, Skifahren, Wandern, Drechseln

MOTTO Um andere zufriedenzustellen, musst Du zuerst mit Dir selbst zufrieden sein.

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