Auf welchem Friedhof es für Verstorbene eng wird

VN / 12.01.2023 • 14:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Dort, wo das Geländer steht, sollen sukzessive Urnengräber entstehen. Dazu wird eine Mauer aus sandgestrahlten Betonfertigteilen errichtet. <span class="copyright">Alle Bilder: SCO</span>
Dort, wo das Geländer steht, sollen sukzessive Urnengräber entstehen. Dazu wird eine Mauer aus sandgestrahlten Betonfertigteilen errichtet. Alle Bilder: SCO

Nur noch vier, fünf Erdgräber haben auf einem Friedhof im Oberland Platz. Daher muss er dringend erweitert werden, doch die genauen Kosten sind noch unklar.

schwarzach Ein Friedhof platzt aus allen Nähten. Nur noch vier bis fünf Erdgräber stehen zur Verfügung, danach ist Schluss.

Der obere Teil des Friedhofs.
Der obere Teil des Friedhofs.

Deshalb muss der Friedhof in Tschagguns dringend erweitert werden. Eine Projektstudie zur Friedhofserweiterung wurde bereits Ende 2021 in der Gemeindesitzung vorgestellt. Seitdem ist viel Zeit ins Land gegangen, da es noch einige Unstimmigkeiten mit der Pfarre gab. Eigentlich, gibt Vizebürgermeister Gerhard Vonier zu, habe man die Projektstudie zur Friedhofserweiterung damals zu früh vorgestellt. Ende Dezember konnten nun die baulichen Veränderungen den Gemeindevertretern erneut präsentiert werden. Eine genaue Kostenaufstellung gibt es noch keine, jedoch wurden dafür für die nächsten Jahre 700.000 Euro ins Budget aufgenommen.

Gemeinschaftsgrab hat Priorität

Als Erstes soll ein Gemeinschaftsgrab entstehen, das in Summe 375 verrottbare Urnen, aufgeteilt auf 15 Stehlen, beherbergen soll. Dieses Gemeinschaftsgrab soll vor der Friedhofskapelle beim jetzigen Müllplatz entstehen. Selia Peter wünscht sich, dass man das Gemeinschaftsgrab optisch vom Kirchenplatz abhebt, eventuell mit weißem Kies. Im Gemeinschaftsgrab können all diejenigen begraben werden, deren Angehörige nicht in Tschagguns wohnen oder keine Grabpflege übernehmen wollen. Nur ein Täfelchen weist darauf hin, wer hier beerdigt wurde. Die Friedhofskapelle wird entgegen der anfänglichen Planung äußerlich und in der Nutzung nicht verändert. Der Werkzeugraum wird abgetrennt und ein brandschutzsicherer Müllraum ausgebaut.

Hinten am Ende des Friedhofs wird eine „Schleife“ gebaut, um barrierefrei zum oberen Teil zu gelangen.
Hinten am Ende des Friedhofs wird eine „Schleife“ gebaut, um barrierefrei zum oberen Teil zu gelangen.

Außerdem könnte man durch die Trennung zwischen neuem und altem Friedhof Platz für 20 neue Erdgräber schaffen. Die abgetragene Erde wird als Material für die talseitige Mauer hergenommen, die aus sandgestrahlten Betonfertigteilen besteht – die günstigste Variante. Das jetzige Geländer muss weichen. Nach und nach könnte man Urnengräber fassen, die am Fuße der Mauer auf einer Fläche von 50 mal 50 Zentimeter in die Erde gelassen werden. An der Mauer werden einheitliche Täfelchen mit den Namen der Verstorbenen angebracht. Diese Urnengräber hätten im unteren Bereich mehr Platz als im oberen. Andrea Tschofen-Netzer findet die Betonfertigteile nicht schön und wünscht sich lieber eine Lehmwand mit Blumen davor.

Auch Egon Pfefferkorn würde gerne die Urnengräber freundlicher gestalten, doch Gemeindevertreter Franz Wachter, der das Projekt präsentierte, setzt auf eine „einheitliche Gestaltung“. Wenn man 70 Stück entlang der Mauer errichten würde, wäre schon ein enormer Druck weg, erklärte Wachter. Wird auch im oberen Teil des Friedhofs eine Mauer errichtet, komme man auf 180 Urnengräber. Mittlerweile machen die Urnenbestattungen fast 70 Prozent aller Bestattungen aus. Auch ein Baumgrab mit 50 Urnen ist in der „Schleife“ zum oberen Bereich geplant. Insgesamt würde man so auf 1025 Gräber kommen (Bestand jetzt plus Reserve: 400 Erdgräber). Ein zweites Baumgrab, das mittig auf dem Platz geplant war, geht sich nicht aus. Den Platz wolle man lieber anders bespielen. Eine Wasserentnahme wird es im oberen wie unteren Teil geben.

Hier soll das erste Gemeinschaftsgrab entstehen.
Hier soll das erste Gemeinschaftsgrab entstehen.

In der letzten Etappe könnte der Platz hinter der Kirche neugestaltet werden. Neues Pflaster und ein ebenerdiger Bereich mit Sitzbänken laden dann zum Verweilen ein. Auch der Aufgang bzw. die Auffahrt zum oberen Teil des neuen Friedhofs soll breiter und barrierefrei werden.

„Es ist fünf vor zwölf“

„Der alte Friedhof ist voll. Oben sind nur noch vier, fünf Gräber frei“, erläuterte Franz Wachter in seinem Bericht. Und diese seien schnell weg, wenn zum Beispiel Familien zuziehen. „Es ist fünf vor zwölf. Wir haben bald keinen Platz mehr auf dem Friedhof. Wir müssen was machen.“ 374 Erdgräber sind belegt. Da Familiengräber kaum aufgelassen werden, kommen auch keine freien Stellen hinzu. Am Projekt sei man schon länger zugange, weiß Bürgermeister Herbert Bitschnau.

Die Friedhofskapelle wird, anders als in der Erstplanung, äußerlich und in der Nutzung nicht verändert.
Die Friedhofskapelle wird, anders als in der Erstplanung, äußerlich und in der Nutzung nicht verändert.

Sparen, wo es nur geht

Andrea Tschofen-Netzer befürchtet, dass das ganze Projekt schwer zu finanzieren sei. Günstig wird der Umbau bzw. die Erweiterung nicht werden, da macht auch Franz Wachter keinen Hehl draus. „Auf der Kostenseite haben wir eingespart, wo es nur geht“, so Wachter. Aber die Gemeinde sei für Bestattungen verantwortlich und muss sich dieser Problematik annehmen. Andere Gemeinden hätten zum Beispiel zwei Friedhöfe. Für die Umsetzung angepeilt sind die nächsten zehn bis 15 Jahre. Der Grundsatzbeschluss wurde schon damals 2021 einstimmig beschlossen.

Auf dem Platz in der Mitte war zuerst ein Baumgrab gedacht, doch nun wolle man den Platz anderweitig bespielen.
Auf dem Platz in der Mitte war zuerst ein Baumgrab gedacht, doch nun wolle man den Platz anderweitig bespielen.

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