“Man durfte gar nicht aus der Wohnung raus”

VN / 16.01.2023 • 18:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Der Vorarlberger Carlos Peter Reinelt über den Lockdown in China und die jetzige Lage nach Abschaffung der Null-Coronapolitik.

Shanghai, Wolfurt China, einer der mächtigsten Staaten der Welt, der industriell sowie wirtschaftlich von großer Bedeutung ist, machte in den letzten Jahren besonders mit der im Land betriebenen Null-Coronapolitik Schlagzeilen.

Demonstranten beim Protest gegen die Null-Covidpolitik in in Beijing. <span class="copyright"> REUTERS/Thomas Peter</span>
Demonstranten beim Protest gegen die Null-Covidpolitik in in Beijing.  REUTERS/Thomas Peter

Die harten Lockdowns haben vor allem der Bevölkerung Chinas erheblich zugesetzt. “Man durfte gar nicht aus der Wohnung raus”, schildert Carlos Peter Reinelt. Der Vorarlberger lebt seit eineinhalb Jahren in Shanghai und hat die ganze Situation aus nächster Nähe beobachten können.

Carlos Peter Reinelt unterrichtet an einer Universität in Shanghai. <span class="copyright">VN/REINELT</span>
Carlos Peter Reinelt unterrichtet an einer Universität in Shanghai. VN/REINELT

Zu spüren bekommen hat er es ebenfalls selbst. “Von April bis Mai letzten Jahres war man komplett eingesperrt. Am Anfang gab es ein großes Chaos, es gab auch viele Berichte über Hungersnot, bis dann verschiedene Bezirke Essenspakete geliefert haben.” Auch eine Testpflicht gab es. Die Menschen mussten sich alle zwei Tage auf das Virus testen. Wer jedoch ein positives Ergebnis bekommen hat, wurde meist gleich in ein Corona-Hotel oder sogar Lager gebracht. “Während des Lockdown gab es riesige Hallen oder Container, wohin Menschen mit Coronainfektion gebracht wurden. Teilweise ohne jegliche medizinische Versorgung, nur mit Essensausgaben”, schildert Reinelt. In so einem Corona-Lager waren bis zu 500 bis 700 Menschen untergebracht. “Ein Freund von mir war dort mit seiner Frau.”

Ein Arbeiter reicht einem Bewohner eine Lieferung durch das Tor einer Wohnanlage im Bezirk Chaoyang in Peking, die nach dem Ausbruch des Coronavirus abgeriegelt ist. <span class="copyright">REUTERS/Tingshu Wang</span>
Ein Arbeiter reicht einem Bewohner eine Lieferung durch das Tor einer Wohnanlage im Bezirk Chaoyang in Peking, die nach dem Ausbruch des Coronavirus abgeriegelt ist. REUTERS/Tingshu Wang

Große Aufruhr

Die Null-Coronapolitik Chinas verlangte es, bei einem positiven Fall ganze Bezirke, Straßen oder Wohnsiedlungen von der Außenwelt abzuschotten. Als kürzlich bei einem Brand in Urmumqi zehn Menschen in einem Hochhaus ums Leben gekommen sind, weil sie nicht fliehen konnten aufgrund der Absperrungen, brachen Proteste im Land aus.

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“Ich war auf den Demonstrationen als Beobachter. Es war ruhig, großteils sehr respektvoll. Eher eine öffentliche Trauerbekundung.” Dennoch gab es einige Rangeleien, als die Polizei die Masse aufzulockern versuchte. In Shanghai waren die Proteste eher klein im Vergleich zum Westen Chinas, erzählt Reinelt. “Es waren auch keine Anti-Regierungs-Demonstrationen, sondern eher Anti-Null-Covid-Politik”, betont er.

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Die jetzige Lage

“Gleich nach den Demonstrationen wurde die Null-Covid-Politik abgeschafft. Über Nacht war alles offen. Es war eine große Schockstarre, man wusste nicht, was los ist”, erklärt Carlos Peter Reinelt. Vorher konnte man ohne gültigen Testnachweis weder einkaufen gehen, noch die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Auf einen Schlag fielen sämtliche Einschränkungen weg. Die meisten Menschen seien froh, dass es nun vorbei ist. Doch das Aufheben der Maßnahmen hat auch Folgen: “Viele Leute sind jetzt erkrankt. Es ist keine Corona-Welle, sondern ein Tsunami.” Sowohl die Krankenhäuser als auch die Krematorien seien voll. “Ich glaube, dass sich China jetzt in einer Situation befindet, in der die anderen Länder vor einem Jahr waren”, meint der 28-Jährige. Für das chinesische Neujahr rechnet man erneut mit einer großen Infektionswelle.

Quelle

Quelle Videos: Carlos Peter Reinelt, Demonstrationen in Shanghai

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