Gericht: Neunjährige Tochter des Vermieters sexuell missbraucht

VN / 24.01.2023 • 12:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte hatte Selbstanzeige erstattet und bekannte sich auch vor Gericht vollumfänglich geständig. <span class="copyright">VN/GS</span>
Der Angeklagte hatte Selbstanzeige erstattet und bekannte sich auch vor Gericht vollumfänglich geständig. VN/GS

Wie das Gericht das Verbrechen eines Unterländers an einem Kind ahndete.

Feldkirch. 33 Jahre alt, in Invaliditätspension, verschuldet und in psychotherapeutischer Behandlung. Der Vorarlberger, nun wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen als Angeklagter vor Gericht in Feldkirch, ist kein beneidenswerter Zeitgenosse.

Er hatte sich im Zimmer eines Hauses im Unterland eingemietet. Im Mai vergangenen Jahres erweckte die damals neunjährige Tochter seines Vermieters seine sexuelle Begierde.

Staatsanwalt Johannes Hartmann hält sich bei seinem Anklagevortrag zu Beginn der Verhandlung kurz: „Der Beschuldigte hatte das Kind im Intimbereich gestreichelt.“ Damit war der Tatbestand des sexuellen Missbrauchs von Unmündigen erfüllt.

Selbstanzeige erstattet

Erstaunlicherweise erstattete der 33-Jährige Selbstanzeige bei der Polizei. Was bei solchen Delikten durchaus unüblich ist. Gegenüber Richterin Silke Sandholzer macht er ebenfalls reinen Tisch: „Ich bekenne mich schuldig“.

Der ansonsten unbescholtene Angeklagte war in solchen Dingen vorher noch nie auffällig geworden. Auf die Frage der Richterin, ob er denn zum Tatzeitpunkt „schwer alkoholisiert“ oder nur „angeheitert“ gewesen sei, antwortet der Beschuldigte: „Ich hatte damals jedenfalls genug getrunken. Wie viel, habe ich verdrängt. Ich befinde mich in therapeutischer Behandlung.“

Die Richterin erwähnt noch die Aussage eines Zeugen, nachdem der Angeklagte an jenem Tag weder „geschwankt“ noch „gelallt“ habe.

Schadenswiedergutmachung

Der 33-jährige führt an, dass er bereits mit einer „Schadenswiedergutmachung“ an das Opfer begonnen habe. „Ich habe schon hundert Euro überwiesen und bin bereit, in Zukunft Ratenzahlungen zu leisten.“ Die kontradiktorische Einvernahme des jungen Opfers in Abwesenheit währt nur kurz. Die Aussage des minderjährigen Mädchens deckt sich mit den Vorwürfen.

Schwerwiegendes Verbrechen

Der Schöffensenat fällt den Schuldspruch. Der 33-jährige wird im Sinne der Anklage schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe in der Dauer von 15 Monaten verurteilt, zehn Monate davon auf eine Probezeit von drei Jahren. Außerdem muss er einen Teilschadensbetrag in der Höhe von 3000 Euro bezahlen. Mildernd waren das Geständnis, die Selbstanzeige und die Unbescholtenheit des Angeklagten. Richterin Sandholzer redet dem Verurteilten noch ins Gewissen: „Was Sie getan haben, ist kein Ausrutscher, sondern ein schwerwiegendes Verbrechen. Mit Geld ist der Schaden, den das Kind erlitt, nicht gutzumachen. Deshalb musste ein Teil der Haftstrafe unbedingt ausgesprochen werden.“ Der Verurteilte ersucht um Bedenkzeit.

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