Wien zaubert neue S18-Variante aus dem Hut

VN / 24.01.2023 • 14:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Wien zaubert neue S18-Variante aus dem Hut
Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (45, Grüne) macht sich für eine Variante “Lustenau Süd” stark.

Evaluierung der Schnellstraßenverbindung S18 abgeschlossen: Neue Variante “Lustenau Süd” soll weiterverfolgt werden.

Dornbirn Jetzt ist die Katze auch offiziell aus dem Sack. Das Klimaschutzministerium hat heute den Landesräten Marco Tittler (46, ÖVP) und Daniel Zadra (38, Grüne) sowie dem Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer (59, ÖVP) den Abschlussbericht zur Evaluierung der Alternativen zur Bodenseeschnellstraße S18 (CP-Variante) vorgelegt. Dieser sieht, wie die VN bereits in ihrer heutigen Ausgabe exklusiv berichtet hatten, eine neue Variante vor. “Das Ergebnis zeigt deutlich: Es gibt eine Alternative”, so Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (45, Grüne) in einer ersten Stellungnahme.

Die seit Jahrzehnten andauernde Suche nach einer leistungsfähigen Straßenverbindung zwischen Österreich und der Schweiz ist um eine weitere Variante reicher. Eine zur Evaluierung von S18-Alternativen eingesetzte Arbeitsgruppe kommt demnach zum Schluss, dass die Variante “Lustenau Süd” “verkehrliche Vorteile bringt und in Hinblick auf den Schutz des Klimas und der Bodenversiegelung in sensiblen Naturgebieten besser abschneidet”. Der Bericht wurde heute im Land präsentiert.

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Die Grafik zeigt die neu ins Spiel gebrachte Variante Lustenau Süd.

Die neu ins Spiel gebrachte Variante führt von der Autobahnabfahrt Dornbirn-Süd in Richtung Schweizerhaus, weiter zum Alten Rhein, wo sie unterirdisch bei Diepoldsau nach Widnau führt und an die A13 angebunden werden soll. Gegenüber der CP-Variante der S18 als vierspurige Schnellstraße bringe sie im Gesamtraum deutliche Vorteile, heißt es dazu im Bericht der Arbeitsgruppe, der den VN vorliegt. Auch sie führe zu einer wirksamen Verkehrsentlastung und damit zu weniger Stau, weniger Lärm und weniger Abgase im Raum Lustenau, so das Klimaschutzministerium in einer Aussendung.

Wien zaubert neue S18-Variante aus dem Hut

Bei der Alternative “Lustenau Süd” handelt es sich um eine deutlich abgespeckte Variante, die zum Teil auf bestehenden Straßen geführt wird und nicht die Dimension einer Autobahn hat, wie es dazu im Bericht heißt. Damit werde auch weniger Boden versiegelt. Auch bei der zeitlichen Umsetzung sieht die Arbeitsgruppe – bestehend aus Mitarbeitern des Ministeriums, der ASFINAG, dem Land, dem Kanton St. Gallen und Fachexperten – Vorteile. Erste Maßnahmen könnten demnach schneller umgesetzt werden und früher Entlastung bringen.

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Der 53 Seiten starke Endbericht “Evaluierung Schnellstraße S 18” liegt den VN vor.

Der aktuelle Bericht empfiehlt eine vertiefende Prüfung der Variante “Lustenau Süd”. Damit solle auch geklärt werden, ob dieses Projekt in der Genehmigung bessere Chancen als das Projekt S18 hätte (CP). Der Bericht sieht beispielsweise im Falle der Umsetzung der S18 eine signifikante Verkehrsüberlastung der bestehenden Rheintalautobahn A14. Insgesamt sei unklar, ob das bestehende Projekt genehmigungsfähig sei.

Im Falle einer Umsetzung der S18 CP-Variante sieht der Bericht eine Verkehrsüberlastung der A14 Rheintalautobahn. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Im Falle einer Umsetzung der S18 CP-Variante sieht der Bericht eine Verkehrsüberlastung der A14 Rheintalautobahn. VN/Steurer

Das soll in den nächsten Verfahrensschritten überprüft werden. Dazu werde die ASFINAG die erforderlichen Arbeiten vorbereiten, heißt es aus dem Klimaschutzministerium. Womit auch klar ist, dass die S18 CP-Variante trotz Alternative weiter verfolgt werden soll.

Gleichzeitig steht außer Frage, welche Prioritäten es im Ministerium gibt. “Die Variante Lustenau Süd bringt gegenüber einer Schnellstraße in vielen Bereichen erhebliche Vorteile”, bezieht Klimaschutzministerin Leonore Gewessler Position. Jetzt solle jedenfalls gemeinsam mit der Schweiz und dem Land Vorarlberg eine vertiefende Planung der Variante starten. Zudem solle Lustenaus Bevölkerung mit verschiedenen Maßnahmen wie Temporeduktion für Lkw oder ein verschärftes Nachtfahrverbot unmittelbar entlastet werden.

S18-Befürworterin spart nicht mit Kritik.

Karina Lechtaler lässt kein gutes Haar an der neuen Variante Lustenau Süd. Sie kritisiert einen “Alleingang ohne Schweizer Zustimmung”. Zudem sei die Variante nur bedingt verkehrswirksam.

Karina Lechtaler, S 18 - Straßenbefürworterin in Lustenau. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Karina Lechtaler, S 18 - Straßenbefürworterin in Lustenau. VN/Paulitsch

„Mir kommt das vor, als habe ein Hobbyverkehrsplaner einfach einen Strich durch die Landschaft gesetzt und verkauft das nun als tolle neue Variante“, ist die erste Reaktion von S18-Aktivistin und L 203-Anrainerin Karina Lechtaler (54). Der springende Punkt für sie: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man die Schweizer bereits gefragt hat, ob sie an anderer Stelle einen Grenzübergang wollen, als wie der vorgesehene bei St. Margrethen.“ Lechtaler weiter: „Wenn man das ohne Absprache mit den Schweizern jetzt einfach so verkündet, ist das letztklassig.“

Die sachliche Kritik der Aktivistin: „Der Nord-Süd-Verkehr bleibt bei dieser Variante unberücksichtigt. Von den an Werktagen 2.750 Lkw auf der L 203 fahren 1500 von Nord nach Süd. Und die fahren weiterhin durch den Ort.“    

S18-Gegner begrüßt neue Variante

Naturgemäß gegenteilig fällt die Reaktion von S 18-Gegner Eugen Schneider aus. „Wir begrüßen diesen neuen Zugang natürlich sehr. Es wurden hier unsere Argumente berücksichtigt.“ Man spreche sich für die kürzest mögliche Strecke zwischen der österreichischen und der Schweizer Autobahn aus. Dies sei bei der nun vorliegenden Variante berücksichtigt, erklärt Schneider seine Zustimmung.

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S18-Gegner Eugen Schneider, Sprecher der Straßengegner-Initiative. Schneider

„Ich habe mich mit den Details in der Kürze der Zeit natürlich noch nicht beschäftigen können. Aber wir sollten alle Probleme zu lösen bekommen. Davon bin ich überzeugt.“ Schneider möchte, dass alle Betroffenen „jetzt zusammenrücken.“ Ganz wichtig sind ihm auch schnell umsetzbare Maßnahmen. Diesbezüglich würde er sich auch mit Karina Lechtaler verständigen.

Mitarbeit: Klaus Hämmerle

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