Montafoner Funkentour: Vier Funken, vier Besonderheiten

VN / 26.02.2023 • 18:30 Uhr / 11 Minuten Lesezeit
Der Funken in Gantschier wurde am Samstagabend entzündet.

Montafon Tourismus bot heuer zum ersten Mal eine Funkentour an, bei der vier Funken besichtigt wurden. Was die Teilnehmer lernten: Kein Funken gleicht dem anderen. Jede Funkenzunft, jede Gemeinde baut ihren Funken individuell und auch die Bräuche rund um das Funkenabbrennen sind verschieden.

Montafon Neu im Programm von Montafon Tourismus war am vergangenen Samstag die Funkentour durch das Montafon. An vier ausgewählten Orten – Bartholomäberg, Silbertal, Gortipohl und Gantschier – konnten die 32 Teilnehmer – Gäste wie Einheimische –die Besonderheiten des jeweiligen Funkens erfahren. Denn jede Gemeinde baut ihren Funken anders, hat eigene Traditionen rund um das Funkenabbrennen. Highlight war das Scheibenschlagen in Gortipohl, das seit 2016 nationales Kulturerbe der UNESCO ist.

In Bartholomäberg wurden am Samstag Fackeln gebaut.
Die Fackeln wurden anschließend mit Holzwolle gestopft.

Manuel Bitschnau, Geschäftsführer von Montafon Tourismus, schlüpfte am Funkensamstag in die Rolle des Tourguides und informierte bereits im Luxusliner von Bösch Reisen über die Geschichte und das Brauchtum des Funkenabbrennens. „Wir wollten schon viele Jahre eine Tour organisieren, bei der man mehr als zwei Funken an einem Wochenende besichtigen kann“, erklärte Manuel Bitschnau den Grund für die Funkentour auf dem Weg zur ersten Station in Bartholomäberg, mit sieben (heuer nur sechs) Funken die Funkenhochburg Österreichs.

Funkenmeister Martin erklärte den Teilnehmern der Funkentour die Besonderheiten des Bartholomäberger Funkens auf dem Widum.
Teilnehmer der Funkentour begutachteten den 15 Meter hohen Funken im Ortszentrum von Bartholomäberg.
Teilnehmer der Funkentour begutachteten den 15 Meter hohen Funken im Ortszentrum von Bartholomäberg.
Die Holzstäbe werden zusammengeklopft und gebündelt.
Die Holzstäbe werden zusammengeklopft und gebündelt.

Erste Station: Funkenhochburg Bartholomäberg

Beim Widum im Ortszentrum von Bartholomäberg, wo der Funken Sonntag entzündet wurde, wartete bereits Martin, Funkenmeister der Funkenzunft Bartholomäberg. Seit zehn Jahren hat er dieses Amt inne, bei der Funkenzunft Bartholomäberg ist er bereits seit 2004. „Ich betreibe das schon, seit ich laufen kann“, erzählte Martin, der früher in Jetzmunt den Funken mit gebaut hat. Früher war der Funken in Jetzmunt auch noch bis zu 33 Meter hoch, heute ragt der Funken – aus Sicherheitsgründen – nur noch 15 Meter in den Himmel.

Manuel Bitschnau und Funkenmeister Martin erklärten den Funken in Bartholomäberg sowie den weiteren Ablauf.
Manuel Bitschnau und Funkenmeister Martin erklärten den Funken in Bartholomäberg sowie den weiteren Ablauf.
Tiffany Gomig (l.) aus Bludesch-Gais und Christine Ausserer aus Bludenz wärmten sich an der Feuerschale in Silbertal.

In Bartholomäberg schwingen nicht nur die Kinder ihre Fackeln am Funkensonntag selbst, sondern bestücken auch das Fackelrädle mit ihren selbstgebauten Fackeln – eine Besonderheit. Vor dem Feuerwehrhaus konnten die Kinder mit ihren Eltern ihre eigene Fackel bauen. Dazu wurden breite Holzstäbe zusammengebunden und in die Zwischenräume wurde Holzwolle gestopft.

Christel und Anita waren für die Funkaküachli in Silbertal zuständig.
Christel und Anita waren für die Funkaküachli in Silbertal zuständig.
Das Funkaküachli ist der Klassiker beim Funkenabbrennen.
Das Funkaküachli ist der Klassiker beim Funkenabbrennen.
Den Funken in Silbertal zierte eine Funkenhexe, die vom Kindergarten gebastelt wurde.
Johannes Netzer ist der Oberfunkner in Silbertal - noch, denn nächstes Jahr übernimmt das Funkenbauen die Funkenzunft Kristberg Althus.

Der Funken in Bartholomäberg ist achteckig, was der traditionellen Bauweise im Montafon entspricht. Geschlägert wurde die bis 20 Meter hohe Tanne am Faschingsdienstag – eine „beachtliche Höhe“, wie Martin anmerkte. „Beim Transport muss man schon Obacht geben.” Beim Funkenbau, am insgesamt 13 Personen beteiligt waren, werden so gut wie keine Nägel verwendet. Die ein Meter langen Scheite werden nur durch ihr eigenes Gewicht gehalten. Jedoch wurde in regelmäßigen Abständen ein Holzkreuz vernagelt, um für die nötige Stabilität zu sorgen.

Hier sieht man gut den Funkentisch in Silbertal. So kann das Feuer von unten Luft ziehen.
Hier sieht man gut den Funkentisch in Silbertal. So kann das Feuer von unten Luft ziehen.
Gerhard Willi erklärte den Teilnehmern, wie man den Holzstecken schwingt.
Gerhard Willi erklärte den Teilnehmern, wie man den Holzstecken schwingt.
Die Holzscheiben werden vorher mit einer Axt vom Stamm runtergeschlagen und geschliffen.

Anders als bei anderen Funken wird der Funken in Bartholomäberg, der teilweise mit Holzwolle gefüllt ist, mit einem langen Holzstecken in der Mitte angezündet. Zum Anzünden brauche es schon ein Benzingemisch „als Startpilot“, gab Martin zu. Zwölf Kubikmeter Holz wurden verbaut, sodass der Funken in ganzer Höhe circa 20 Minuten brennen sollte, bevor er nach und nach in sich zusammenfällt.

Obmann Jürgen Wachter und Funkenmeister Gerhard Willi der Funkenzunft Gortipohl.
Obmann Jürgen Wachter und Funkenmeister Gerhard Willi der Funkenzunft Gortipohl.
Gerhard Willi mit einem Bund Scheiben.
Gerhard Willi mit einem Bund Scheiben.
Der massiv gebaute Funken von Gortipohl.
Der massiv gebaute Funken von Gortipohl.

Die Hexe wird erst ganz zum Schluss auf den Funken gesetzt. Viele Hexen im Montafon sind mit Schießpulver befüllt. Ziel beim Funkenabbrennen (etwa in Gantschier) ist es, dass die Hexe mit einem lauten Knall explodiert. „Wenn die Hexe nicht verbrennt oder gestohlen wird, gibt es einen Leichenschmaus. Dann wird’s teuer“, erzählte Martin. „Je mehr Leute es wissen, umso teurer wird es für uns”, denn nach Beerdigung der Hexe muss die Funkenzunft alle verköstigen. Damit keiner den Funken schon vorher anzündet, muss die Funkenzunft Wache halten. Und während der Funkenwache ist für ordentlich Speis und Trank gesorgt, woran sich auch die Funkentourteilnehmer bedienen konnten.

Der Trätzfunka von Bartholomäberg.
Der Trätzfunka von Bartholomäberg.
Und der Trätzfunka mit Funkenhexe in Silbertal.
Und der Trätzfunka mit Funkenhexe in Silbertal.

Der Silbertaler Funken

Johannes Netzer ist Kommandant der Feuerwehr und Oberfunkner in Silbertal, denn eine eigene Funkenzunft hat die kleine Gemeinde nicht. Seit über 50 Jahren macht das die Feuerwehr, ab nächstes Jahr, so verkündete Johannes, wird die Funkenzunft Kristberg Althus den Funkenbau in Silbertal übernehmen. Somit war es dieses Jahr das letzte Mal für die Feuerwehr. „Am Donnerstag haben wir angefangen, den Funkentisch zu bauen“, sagte Johannes. Der Funkentisch besteht aus längeren, breiten Baumstämmen, damit das Feuer von unten Luft ziehen kann. „Ab der Hälfte hat uns ein Kran geholfen.“ Da die Feuerwehr Silbertal ein Schätzspiel zur Höhe des Funkens am Laufen hatte, konnte Johannes nicht die Höhe des Funkens verraten. Gefüllt war der Funken mit alten Christbäumen, Obstkisten und Stroh. Während der Funken am Samstag brannte, spielte die Bürgermusik Silbertal.

Die Scheiben werden zuerst ins Feuer gehalten.

Die Funkenhexe Friederike hat übrigens der Kindergarten gebaut. Bei der Hexenprämierung in Schruns gewann die Hexe der Funkenzunft Althus Kristberg. Die Silbertaler Hexe Friederike wurde nur auf den 6. Platz gewählt. Johannes Netzer erzählte, dass jede Funkenzunft die anderen Hexen bewerten darf. „Das ist reine Geschmackssache.“

Das Vorglühen der Scheiben ist auch ein geselliger Teil des Abends, wenn alle um das Feuer stehen.

In Silbertal gab es unter anderem Funkaküachli, gebacken und zubereitet von Christel und Anita. Auch Christine Ausserer aus Bludenz und Tiffany Gomig aus Bludesch Gais ließen sich das Funkaküachli nicht entgehen und holten sich sogar Nachschlag. An der Feuerschale lobte Christine die Funkentour: „Es ist eine richtig nette Veranstaltung. Ich habe mich direkt angemeldet, als ich es in den VN gelesen habe. Es ist sehr interessant, die verschiedenen Funkentypen zu sehen und die Erklärung der Funkenzunft, wie sie den Funken bauen, dazu zu bekommen.“ Und auch Tiffany meinte: „Es ist super organisiert.“

Auch Manuel Bitschnau übte sich im Scheibenschlagen.
Auch Manuel Bitschnau übte sich im Scheibenschlagen.
Erklärt wurde das Scheibenschlagen von Simon, Sohn von Gerhard Willi.
Erklärt wurde das Scheibenschlagen von Simon, Sohn von Gerhard Willi.

Das Scheibenschlagen in Gortipohl

In Gortipohl Schattenort begrüßten Funkenmeister Gerhard Willi und Obmann der Funkenzunft Gortipohl, Jürgen Wachter, die Gäste. Die Funkenzunft Gortipohl wurde vor 45 Jahren gegründet, weshalb heuer auch eine leuchtende 45 den Funken zierte. 19 Meter hoch war der massive, viereckige Funken mit zweieinhalb Meter Durchmesser, der nur mithilfe einer Seilwinde und sonst von Hand gebaut wurde. Mit Tanne ist er sogar 25 Meter hoch. Durch die bis zu 50 Zentimeter dicken Spalten und den 20 Kubikmetern Holz brennt der Funken zweieinhalb Stunden lang. Während der Trätzfunka, also der kleine Funken, den die Kinder und Jugendlichen bauen, bereits am Samstag von den Kindern entzündet wurde, war der große Funken erst am Sonntagabend dran.

Gertrud Flatz war begeistert vom Scheibenschlagen.

Am Samstagabend konnten die Kinder zudem selbst die glühenden Holzscheiben schlagen. Seit 1400 wird das Scheibenschlagen in Gortipohl praktiziert. Gerhard Willi erklärte, dass sie für das Scheibenschlagen nur Erlenholz von der Ill verwenden. „Früher war das ein Arme-Leute-Holz, da das Holz gleich gebrannt hat“, weiß der Funkenmeister. 500 bis 600 Scheiben, die zuvor mit einer Axt abgeschlagen werden, schießen die Kinder und Erwachsenen jedes Jahr am Wochenende nach Fasching in die Nacht hinein. „20 bis 30 Leute machen beim Scheibenschlagen mit. Das sind schon ein paar Tausend Scheiben, die bis jetzt geschlagen wurden“, vermutet Gerhard.

Sonya Hallek mit Tochter Sophia aus Bartholomäberg gefiel ebenfalls die Funkentour und das Scheibenschlagen.
Sonya Hallek mit Tochter Sophia aus Bartholomäberg gefiel ebenfalls die Funkentour und das Scheibenschlagen.

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Gerhard Willi ist seit dem zwölften Lebensjahr dabei. „Seit 46 Jahren lasse ich keinen Funken aus. 400 bis 500 Scheiben habe ich schon geschlagen, bis zu 40 Scheiben pro Jahr.“ Sein weitester Flug reichte bis weit über die Ill, 400 bis 500 Meter weit. Eine Bedeutung habe das Scheibenschlagen aber nicht. Es sei einfach eine zusätzliche Tradition, um den Winter zu vertreiben wie beim Funken.

Dann ging es zum Funkenabbrennen nach Gantschier.
Dann ging es zum Funkenabbrennen nach Gantschier.
Der Andrang war wie immer groß.
Der Andrang war wie immer groß.

Die Holzscheiben haben in der Mitte ein Loch und werden so einzeln auf einem Holzstecken geschraubt. Dann hält man den Stecken mit der Scheibe in die Glut, hebt diesen ab und an hoch, schwingt ihn und legt ihn dann wieder in die Glut, so lange, bis ein glühender Kranz auf der Scheibe zu erkennen ist. Dann geht man zur Holzrampe, stellt sich daneben und schlägt die glühende Scheibe vom Stecken in Richtung Tal ab.

Auch der kleine Funken, der Trätzfunka, wurde entfacht.
Die Gantschierner Häxa führten traditionell ihren Hexentanz vor.
Die Gantschierner Häxa führten traditionell ihren Hexentanz vor.

Jeder Teilnehmer konnte das Scheibenschlagen selbst ausprobieren. Gertrud Flatz aus St. Anton war begeistert: „Das kannte ich noch gar nicht live. Ich finde das ganz klasse.“ Auch Sonya Hallek aus Bartholomäberg gefiel die Funkentour: „Man lernt viel über die unterschiedlichen Funken. Es ist schön, das Scheibenschlagen selbst ausprobieren zu können.“

Der Reisebus von Bösch Reisen brachte die Teilnehmer von Ort zu Ort.
Der Reisebus von Bösch Reisen brachte die Teilnehmer von Ort zu Ort.
Fackellauf der Kinder.
Fackellauf der Kinder.

Endstation: Gantschierner Funken

Die letzte Station war der Funken in Gantschier. Nach dem närrischen Treiben der Gantschierner Häxa, die vor dem Funken einen Tanz aufführten, und dem Fackelzug der Kinder wurde dann um 20 Uhr der Funken entzündet. VN-JUN

Die Gantschierner Häxa.
Die Gantschierner Häxa.
Manuel Bitschnau, Geschäftsführer Montafon Tourismus, freute sich über die ausgebuchte Funkentour, die von den Gästen nur gelobt wurde.
Manuel Bitschnau, Geschäftsführer Montafon Tourismus, freute sich über die ausgebuchte Funkentour, die von den Gästen nur gelobt wurde.

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