In Egg gab es Diskussionsbedarf

Bei den Egger Wirtschaftsgesprächen standen Themen wie „Kinderbetreuung, Mobilität und New Work“ auf dem Programm und sorgten für reichlich Gesprächsstoff.
Egg Die größte Gemeinde des Bregenzerwaldes ist im Umbruch. Vor wenigen Tagen wurden das Bienenhaus – eine neue Dimension der Kleinkinderbetreuung – und der zukunftsweisende Busbahnhof eröffnet. Gleichzeitig sind die Bagger aufgefahren, um das ehemalige Postgebäude abzureißen, um Platz zu schaffen für ein multifunktionales Zentrumsprojekt.

Bürgermeister Paul Sutterlüty und seinem Team bleibt keine Zeit zum Durchatmen, denn im Juni soll das überarbeitete Räumliche Entwicklungskonzept (REK) präsentiert werden und noch vor der Sommerpause wird ein Zwischenbericht zum Projekt Zentrumsumfahrung (Strategische Umweltprüfung) diskutiert.

Mit der Bevölkerung planen
Seit fast 20 Jahren hat Egg mit den Egger Wirtschaftsgesprächen eine Plattform installiert, um anstehende Weichenstellungen mit der Bevölkerung zu diskutieren. Bei der 18. Auflage dieser Wirtschaftsgespräche ließen sich Gemeinderat Lukas Dorner und Moderatorin Martina Ess wieder etwas Neues einfallen: „Gegenüber“ war das Motto, zu dem jeweils zwei Persönlichkeiten kurze Statements zu den Themen „Kinderbetreuung, Mobilität und ,New Work‘ – die Arbeit der Zukunft“ abgaben. Nicht immer übereinstimmend, aber das war beim „Gegenüber“ ja auch nicht gewollt.
Interessante Themen
Zur Kinderbetreuung hatten Lara Bechter, Unternehmerin und Mutter von vier Kindern, aus Wien stammend und seit zehn Jahren in Egg wohnhaft, und Johannes Metzler, viele Jahre im Personalbereich tätig und seit einem Jahr Geschäftsführer im Sozialzentrum Egg, durchaus unterschiedliche Sichtweisen. Während Bechter uneingeschränkt dafür plädierte, dass die öffentliche Hand und Betriebe für die Kinderbetreuung verantwortlich seien, sah Metzler auch Eltern in der Pflicht: Wer sich für Kinder entscheide, müsse auch bereit sein, deren Betreuung selbst in die Hand zu nehmen.

In Fragen der Mobilität diskutierten Walter Metzler, u. a. Naturschutzreferent im Alpenverein, und Thomas Fetz, Obmann der Werbegemeinschaft der Egger Kaufleute und Gastwirte. Einig wurden sich die beiden nicht in der Frage, wie viel Parkmöglichkeiten für Autos es vor den Geschäften geben müsse. Kompromisse zu finden wird die große Herausforderung.

Mehr Übereinstimmung gab es bei Wolfgang Mätzler und Florian Sutterlüty beim Thema „New Work“. Mätzler ist dabei, mit seinem im Aufbau befindlichen Projekt FAIRkocht die Gastronomie zu entlasten, indem er regionale Qualität vorkocht und dadurch personelle Lücken in der Gastronomie füllt. Personal zu finden und zu halten ist die Herkules-Aufgabe von Florian Sutterlüty, der nach seinem Studium in Holland und Berufserfahrung in Wien ins Egger Familienunternehmen zurückgekehrt ist. Seine besondere (Personal)-Herausforderung: Lebensmittel kann man nicht im Homeoffice verkaufen.

Vorbild für Unternehmen
Im zweiten Teil der Wirtschaftsgespräche strich Birgit Lutz, gelernte Zeitungsjournalistin, Autorin, Expeditionsleiterin und engagierte Kämpferin für Umweltschutz (Plastikprojekt in der Arktis) Parallelen zwischen Expeditionen und Geschäftswelt heraus. Fazit: Von den Erfahrungen und Erkenntnissen aus Expeditionen können Manager und Unternehmer bei ihren Entscheidungen sehr viel lernen, denn in der Welt der Arktis ist vieles jener in der Geschäftswelt sehr ähnlich. Für Stoff bei den anschließenden Gesprächen in kleinen Runden war jedenfalls ausreichend gesorgt. STP


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