Abwasser enthüllt viel Verborgenes über die Vorarlberger

Für Christian Kloser ist es immer wieder erstaunlich, was die Menschen im Land konsumieren.
Darum geht’s:
- Kläranlage Hofsteig reinigt Abwasser von acht Gemeinden.
- Abwasseranalysen liefern Informationen über Drogen und Arzneimittelrückstände.
- Regelmäßige Untersuchungen auf Corona, RSV und Influenza.
Hard Viele spülen die Toilette, duschen oder machen den Abwasch, ohne darüber nachzudenken, was mit dem Abwasser passiert, oder weniger noch: was man davon eigentlich ablesen könnte. „Die Kläranlage ist wie eine ‚Datenautobahn‘, aus der man sehr viele Informationen ziehen kann“, sagt Christian Kloser, Geschäftsführer des Wasserverbands Hofsteig in Hard. Aktuell ist dies einer von zwei Standorten in Vorarlberg, an denen Mischproben auf Drogen, Viren und Arzneimittelrückstände entnommen werden.

Infektionen im Blick
Die Abwasserreinigungsanlage WV Hofsteig reinigt das Abwasser von acht Gemeinden: Bildstein, Fußach, Gaißau, Hard, Höchst, Lauterach, Lustenau und Wolfurt. Das entspricht dem Abwasser von rund 70.000 Personen sowie von Industrie und Gewerbe. Rund zwei Tage dauert es, bis das Abwasser gereinigt und in die Umwelt zurückgeleitet wird. Die Funktion der Kläranlage wird jeden Tag stündlich von acht bis 20 Uhr kontrolliert. Dafür werden Proben vom Zu- und Ablauf entnommen und anschließend im hauseigenen Labor untersucht, dokumentiert und an das Land geschickt.

Außerdem werden wöchentlich Proben auf Corona, RSV und Influenza entnommen und an die AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) in Wien übermittelt. Aktuell zeigen diese Werte keine Auffälligkeiten.

Die Proben werden aus Probenahmeschränken des Zulaufes und Ablaufes entnommen. Für das Drogenmonitoring braucht es zum Beispiel Proben aus dem Zulauf, für Schwermetalle aus dem Ablauf und für die tägliche Kontrolle der Kläranlage werden beide herangezogen.

Alexandra Serra
Drogenmonitoring
Einmal pro Jahr wird das Abwasser auf Suchtgifte untersucht. „Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie viele Drogen die Vorarlberger konsumieren“, meint Kloser. „Da sind Drogen dabei, die ein Normalsterblicher gar nicht kennt.“ Die Abwasserproben werden auf Alkohol und Nikotin sowie auf die Wirkstoffe von Kokain, Cannabis, Ecstasy, Speed und Crystal Meth analysiert.
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Das jüngste abwasserbasierte Drogenmonitoring der Drogenagentur der Europäischen Union (EUDA) zeigt: Cannabis ist in Österreich die am häufigsten konsumierte illegale Droge und der Kokainverbrauch steigt weiter an. Außerdem ist der Pro-Kopf-Konsum von Kokain in Westösterreich und Südtirol höher als in Ostösterreich. „In Vorarlberg hat man den Eindruck einer heilen Welt, aber hier wird mehr konsumiert, als man sieht und glaubt“, sagt Kloser.

Notwendige Nachrüstung
In unregelmäßigen Abständen finden im Wasserverband Hofsteig auch Spezialuntersuchungen statt, etwa zu Schwermetallen wie Blei oder zu Arznei- und Putzmittelrückständen. Außerdem ist im vergangenen Jahr eine Kommunale Abwasserrichtlinie (KARL) in Kraft getreten. Dabei müssen Kläranlagen ab einer gewissen Größe mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe zur Entfernung von chemischen Spurenstoffen nachgerüstet werden. Auch jene in Hard.


„Aktuell laufen aufwendige Proben, um die Umsetzung planen zu können“, erklärt Kloser. Dafür müssen innerhalb eines Jahres viermal jeweils eine Woche lang Proben entnommen und eingefroren werden. „Aktuell sind wir bei der zweiten Jahresentnahme.“

Finanziert wird diese neue Reinigungsstufe zu einem Großteil von Herstellern, Importeuren oder Vertriebspartnern, die spurenstofffreisetzende Produkte auf den österreichischen Markt bringen: zum Beispiel die Pharmaindustrie. Während diese davor warnt, dass die Abwasserrichtlinie die Versorgungssicherheit mit Medikamenten und Wettbewerbsfähigkeit gefährdet, ist Kloser überzeugt, dass die neue Regelung beziehungsweise die Modernisierung bereits überfällig war.
