“Ich würde Aufwandspauschalen im ganzen Land begrüßen”

Kindergärten kämpfen mit späten Abholungen, Personalmangel und fordern klare Regeln.
Lustenau Eva Hofer, Kindergartenpädagogin in Lustenau und Vorsitzende des Vereins “Zukunft Elementare Bildung”, zeigt wenig Verständnis für die Aufregung um die Aufwandspauschalen, die Eltern beim verspäteten Abholen ihrer Kinder im Kindergarten Langen zahlen müssen. Im Gespräch mit den VN geht sie sogar noch einen Schritt weiter: “Ich würde das im ganzen Land einführen, um eine verlässliche Grundlage für die Planung aller hier beteiligten Akteure zu gewährleisten”, betont Hofer.
Pädagoginnen müssen Missstände ausgleichen
“Oft werden Kinder zu spät abgeholt.” Das führe häufig dazu, dass geplante Pausen ausfallen und Überstunden anfallen. Dass dies kein Einzelfall ist, belegt Hofer mit einer Umfrage unter 870 Pädagoginnen und Mitarbeiterinnen im elementaren Bildungsbereich: Viele berichteten, dass Kinder regelmäßig zu spät abgeholt werden. Ein weiteres Problem sieht Hofer bei der Ferienbetreuung: “Wenn zum Beispiel 40 Kinder angemeldet sind, werden dafür vier Erwachsene eingeplant. Erscheinen dann aber nur 25 Kinder, müssen zwei Pädagoginnen entweder nach Hause gehen und Minusstunden schreiben oder sie bleiben vor Ort und warten.” Die Gemeinde bleibe in jedem Fall auf den Personalkosten sitzen. Im Gegenzug fehle es während der regulären Betreuungszeiten im Jahr an ausreichend Personal. Dieses werde aktuell bis auf das gesetzliche Mindestmaß reduziert. So sind Gruppengrößen von bis zu 25 Kindern mit nur einer Pädagogin und einer Assistentin möglich. “Wir Pädagoginnen müssen gesellschaftspolitische Probleme abfedern, das ist aber nicht unsere Aufgabe”, stellt Hofer klar. Kindergärten seien dazu da, Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern und zu bilden, nicht als bloße Aufbewahrungsstätte zu dienen.
Das Wohl des Kindes muss an erster Stelle stehen
Hofer fordert, dass in der aktuellen Debatte das Wohl der Kinder wieder in den Mittelpunkt rücken soll. “Wer schützt die Kleinsten vor einer 50-Stunden-Woche und nur 20 Urlaubstagen im Jahr?”, fragt sie. Solche Belastungen überstiegen oft sogar das Pensum vieler Erwachsener. Lange Tage bedeuten für Kinder erhebliche Herausforderungen: viele Eindrücke, begrenzte Rückzugsmöglichkeiten, hoher Lärmpegel und bis zu zehn Stunden ununterbrochene soziale Interaktion. “Im Alltag beobachten wir immer häufiger Anzeichen von Erschöpfung und Überforderung”, erklärt Hofer. Pädagogische Fachkräfte bewegen sich täglich im Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen der Kinder, den Erwartungen der Eltern und den strukturellen Rahmenbedingungen.
Klare Regeln gefordert
Als Vorsitzende des Vereins “Zukunft Elementare Bildung” spricht sich Hofer für klare Regelungen aus – dazu gehöre für sie auch eine Aufwandspauschale, wenn Anmeldungen nicht eingehalten werden. “Wir geben jeden Tag unser Bestes, mit viel Herz und Engagement. Klare Regeln sorgen dafür, dass Angebote nachhaltig und fair für alle gestaltet werden, für die Kinder, die Eltern und auch für uns Pädagoginnen”, betont Hofer. Verlässlichkeit dürfe keine Einbahnstraße sein und ausgenutzt werden. Sie spricht für viele Pädagoginnen im Land, die unter Familienfreundlichkeit verstehen, dass das Wohl aller im Blick gehalten wird. Dazu zähle: Kinder nicht überfordern, Eltern unterstützen, Gemeindeentscheidungen respektieren, die auf einen effizienten und fairen Ressourceneinsatz abzielen, sowie die Arbeit jener wertschätzen, die täglich für die Kinder da sind. BVS