Teigwarenfabrik Scheidbach: Industriegeschichte am Rankweiler Mühlbach

Heimat / 09.06.2026 • 15:07 Uhr
Teigwarenfabrik Scheidbach von Südwesten, 2013. Foto: Böhringer.
Teigwarenfabrik Scheidbach von Südwesten, 2013. böriner

Aus einer Mühle entwickelte sich in Rankweil ein moderner Lebensmittelbetrieb.

Rankweil Mit der Industrialisierung hielt auch in der Lebensmittelproduktion die Mechanisierung Einzug. In Rankweil griff Jakob Scheidbach diesen Trend früh auf. Nach dem Erwerb der Herrenmühle am Mühlbach begann er in einem 1885 errichteten eingeschossigen Gebäude mit der Herstellung von Teigwaren. Anfangs arbeiteten einfache Maschinen in der Fabrik, doch die stetigen Erweiterungen des Betriebs zeugen vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Spätestens ab 1910 entwickelte sich die Produktion zu einem fabrikmäßigen Betrieb. Entscheidenden Anteil daran hatte die konsequente Nutzung der Wasserkraft. Der Mühlbach bildete das technische Rückgrat der Fabrik. Ein besonderes Abkommen erlaubte es sogar, in den Wintermonaten zusätzlich Wasser der wärmeren Nafla in den Mühlbach einzuleiten, um ein Vereisen der Anlagen zu verhindern. Diese technische Anpassung sicherte die Produktion auch in kalten Wintern. Nach dem Tod von Jakob Scheidbach und seines Sohnes im Jahr 1917 führten die Witwe und ihre Neffen, die Gebrüder Gfall, den Betrieb weiter. In den 1920er-Jahren wurde die Fabrik kontinuierlich modernisiert und erweitert. Neue Francis-Turbinen verbesserten die Energiegewinnung, moderne Schneckenpressen und Trocknungsapparate steigerten die Produktionskapazitäten. 1925 entstand an der Langgasse ein repräsentatives Wohnhaus für die Gebrüder Gfall mit zwei getrennten Wohnungen – die bekannte Villa Gfall.

Villa Gfall an der Langgasse, 2013. Foto: Böhringer.
Villa Gfall an der Langgasse, 2013. Foto: Böhringer.

Spezialisierung nach dem Krieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg reagierte das Unternehmen auf veränderte Marktbedingungen und spezialisierte sich zunehmend auf die Herstellung von Semmelknödeln, Knödelbrot und verwandten Produkten. Das heutige Betriebsgebäude zeigt die zahlreichen Erweiterungen und Umbauten aus unterschiedlichen Epochen. Dadurch lässt sich die Entwicklung vom kleinen Mühlenbetrieb hin zu einer modernen Lebensmittelproduktion bis heute nachvollziehen. Die Produktion am Standort läuft weiter. Scheidbach zählt mittlerweile zu den führenden Herstellern von Semmelbröseln und Semmelwürfeln in Österreich und produziert weiterhin in Rankweil. Die unmittelbare Nähe zum Werk von Rauch Fruchtsäfte machte das Areal strategisch interessant. Bereits 2024 wurde bekannt, dass Rauch das rund 6400 Quadratmeter große Gelände der Fabrik übernommen hat. In den ehemaligen Scheidbach-Hallen ist jedoch weiterhin die Scheidbach GmbH eingemietet. Betriebsleiter Burkhard Spanring erklärte, dass für den Standort ein Mietvertrag bis 2032 bestehe. Die Produktion von Teig- und Backwaren in Rankweil soll daher vorerst unverändert weitergeführt werden. Damit steht das Areal exemplarisch für den Wandel vieler historischer Industriebetriebe in Vorarlberg. Wo einst Wasserkraft Maschinen antrieb und Teigwaren produziert wurden, bestimmen heute Fragen nach Nachnutzung, Standortentwicklung und moderner Lebensmittelindustrie die Zukunft. Die Geschichte der Teigwarenfabrik Scheidbach zeigt eindrucksvoll, wie eng technische Innovation, Familienunternehmen und die Entwicklung Rankweils miteinander verbunden waren – und bis heute geblieben sind. MEC