Vom Bauerndorf zum Textilstandort: Die Industrialisierung von Götzis

Textilbetriebe machten Götzis zu einem bedeutenden Industriestandort
Götzis Im 19. Jahrhundert entwickelte sich das einst überwiegend bäuerlich geprägte Götzis Schritt für Schritt zu einem Industriestandort. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die Lage an der wichtigen Reichsstraße zwischen Bregenz und Feldkirch sowie durch den Anschluss an die Vorarlbergbahn im Jahr 1872. Damit war Götzis früh in die überregionalen Verkehrs- und Handelsnetze eingebunden. Den Anfang machten Heimweber und Heimsticker, die für Schweizer Auftraggeber produzierten. Daraus gingen bald erste Fabrikbetriebe hervor wie die Baumwollspinnerei, Färberei und Bleicherei von Johann Kaspar Kopf um 1820. Wenig später folgte die erste Weberei von Franz Josef Huber, die den Grundstein für das spätere Huber-Wäscheimperium legte. Während zahlreiche Stickereien als kleine Familienbetriebe in Anbauten von Wohnhäusern arbeiteten, entstanden mit der Stickerei Adolf Walser oder der Stickerei G. Amann & Co. auch größere Produktionsstätten. Aus letzterer entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg die bekannte Hemden- und Wäschefabrik Lothar Amann.

Konzentration auf Wirkwaren- und Bekleidungsindustrie
Franz Josef Huber gehörte bereits bei der Einführung der ersten Handstickmaschinen zu den Pionieren des Landes. In den 1870er-Jahren brachte er erstmals Wirkstühle nach Vorarlberg. Wenig später kam mit dem aus Metzingen stammenden Trikotweber Johann Heuss weiteres Fachwissen nach Götzis. Damit begann eine Entwicklung, die den Ort über Jahrzehnte prägen sollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die größte Kleiderfabrik Johann Peter Mayer. Obwohl das Unternehmen bereits um 1900 als Maßschneiderei gegründet worden war, entstanden die eigentlichen Industrieanlagen erst in den 1940er-Jahren. Unter der Marke “Perma” entwickelte sich die Firma zu einem bedeutenden Arbeitgeber. Bis zur Schließung im Jahr 1986 zählte sie neben der Huber Trikot- und Wäschefabrik zu den wichtigsten Textilunternehmen des Ortes. Auf dem ehemaligen Firmengelände entstand später der Vorarlberger Wirtschaftspark, einer der ersten seiner Art im Land.
Eigene Arbeitskräfte
Götzis musste im 19. Jahrhundert kaum auf Arbeitskräfte von außerhalb zurückgreifen. Dadurch blieb die Bevölkerungsentwicklung vergleichsweise stabil. Gleichzeitig prägten die großen Unternehmen das soziale Leben. Viele Familien waren über Generationen hinweg mit denselben Betrieben verbunden. Das Ortsbild wurde lange Zeit von den weitläufigen Fabrikarealen der Firmen Huber und Heuss bestimmt. Auch die Kleiderfabrik Mayer hinterließ sichtbare Spuren und war das einzige Unternehmen im Ort, das eigene Arbeiterwohnbauten errichten ließ. Hinzu kam mit der Ziegelei und Baustofffirma Hilti Mettauer im Ortsteil Moos ein weiterer bedeutender Industriebetrieb, der aus einem 1927 gegründeten Kalkwerk hervorgegangen war und 2010 seinen Betrieb einstellte. Heute sind viele Zeugnisse dieser industriellen Vergangenheit verschwunden. Das ehemalige Huber-Areal wurde durch die Entwicklung des Garnmarkts grundlegend umgestaltet, Fabrikgebäude wichen modernen Nutzungen.