VN-Jugendstammtisch: Absage an Zack-Zack-Politik

Vorarlberg / 18.07.2019 • 22:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Lieferten sich sachliche Debatte: Jeannette Greiter (l.), Johannes Fitz, Michael Prock (VN), Christina Metzler, Nina Tomaselli sowie Birgit Entner-Gerhold (VN) und Fabienne Lackner. VN/PAULITSCH

VN-Jugendstammtisch in Frastanz war durchwegs von Sachpolitik geprägt.

Die komplette Diskussion zum Nachhören

Frastanz „Die Jugend am Wort zur Landestagswahl“: Unter diesem Motto stand ein VN-Stammtisch, der im Freibad Felsenau in Frastanz über die Bühne ging. Organisiert wurde die Premiere eines Stammtischs in einem öffentlichen Schwimmbad von den Machern der Poolbar und den Vorarlberger Nachrichten. Neben Christina Metzler (22, VP), Johannes Fitz (29, FP) und Nina Tomaselli (34, Grüne) stellten sich auch Jeannette Greiter (30, SP) und Fabienne Lackner (21, Neos) sowohl Fragen der VN-Redakteure Birgit Entner-Gerhold und Michael Prock als auch jenen aus dem Publikum. Eines gleich vorweg: Die Diskussionen und mitunter unterschiedlichen Positionen wurden durchwegs auf einer sachlichen Ebene geführt. Verbale Untergriffe, wie sie manchmal im Landtag oder Nationalrat zu erleben sind, legten die Jungpolitiker nicht an den Tag.

Zukunft der Politik nach Ibiza?

Zum Auftakt standen die Nachwirkungen und Folgen des viel zitierten Ibiza-Videos für die Politik im Mittelpunkt. Was ging den jungen Politikern durch den Kopf, als sie mit dem Inhalt des Videos konfrontiert wurden und wie sieht es seither mit dem Vertrauen in die Politik aus? „Wir als junge Politiker können klar aufzeigen, dass es um Politik und die Sache und vor allem um die Menschen geht. Für das, was in diesem Video passiert ist, gibt es keine Entschuldigung und keine Worte für eine Rechtfertigung. Ich hoffe, dass das alle hier so wie ich sehen und solche Worte nie im Leben in den Mund nehmen“, erklärte Christina Metzler (VP) unter Applaus des Publikums. Für Jeannette Greiter (SP) verlieren die Menschen durch solche Sachen das Vertrauen in die Politik. Greiter plädierte für mehr Miteinander und das Einbeziehen der Bevölkerung in Entscheidungen. Nina Tomaselli (Grüne) hätte, wäre sie im Nationalrat gesessen, Kanzler Sebastian Kurz ebenso das Misstrauen ausgesprochen. „In der jetzigen Krise liegt eine Chance, Politik endlich anders anzugehen. Ein Zauberwort ist für mich Transparenz. Was Transparenz anbelangt, sind wir in Österreich Entwicklungsland. Wir müssen endlich diese Hinterzimmer- und Zack-Zack-Zack-Politik hinter uns lassen“, betonte Fabienne Lackner (Neos).

Mietpreisobergrenze einführen?

Beim Thema Wohnen war man sich einig, dass etwas unternommen werden muss. Sowohl gegen Mieten, die durch die Decke zu gehen drohen, als auch gegen den Leerstand Tausender bewohnbarer Wohnungen im Land. Für Tomaselli steht jedenfalls fest, dass am Ende des Tages Sozialwohnungen der beste Mietpreisdämpfer sind. Als besonders interessant entpuppten sich die Schlussstatements. Hätten Sie die Kompetenzen einer Landeshauptfrau oder eines Landeshauptmanns, welche jugendpolitischen Maßnahmen würden Sie setzen? Tomaselli würde in die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen zum Klimanotstand gehen und eine Mietpreisobergrenze im Land einführen und Lackner würde sich in der Rolle der Landeshauptfrau um eine Modernisierung der konservativen Sperrstundenregelung und die Entrümpelung der Baunormen kümmern. Greiter sprach sich gar für die Einführung einer bundesweiten Mietobergrenze und eine Überarbeitung der Sperrstundenregelung aus. „Ich würde beschließen, dass Vorarlberg das chancenreichste Land für alle jungen Menschen und in wichtigen Fragen Vorreiter bleibt“, meinte Metzler. Für Fitz sind die Kosten für den Führerschein zu hoch angesetzt, er würde sich als Landeshauptmann für eine Vergünstigung einsetzen.

VN-Umfrage: Was erwartest du dir von der Politik?

Ich würde mir wünschen, dass die Bevölkerung aktiver  einbezogen wird. Auch bei regionalen Themen wie der Begegnungszone in Wolfurt, da sollten Menschen einbezogen werden. Sonst verlieren die Leute das Interesse an der Politik. Angelika Lanker, 21, Kennelbach
Ich würde mir wünschen, dass die Bevölkerung aktiver einbezogen wird. Auch bei regionalen Themen wie der Begegnungszone in Wolfurt, da sollten Menschen einbezogen werden. Sonst verlieren die Leute das Interesse an der Politik. Angelika Lanker, 21, Kennelbach
Die Politik sollte die Interessen der jungen Menschen wahrnehmen. Ich glaube, dass Themen wie der Klimawandel und die Digitalisierung dabei besonders wichtig sind, weil hier die größten Veränderungen geschehen. Lorenz Duelli,  17, Feldkirch, Junos
Die Politik sollte die Interessen der jungen Menschen wahrnehmen. Ich glaube, dass Themen wie der Klimawandel und die Digitalisierung dabei besonders wichtig sind, weil hier die größten Veränderungen geschehen. Lorenz Duelli, 17, Feldkirch, Junos
Die Politik sollte sich Ziele setzen, die auch wirklich zeitnah umgesetzt werden können. Dabei sind gerade die Bildung und die Umwelt wichtig, hier ist auf jeden Fall sehr großes Gestaltungspotenzial vorhanden. Selina Pia Fleisch, 21, Rankweil, JVP
Die Politik sollte sich Ziele setzen, die auch wirklich zeitnah umgesetzt werden können. Dabei sind gerade die Bildung und die Umwelt wichtig, hier ist auf jeden Fall sehr großes Gestaltungspotenzial vorhanden. Selina Pia Fleisch, 21, Rankweil, JVP
Die jungen Menschen beteiligen sich heute aktiv an der Politik, wie die Fridays for Future zeigen. Es wäre gut, wenn diese Themen, die junge Menschen einbringen, und die ihnen ein Anliegen sind auch mit dem notwendigen Ernst behandelt würden. Lukas Müller, 22, Feldkirch
Die jungen Menschen beteiligen sich heute aktiv an der Politik, wie die Fridays for Future zeigen. Es wäre gut, wenn diese Themen, die junge Menschen einbringen, und die ihnen ein Anliegen sind auch mit dem notwendigen Ernst behandelt würden. Lukas Müller, 22, Feldkirch

Vom VN-Stammtisch im Schwimmbad Felsenau in Frastanz berichten Tony Walser und Gernot Schweigkofler.