Reisefreudige Vorarlberger

23.07.2019 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zahlreiche Menschen erfrischen sich im spanischen Valencia im Meer. Spanien gehört bei den Reisezielen der Vorarlberger zu den Klassikern. AFP
Zahlreiche Menschen erfrischen sich im spanischen Valencia im Meer. Spanien gehört bei den Reisezielen der Vorarlberger zu den Klassikern. AFP

Acht von zehn sind im vergangenen Jahr zumindest einmal auf Urlaub gefahren.

Johannes Huber

SCHWARZACH „Vorarlberger verreisen wirklich gerne“, sagt Michael Nachbaur, Geschäftsführer eines Reisebüros und Branchenvertreter in der Wirtschaftskammer. Nachsatz: „Zwei Flugreisen im Jahr sind nicht ungewöhnlich für sie.“ Tatsächlich: Statistik Austria erhebt regelmäßig die Reisegewohnheiten der Bevölkerung ab 15 Jahren. Ergebnis: 2018 haben 82,8 Prozent der Vorarlberger zumindest eine Urlaubsreise unternommen. Bei allen Österreichern zusammengerechnet war der Anteil mit 78,3 Prozent etwas niedriger.

Wie Nachbaur aus der Praxis weiß, verreisen viele Leute jedoch öfter: 63,9 Prozent der Vorarlberger und 60,1 Prozent der Österreicher machten 2018 einen oder mehrere Haupturlaube. Davon ist ab vier Übernachtungen die Rede, wobei es sich im Schnitt um sieben handelt. 71,2 Prozent der Vorarlberger absolvierten im Übrigen einen oder mehrere Kurzurlaube mit bis zu drei Übernachtungen. Das ist ein absoluter Spitzenwert. In Österreich insgesamt belief sich dieser Anteil auf gerade einmal 62,6 Prozent.

Eine Frage des Geldes

Reisefreudigkeit ist immer auch eine Frage des Alters und des Geldes. Das lässt sich aus den Daten ableiten: 2018 haben sich neun von zehn unter 35-Jährigen, aber lediglich sechs von zehn ab 65-Jährigen auf den Weg gemacht. Angestellte und Beamte packten zudem viel eher den Koffer als Arbeitslose; wenn überhaupt, war bei Männern und Frauen ohne Job meist nur ein Kurzurlaub drinnen.

Alles in allem zeigen die Reisegewohnheiten aber, wie der Wohlstand im Laufe der Zeit gewachsen ist: Seit 1990 hat sich die Zahl der Urlaube verdoppelt und der Anteil der Personen, die zumindest einmal jährlich Erholung oder Abenteuer in der Ferne suchen, ist um gut die Hälfte gestiegen.

Die Klassiker sind nach wie vor Spanien, Italien und Griechenland.

Michael Nachbaur, Branchenvertreter

Ferne ist in diesem Zusammenhang natürlich ein dehnbarer Begriff: „Die Klassiker sind nach wie vor Spanien, Italien und Griechenland. Es ist aber auch spürbar, dass Kunden, die zum Beispiel von der Türkei auf Mallorca ausgewichen sind, wieder zur Türkei zurückkehren“, sagt Michael Nachbaur, der selbst das Reisebüro „Highlife“ betreibt, zu den aktuellen Zielen der Vorarlberger. Bei Städtereisen sei etwa Lissabon im Trend sowie in den kälteren Monaten Marrakesch (Marokko). Apropos Trend: 2019 wird dem Branchenvertreter zufolge ein regelrechtes „Last-Minute-Jahr“: Vor allem in den regnerischen Wochen Anfang Juli habe sehr viele die Sehnsucht nach Sonne gepackt; spontane Buchungen hätten sich „enorm“ gehäuft.

Ein Blick zurück

Die Angaben von Statistik Austria zu den bevorzugten Destinationen sind zwar nicht nach Bundesländern aufgeschlüsselt, reichen aber zurück bis ins Jahr 1969. Damals war alles noch ganz anders: Von den relativ wenigen Reisenden blieb die Mehrheit irgendwo „zu Hause“ in Österreich. Heute tut das nicht einmal mehr ein Drittel. Und von denen, die sich vor 50 Jahren ins Ausland begaben, landeten knapp 40 Prozent in „Bella Italia“. Heute ist Italien mit einem Anteil von rund 20 Prozent zwar noch immer am beliebtesten, aber nicht mehr so konkurrenzlos. Auch andere Mittelmeerländer sind sehr gefragt, von der Türkei über Griechenland und Kroatien bis Spanien eben.