Stadtmetzgerei Spieler schließt wegen Fachkräftemangels

Vorarlberg / 08.08.2019 • 06:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Metzgermeister Gerhard Spieler fällt der Abschied aus der Feldkircher Innenstadt schwer. VN/STEURER

Feldkircher Metzgerei Spieler schließt Ende der Woche wegen fehlenden Personals.

Feldkirch Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei, lautet ein bekanntes Sprichwort. Für die Stadtmetzgerei Spieler in Feldkirch gilt das ebenfalls. Seit Kurzem prangen große pinke Plakate in den Ausstellungsfenstern der seit 1997 bestehenden Stadtmetzgerei: „Wir schließen unser Geschäft im August“, ist darauf in großen Lettern zu lesen.

Allerdings nicht etwa wegen schlechter Umsatzzahlen, ganz im Gegenteil. Während andere dem Druck durch Supermarktketten nicht standhalten können, kann sich Gerhard Spieler, Metzgermeister und Geschäftsführer, nicht über fehlende Kundschaft beklagen. Dementsprechend überrascht sind langjährige Kunden der Metzgerei. „Es hat in Feldkirch eingeschlagen wie eine Bombe“, berichtet Spielers Partnerin Sabine Lemaire.

 „Wir haben einfach kein qualifiziertes und motiviertes Personal mehr gefunden“, nennt Gerhard Spieler den Grund für das Aus. Über ein Jahr lang haben Gerhard Spieler und seine Partnerin geeignetes Verkaufspersonal gesucht. Sie orten das Problem in der abnehmenden Bereitschaft vieler Arbeitnehmer, auch samstags zu arbeiten. „Trotz KV-Überzahlung konnten wir niemand Geeigneten finden.“

Die Stadtmetzgerei Spieler entwickelte sich in den vergangenen 22 Jahren zu einer Institution für viele Feldkircher.
Die Stadtmetzgerei Spieler entwickelte sich in den vergangenen 22 Jahren zu einer Institution für viele Feldkircher.

Der vielzitierte Fachkräftemangel bahne sich nicht erst seit gestern an, meint Spieler. „Jahrelang wurde jungen Menschen vermittelt, dass ein Studium der einzig richtige Weg ist.“ Darunter habe die Wertschätzung für den Lehrlingsberuf gelitten. „Das Ergebnis haben wir nun. Wir finden keine Jungen“, sagt Gerhard Spieler. Sein Eindruck spiegelt sich in den Lehrlingszahlen wider: Derzeit gibt es 20 Lehrlinge, die sich zum Fleischverarbeiter ausbilden lassen. Im Fleischverkauf lässt sich gar nur eine Person ausbilden.

Innungsmeister Gerold Hosp betont, dass quer durch alle Branchen mit dem Fachkräftemangel gekämpft wird. „Für die Fleischerbetriebe ist es erfahrungsgemäß schwierig, Nachwuchs zu finden, wenn es der Metallbranche gutgeht“, erklärt er. Zudem sei der Metzgerberuf nicht für jedermann geeignet.

„Jungen Menschen wurde jahrelang vermittelt, dass nur ein Studium der richtige Weg ist.“

Metzgermeister Gerhard Spieler über mangelnde Wertschätzung dem Lehrberuf gegenüber.

Während sich die Nachwuchssuche also schwierig gestaltet, ist die Anzahl der Metzgereien im Land in den vergangenen fünf Jahren stabil geblieben. Vor 20 Jahren gab es noch um die 80 Metzgereien, heute sind es 66 mit insgesamt 78 Filialen. Diesen stellt Hosp eine gute Zukunft in Aussicht: „Egal wie die wirtschaftliche Lage ist, gegessen wird immer.“

Dem Feldkircher Metzgermeister Spieler fällt der Abschied jedenfalls schwer: „Ich war mit Leib und Seele Metzger. Es waren wunderbare Jahre und ich möchte mich bei meiner Kundschaft bedanken.“

Metzgereien In Vorarlberg

20 Lehrlinge, die sich zum Fleischverarbeiter ausbilden lassen, gibt es derzeit in Vorarlberg. Eine Person macht die Lehre zum Fleischverkäufer.

Momentan gibt es 66 gewerbliche Fleischverarbeitungsbetriebe mit insgesamt 78 Filialen im Land. Vor 20 Jahren waren es laut Innungsmeister Gerold Hosp noch um die 80.