So viel wärmer wurden Vorarlbergs Gemeinden

12.08.2019 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Neun Gemeinden haben im Sommer mittlerweile eine durchschnittliche Höchsttemperatur von 25 Grad Celsius erreicht. VN/Steurer
Neun Gemeinden haben im Sommer mittlerweile eine durchschnittliche Höchsttemperatur von 25 Grad Celsius erreicht. VN/Steurer

Durchschnittliche Höchsttemperatur der Sommermonate stieg in den Gemeinden innerhalb weniger Jahrzehnte um 1,6 bis 2,1 Grad Celsius.

Schwarzach Alles begann mit einem Baum. 2017 pflanzte der damalige Landesrat Erich Schwärzler mit Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern einen Baum, um den Start der Klimawandelanpassungsregion (Klar) Vorderwald/Egg zu symbolisieren. Neue Zahlen zeigen, wie notwendig diese Anpassung ist: Die durchschnittliche Höchsttemperatur in Vorarlbergs Gemeinden ist in den vergangenen Jahrzehnten um bis zu 2,1 Grad Celsius gestiegen.

Die VN haben gemeinsam mit der Rechercheplattform Addendum und anderen Bundesländerzeitungen anhand von Daten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) den Anstieg der mittleren Höchsttemperatur in allen 96 Vorarlberger Gemeinden analysiert. Die Daten zeigen einen Anstieg zwischen 1,6 und 2,1 Grad Celsius innerhalb von einigen Jahrzehnten.

Neun Vorarlberger Städte und Gemeinden haben eine durchschnittliche Höchsttemperatur von 25 Grad erreicht: Hard, Lustenau, Höchst, Gaißau, Fußach, Meiningen, Mäder, Hohenems und Altach. Der Durchschnitt errechnet sich aus den Tageshöchsttemperaturen der Sommermonate Juni, Juli und August der Jahre 2008 bis 2018. Der Wert wurde mit den Daten der Jahre 1971 bis 2000 verglichen. Zwischen der ersten und der zweiten Periode hat sich die Temperatur in Hard von 22,9 auf 25 Grad erhöht, also um 2,1 Grad. In Lauterach und in Wolfurt ist die Temperatur ebenfalls um 2,1 Grad gestiegen.

Während neun Gemeinden eine durchschnittliche Höchsttemperatur von 25 Grad erreichen, schafften es in der Vergleichsperiode neun Gemeinden auf gerade einmal 23 Grad oder mehr. Der heißeste Ort war Meiningen mit 23,2 Grad, der kälteste Damüls mit 16,5 Grad. Die durchschnittliche Höchsttemperatur stieg dort nur um 1,8 Grad auf 18,3. Damüls bleibt jedoch Vorarlbergs Kältepol.

Zu berücksichtigten ist dabei, dass es sich um Messungen im Gemeindezentrum handelt. Die Qualität von Spartacus ist insbesondere seit 2010 stark gestiegen, was den Vergleich etwas beeinflussen könnte. Insgesamt bestätigen die Zahlen aber: Der Klimawandel ist in Vorarlbergs Kommunen angekommen. Strategien zur Klimawandelanpassung wie jene in der Region Vorderwald/Egg sollen helfen dabei, damit umzugehen.

Einige Bundesländer haben schon eigene Anpassungsstrategien erstellt. Auf Oberösterreich 2013 und Steiermark 2015 folgten im Dezember 2015 Vorarlberg und 2017 Salzburg. Die Kommunen sind ebenfalls aktiv. Neben Vorderwald/Egg hat zum Beispiel Wolfurt im Jahr 2017 mit einem Workshop an der Anpassung gearbeitet, Bregenz beschloss vor einem Jahr eine eigene Strategie. Das Vorarlberger Energieinstitut hat ebenfalls angefangen, Workshops in Gemeinden abzuhalten. „Das Thema ist in der Gemeindepolitik angekommen“, ist Andreas Bertel überzeugt. Er und Monika Forster helfen Vorarlbergs Gemeinden bei der Klimawandelanpassung.

Sechs Gemeinden haben bereits Workshops mit dem Institut abgehalten, heuer kommen Hohenems und Lustenau dazu. Klimawandelanpassung kann vieles sein. Bäume im Park zur besseren Beschattung zum Beispiel, Hochwasserschutz, Gründächer, Ausbau der Trinkwasserversorgung, Sitzgelegenheiten bei Altersheimen … jede Gemeinde habe ihre eigenen Herausforderungen, erläutert Bertel. Die einen kämpfen mit Hochwassergefahren, die anderen mit dem Wasserhaushalt, wieder andere mit dem Waldbestand. Auch bei der Erstellung der Regionalen Entwicklungskonzepte (REK) müsse das Thema berücksichtigt werden. Bertel dazu: „Von der Raumplanung bis zur Feuerwehr gehen wir mit den Gemeinden jeden Sektor pragmatisch durch. Sind zum Beispiel Glasfronten noch das geeignete Mittel der Architektur?“ Im Gebäudesektor könne davon ausgegangen werden, dass der Wärmebedarf sinke und der Kältebedarf steige.

Die Zahlen bestätigen das: In 27 Gemeinden lag die durchschnittliche Höchsttemperatur der Jahre 1971 bis 2000 bei 20 Grad Celsius oder weniger. Im Vergleichszeitraum 2008 bis 2018 sind noch sieben Gemeinden so kühl.