Vorarlberg hat bei Gleichstellung kräftigen Aufholbedarf

Vorarlberg / 13.08.2019 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Männer am Herd und in der Kindererziehung sind nach wie vor die Ausnahme. APa
Männer am Herd und in der Kindererziehung sind nach wie vor die Ausnahme. APa

Es sind noch immer hauptsächlich die Frauen, die Kinder und Haushalt managen.

bregenz Halbe-halbe in der Partnerschaft? Davon können die Frauen in Vorarlberg weiterhin nur träumen. Sie leisten noch immer zwei Drittel der unbezahlten Arbeit und Vorarlberg ist das Land mit der geringsten Väterbeteiligung am Bezug des Kinderbetreuungsgeldes. Noch ein Vergleich gefällig? Mehr als 51 Prozent der unselbstständig tätigen Frauen arbeiten in Teilzeit, aber nur 7,7 Prozent der erwerbstätigen Männer. Ebenfalls bemerkenswert auffällig: Frauen stellen rund 63 Prozent der Hilfskräfte, Männer hingegen 70 Prozent der Führungskräfte. Das geht aus einer aktuellen Auswertung der 30 Gleichstellungsindikatoren hervor.

Querschnittsaufgabe

Mit Hilfe des überarbeiteten Regionalen Aktionsplans für Gleichstellung von Frauen und Männern in Vorarlberg (RAP) will das Land dieses Ungleichgewicht aus der Welt schaffen. „Das geht jedoch nur gemeinsam“, richtete Tanja Kopf, die Leiterin des Bereichs Frauen und Gleichstellung in der Landesregierung, einen Appell an Wirtschaft und Gesellschaft. Auch Landesrat Christian Bernhard, der Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser vertrat, und Landesrätin Katharina Wiesflecker betonten im Pressefoyer, dass die Gleichstellung der Geschlechter eine Querschnittsaufgabe sei, die letztlich von allen wahrgenommen werden müsse.

Sensibilisierung

Der neue Aktionsplan umfasst die Jahre 2019 bis 2023. Involviert sind 18 Systempartner. Die Maßnahmen, an denen es zu feilen gilt, betreffen Ausbildung, Erwerbsarbeit und damit verbunden Einkommen sowie soziale Situation, politische Partizipation und Hausarbeit bzw. Kinderbetreuung. Beim Bildungsniveau haben die Frauen aufgeholt, danach konzentrieren sie sich allerdings nach wie vor auf typische Frauenberufe. „Die Sensibilisierung von Jugendlichen muss verstärkt werden, um die geschlechtstypische Berufswahl aufzubrechen“, erklärte Tanja Kopf, die in diesem Zusammenhang auch eine geschlechtergerechte Sprache für wichtig hält. „Es kommt anders an, wenn ein Mädchen als Baggerfahrerin und nicht als Baggerfahrer vorgestellt wird“, nennt sie ein Beispiel. Was die Erwerbsarbeit betrifft, sieht Kopf die Teilzeit im Trend. Dem müsse in der Form Rechnung getragen werden, dass qualifizierte Teilzeitstellen geschaffen werden, die auch existenzsichernd sind. Derzeit finden sich Frauen häufig in der Niedriglohnbranche wieder. Tanja Kopf wünscht sich mehr Männer in Teilzeitjobs, was eine partnerschaftliche Aufteilung der sogenannten Care-Arbeit ermöglichen würde. Verschiedene Programme, Kurse und Vortragsreihen sollen Frauen die nötigen Informationen liefern. „Muttersein ist oft die größte Zerreißprobe für Frauen nach der Karenzzeit“, berichtete Kopf.

Daneben schwächelt auch die politische Beteiligung von Frauen. „Im Landtag waren wir bei 40 Prozent, jetzt sind es nur noch 30,6 Prozent“, merkte Katharina Wiesflecker bedauernd an. Der Anteil in den Gemeindevertretungen liegt bei 23,6 Prozent. Sie hofft, dass sich die Frauen nach den kommenden Wahlen wieder im Aufwind befinden. „Demokratie kann nur durch Beteiligung von Männern und Frauen gelebt werden“, gab Tanja Kopf zu bedenken. Deshalb soll unter anderem die politische Bildung in der außerschulischen Jugendarbeit verstärkt werden.