Gastgeber als Gäste wurden echter „Stimmungs-Turbo“

HE_Brege / 20.04.2022 • 15:50 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Bei coronabedingten Absagen konnten „Sonnenstrahlen“ und Geschäftspartner für einen Kurzurlaub einchecken.
Bei coronabedingten Absagen konnten „Sonnenstrahlen“ und Geschäftspartner für einen Kurzurlaub einchecken.

Mellauer Sonne Lifestyle Resort blieb
in schwierigen Coronazeiten auf Kurs.

Mellau Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen unter ungewissen Coronaentwicklungen war es keine leichte Entscheidung, als sich Natalie und Michael Lässer entschlossen, die Mellauer Sonne zu übernehmen. „Per Ende 2021 haben wir von meinem Onkel Norbert, der mit seiner Gattin Inger das Haus 2007 in den Familienbesitz ,zurückgeholt‘ hatte, 100 Prozent der Anteile übernommen und damit den Generationswechsel abgeschlossen“, so Natalie Lässer, die das Haus nun in vierter Gerneration führt, nachdem sie und ihr Gatte schon 2014 die Geschäftsführung übernommen hatten, ohne Hotelanteile zu besitzen.

Gastgeber als Gäste wurden echter „Stimmungs-Turbo“
Michael und Natalie Läßer (Foto: Hotel Sonne Mellau)

Pandemie die Stirn geboten

Es war keine leichte Entscheidung, denn mitten in der Pandemie waren die Herausforderungen noch größer. Nach reiflichen Überlegungen entschloss sich die Enkelin der legendä­ren Sonnenwirtin Margret aber doch zu diesem Schritt – und ging eine neue Ära der „Sonnengeschichte“ mit neuen Ideen an, um der Pandemie die Stirn zu bieten. Eine besondere Aktion sorgte für Schlagzeilen: Um coronabedingte kurzfristige Absagen aufzufangen, wurden frei werdende Zimmer Mitarbeitern sowie Geschäftspartnern für Kurzurlaube zum Sonderpreis angeboten. Mit großem Erfolg, denn „wir konnten damit nicht nur leere Betten spontan belegen, die Aktion wurde zum wahren Stimmungsturbo – für Gäste ebenso wie für unsere Sonnenstrahlen“, freut sich Natalie, die deshalb ankündigt, „Corona-Lücken“ auch in der Sommersaison so zu füllen. Gleiches gilt für eine andere Sonderaktion: Auch die Verkostung von Edelbränden aus der Region wird weiterhin im Hotelshop angeboten, wenn das Hotel Ende Mai wieder öffnet. Bevor Natalie und Michael mit ihren „Sonnenstrahlen“ den Urlaub antraten, zogen sie im Gespräch mit der VN-Heimat Bilanz über die ersten Monate als Hotelbesitzer. „Grundsätzlich war die Wintersaison von vielen ,Auf und Abs‘ geprägt – es hat rund um Weihnachten ,lau‘ angefangen, war Ende Dezember, Anfang Jänner sehr gut, dann gab es den Einbruch, bevor die Buchungen ab Mitte Februar bis Anfang April wieder sehr gut waren. Die Gesamtauslastung war natürlich unter dem Wert von vor Corona – bei etwa 50 Prozent – den Umständen entsprechend sind wir aber zufrieden.“

Durch Höhen und Tiefen

„Auf und Abs“ begleiteten schon die gesamte Sonne-Historie, denn das Hotel kann eine außergewöhnliche Geschichte vorweisen. Diese begann so richtig im letzten Kriegsjahr 1945, als die Kreuz-Wirt-Tochter Margret in die benachbarte Sonne einheiratete. Die sangesfreudige Sonnenwirtin krempelte das Gasthaus völlig um. Wichtigste Änderung: die bis dahin alkoholfreie Gaststätte wurde ein normaler Gast- und Beherbergungsbetrieb und zu Bier und Wein kam auch Gesang dazu – von Margret mit ihrer Handorgel höchst persönlich forciert.

Gastgeber als Gäste wurden echter „Stimmungs-Turbo“
(Foto: Bregenzerwald Archiv)

Der nächste Meilenstein war die legendäre Tenne. Anfänglich spielte die Musik noch viele Jahre in den Gasträumen, in den frühen 1970ern wechselte man in die Tenne. Sie wurde zur Kult-Location der Jugend weit über den Bregenzerwald hinaus. Bands aus nah und fern gaben sich die Klinke in die Hand – besonders waren dabei die Auftritte des Bruno Pinter Trios. Ihr Mellau-Lied war ursprünglich für die Gemeinde gedacht und wurde von Grombach bis ins Tiroler Zillertal gecovert. Oft kopiert, doch nie erreicht, denn das Bruno Pinter Trio machte daraus die Hymne für die Sonnenwirtin, die im Refrain gewürdigt wurde: „Wenn Margret singt und spielt, stimmt alles fröhlich ein.“

Für Abwechslung in Coronazeiten sorgten u. a. auch Verkostungen von regionalen Edelbränden im Hotelshop. <span class="copyright">STP/2</span>
Für Abwechslung in Coronazeiten sorgten u. a. auch Verkostungen von regionalen Edelbränden im Hotelshop. STP/2

Dem „Auf“, das die Tenne in der damaligen Zeit brachte, folgte später das „Ab“, denn entspannender Urlaub und rauschende Partys unter einem Dach waren unvereinbar, wurden mehr und mehr zur Belastung und das Hotel geriet in wirtschaftliche Schieflage – mit dem Ergebnis der Insolvenz und 2001 der Übernahme durch eine deutsche Investorengruppe.

Erfolgreiche „Rückholaktion“

Der Verlust „ihrer Sonne“ war für die Familie Bischofberger nur schwer verdaulich, zumal das Hotel unter den neuen Besitzern das erhoffte neue Durchstarten nicht schaffte. Margrets Sohn Norbert, durch die Tamiflu-Entwicklung weltweit bekannter Biochemiker, kaufte 2007 die Liegenschaft zurück und brachte die Sonne wieder in Familienbesitz. 2008 erfolgte ein Abbruch und Neubau, bei dem das Stammhaus als „Gasthaus im Hotel“ in originalgetreuer äußerer Form, aber mit moderner Innenausstattung integriert wurde. Die Idee: die Sonne sollte Hotel und Gasthaus als Treffpunkt für Urlauber und Einheimische werden. Eine Vorgabe, die vom Management nicht umgesetzt werden konnte, weshalb Norbert Bischofberger und seine Gattin Inger 2014 die Reißleine zogen und eine neue Leitung suchten. Dabei konnten sie Nichte Natalie als Leiterin des Hotels gewinnen. Ende 2021 übernahm sie schließlich hundert Prozent der Anteile. STP