Ihre neue Heimat heißt Vorarlberg

Vorarlberg / 28.10.2012 • 19:05 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

5398 zog es im Vorjahr ins Ländle. Deutsche nach wie vor die größte Zuwanderungsgruppe.

Bregenz. (VN-ib) Er ist 30,5 Jahre alt, ist männlich und kommt im Sommer aus Deutschland. So sieht der statistisch typische Zuwanderer in Vorarlberg aus. Im Vorjahr trafen 5398 Menschen aus aller Welt die Wahl, künftig hier zu leben. Von Russland bis Ägypten, von Peru bis Neuseeland. Mit Abstand Spitzenreiter bei der Herkunft: Deutschland. 1821 Deutsche entschieden sich im Vorjahr für ein neues Leben in Vorarlberg. Damit machen sie ein Drittel der gesamten Zuwanderungen aus. Mit Abstand auf Platz zwei: Die Türkei mit 336 Zuwanderern. Dahinter: die Schweiz, Ungarn, Serbien, Bosnien. Ebenfalls unter den „Top Ten“-Zuzugsländern: „Bella Italia“ und das ferne Brasilien.

Die Gründe, warum jemand seine Heimat verlässt und versucht, in Vorarlberg eine neue zu finden, sind unterschiedlich: beruflicher Aufstieg, Krieg, politische Verfolgung, Familienzusammenführung und nicht zuletzt die Liebe gehören dazu. Lothar Ernest Wolff, brasilianischer Honorarkonsul in Vorarlberg hat schon vielen österreichisch-brasilianischen Paaren geholfen, die bürokratischen Hürden zu meistern. Warum so viele gerade aus Brasilien kommen? „Wir sind hier, weil ihr dort ward“, verdeutlicht er. Nicht wenige Vorarlberger und Vorarlbergerinnen haben aus dem Südamerika-Urlaub auch einen neuen Partner mitgebracht.

Bewegungsfreiheit in der EU

Die meisten – insgesamt 57 Prozent – kamen aus EU-Ländern. Der Zusammenschluss der mittlerweile 27 Länder in der Europäischen Union erleichtert es, den Wohnort auch über die Landesgrenzen hinweg zu ändern.

Wer seinen Hauptwohnsitz nach Vorarlberg verlegt, ist eher männlich: 53 Prozent Männer stehen 47 Prozent Frauen gegenüber. Im Durchschnitt ist ein Zuwanderer 30,5 Jahre alt. Den Schnitt heben die Kroaten: Sie bilden mit ca. 38 Jahren die Gruppe mit dem höchsten Durchschnittsalter. In den Monaten August und September gab es die größten Zuwächse durch Zuwanderungen.

Nicht nur aus dem Ausland zieht es Menschen nach Vorarlberg. Auch innerhalb Österreichs bewegt sich viel. Bei der Binnenwanderung hat Tirol die Nase vorn: 642, gefolgt von Wien mit 560. Zum Teil sind das natürlich auch Vorarlberger, die wieder den Weg zurück in die Heimat finden. Das Land bleibt jedenfalls attraktiv: Im Vorjahr zogen 1059 mehr Menschen her als fortgingen.

Je größer die Gemeinde, desto eher gibt es Zuwachs. Davon profitieren auch die Nachbargemeinden.

Thomas Mathis
Felix Baumgärtel,29, Logistiker aus Ravensburg.Nach Vorarlberg kam ich eher zufällig. Ich lebte zuvor in Wien. Die Entfernung zu meiner Heimat war aber zu groß, ich fühlte mich dort nicht heimisch. Als sich hier eine Jobmöglichkeit ergab, zog ich von heute auf morgen um. Der größte Unterschied? Jedenfalls der Dialekt.
Felix Baumgärtel,
29, Logistiker aus Ravensburg.
Nach Vorarlberg kam ich eher zufällig. Ich lebte zuvor in Wien. Die Entfernung zu meiner Heimat war aber zu groß, ich fühlte mich dort nicht heimisch. Als sich hier eine Jobmöglichkeit ergab, zog ich von heute auf morgen um. Der größte Unterschied? Jedenfalls der Dialekt.
Renata Cehlarova,45, aus der Slowakei.Als ich vor zwölf Jahren in Italien in einem Hotel arbeitete, lernte ich eine Lauteracher Familie kennen. Der Mann fragte mich, ob ich seine an Alzheimer erkrankte Mutter pflegen würde.Seitdem lebe ich hier als Pflegerin, habe ein Fernstudium in Altenbetreuung und den Pflegelehrgang absolviert. Ich mache meine Arbeit mit Liebe.
Renata Cehlarova,
45, aus der Slowakei.
Als ich vor zwölf Jahren in Italien in einem Hotel arbeitete, lernte ich eine Lauteracher Familie kennen. Der Mann fragte mich, ob ich seine an Alzheimer erkrankte Mutter pflegen würde.
Seitdem lebe ich hier als Pflegerin, habe ein Fernstudium in Altenbetreuung und den Pflegelehrgang absolviert. Ich mache meine Arbeit mit Liebe.
Diego Valladoliv,30, aus Spanien.Ich arbeite seit dem Frühjahr hier als Softwareentwickler. Die Position habe ich im Internet gefunden. Trotz hoher Arbeitslosigkeit hatte ich in Spanien einen guten Job. Aber es hat mich gereizt, eine Zeit lang im Ausland zu arbeiten. Wie lange ich hierbleibe? Keine Ahnung, vielleicht ein Jahr, vielleicht den Rest meines Lebens.
Diego Valladoliv,
30, aus Spanien.
Ich arbeite seit dem Frühjahr hier als Softwareentwickler. Die Position habe ich im Internet gefunden. Trotz hoher Arbeitslosigkeit hatte ich in Spanien einen guten Job. Aber es hat mich gereizt, eine Zeit lang im Ausland zu arbeiten. Wie lange ich hierbleibe? Keine Ahnung, vielleicht ein Jahr, vielleicht den Rest meines Lebens.
Silvane Spaniol,26, aus Brasilien.Nach der Matura wollte ich mehr über meine deutsche Herkunft erfahren und zog nach Deutschland. Als mich eine Freundin fragte, ob ich im Ländle als Kindermädchen arbeiten wolle, sagte ich Ja. Das antwortete ich auch, als mich mein Lustenauer Freund fragte, ob ich ihn heiraten wolle. Seit August sind wir ein Ehepaar.
Silvane Spaniol,
26, aus Brasilien.
Nach der Matura wollte ich mehr über meine deutsche Herkunft erfahren und zog nach Deutschland. Als mich eine Freundin fragte, ob ich im Ländle als Kindermädchen arbeiten wolle, sagte ich Ja. Das antwortete ich auch, als mich mein Lustenauer Freund fragte, ob ich ihn heiraten wolle. Seit August sind wir ein Ehepaar.