Einfach unerträglich

Vorarlberg / 05.11.2012 • 20:14 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Wie stümperhaft darf man mit Kindern umgehen, ehe endlich jemand reagiert? Über Monate hat man es stillschweigend hingenommen, dass Traiskirchen aus allen Nähten platzt. Wichtig schien lediglich, dass die Flüchtlinge nach dem Florianiprinzip jedenfalls woanders waren. Einen adäquaten Umgang für minderjährige Asylwerber forderten die Experten ungehört ein. Das Kindeswohl stand offenbar ganz unten auf der To-do-Liste der Asylbehörden.

Dort steht es immer noch. Aber es wäre zu billig, würde man sich jetzt an den Beamtinnen und Beamten abputzen, die von der gesamten österreichischen Öffentlichkeit mit dem Scherbenhaufen allein gelassen wurden. In einem Klima, in dem nur noch gegen Asylmissbrauch gegeifert wird und Menschen zu Problemen werden, stumpft man leicht ab.

Was jetzt aber geschieht, duldet keinen Aufschub. Stellen Sie sich einfach vor, es wäre Ihr Kind: Der Zwölfjährige, der zum zweiten Mal in einem Bus verfrachtet wird. Der Zehnjährige, der irgendwo dort draußen herumirrt. Der 15-Jährige, der seine Brüder eben fand und schon wieder verloren hat. Wie abgebrüht sind wir eigentlich inzwischen, dass uns sowas kalt lässt?

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