Mehr Schutz für Kinder

Vorarlberg / 05.11.2012 • 20:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mahnwache für Cain im Jänner 2011: Der Tod des Kleinkinds löste tiefe Betroffenheit aus. Foto: VN
Mahnwache für Cain im Jänner 2011: Der Tod des Kleinkinds löste tiefe Betroffenheit aus. Foto: VN

Cain-Expertenkommission legt Endbericht vor. Beinahe alle Empfehlungen umgesetzt.

Bregenz. Der Tod des kleinen Cain hat Vorarlberg zu Beginn des Jahres 2011 erschüttert. Und er hat viele Fragen aufgeworfen. Etwa wie es sein kann, dass sowohl Jugendwohlfahrt als auch Polizei Informationen über die Familie hatten, es darüber aber keinen Austausch gab.

Als Reaktion wurde eine eigene Kommission eingerichtet, die aus der tragischen Situation Verbesserungen für den Kinderschutz aufzeigen sollte. In der Kommission befinden sich neben Leiter Günther Eberle noch Landesgerichtspräsident Heinz Bildstein, Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch, der Innsbrucker Kinder- und Jugendpsychotherapeut Martin Christandl sowie die Vorarlberger Volksanwältin Gabriele Strele.

Endbericht liegt vor

Sechs Zwischenberichte haben sie mittlerweile vorgelegt, nun gibt es den Endbericht, der morgen im Kontrollausschuss des Landtags diskutiert wird. Das Ergebnis der Experten: Auf 68 Seiten wird dokumentiert, was Vorarlberger Kinder für einen besseren Schutz brauchen. Von den 14 Empfehlungen wurden 13 bereits umgesetzt, die 14. soll in Kürze folgen. Informationsflüsse wurden verbessert, die Jugendwohlfahrt hat mehr Möglichkeiten, in Register einzuschauen und dafür auch mehr Personal. Zudem wurden die Fristen verkürzt, wann bei Kindeswohlgefährdung gehandelt werden muss, ein Kompetenzzentrum wurde eingerichtet, Vertreter vieler Einrichtungen an einen Tisch geholt, eine Gewaltberatungsstelle eingerichtet, die Sozialarbeiter der Jugendwohlfahrt der Bezirkshauptmannschaften wurden in das neue Gehaltssystem des Landes übernommen und damit bessergestellt.

Die Kommissionsmitglieder loben in ihrem Endbericht den Fortschritt: eine Vielzahl von Grundlagen seien geschaffen worden, um den Herausforderungen und Ansprüchen einer zeitgemäßen Kinder- und Jugendhilfe gerecht zu werden.

Neues Gesetz verzögert sich

Abgehakt ist deshalb aber noch nicht alles: Ein wichtiger Baustein ist das neue Kinder- und Jugendhilfegesetz. Eine bundesweite Einigung steht seit Jahren aus, in Vorarlberg soll es jedenfalls früher ein eigenes Gesetz geben. Ein Entwurf liegt bereits vor, soll demnächst in Begutachtung gehen und könnte dann – mit einigen Wochen Verspätung – Anfang 2013 in Kraft treten. Es soll höhere Standards bringen, unter anderem auch das geforderte Vier-Augen-Prinzip. Sprich: Dass bei wichtigen Entscheidungen jedenfalls zwei Personen vor Ort sind.

Die Kommission stellt ihre Arbeit mit dem Endbericht weitestgehend ein. Dass die Arbeit für die Kinder aber weitergeht, das mahnen die Experten ein: „Über das Jahr 2012 hinaus besteht wiederkehrender Bedarf, die Leitlinien, die verbesserte gesetzliche Grundlage des Kinder- und Jugendhilfegesetzes und den Umsetzungsplan für die Organisations- und Personalentwicklung so in Einklang zu bringen, dass die angestrebten Ziele und Verbesserungen auch erreicht werden können.“

Expertenkommission

» Teilnehmende Experten:
Landesamtsdirektor Günther Eberle (Leitung), Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch, Vorarlberger Landesvolksanwältin Gabriele Strele, Landesgerichtspräsident Heinz Bildstein, Tiroler Kinderschutzexperte Martin Christandl.

» Aufgaben:
Aufgaben waren laut Eberle eine „objektive Analyse des Falles, eine objektive Darstellung der Informationsflüsse und eine Ausarbeitung entsprechender Empfehlungen“.