„Das ist ein beschämendes Verhalten“

Vorarlberg / 06.11.2012 • 20:12 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
VN-Bericht über das andauernde Drama um Schadenersatz für ein Kind.
VN-Bericht über das andauernde Drama um Schadenersatz für ein Kind.

Ärztefehler am KH Dornbirn beschäftigte gestern auch die Stadtvertretung.

dornbirn. (VN-mm) Der immer noch ungelöste Fall jener 35-jährigen Mutter, die aufgrund von nachgewiesenen Fehlbehandlungen am Krankenhaus Dornbirn starb, beschäftigte gestern auch die Stadtvertretung. SPÖ-Vorsitzender Gebhard Greber warf Bürgermeister Wolfgang Rümmele ein „beschämendes Verhalten“ vor.

Wie berichtet, hat nach sechs Gutachten jetzt auch das Landesgericht Feldkirch festgestellt, dass ärztliche Versäumnisse nach einer Darmoperation den Tod der Frau verschuldeten. Dennoch wollen die Stadt und deren Versicherung gegen das Urteil berufen. Es geht um Schadenersatz für den heute neunjährigen Sohn der Verstorbenen.

Nach sieben Jahren sei es an der Zeit, die Sache zu einem Ende zu bringen, meint Gebhard Greber. „Man kann von einem Bürgermeister erwarten, ein Zeichen der Menschlichkeit zu setzen“, so der Dornbirner SPÖ-Chef. Zudem gehe es auch darum, Imageschaden vom Krankenhaus, „auf das wir stolz sein können“, abzuwenden. Greber: „Gerichtsurteile sind in einem Rechtsstaat zur Kenntnis zu nehmen.“ Er kritisierte auch, dass der Fall in keinem Gremium zur Sprache gekommen sei. „Ich musste von der Geschichte aus der Zeitung erfahren“, ärgerte sich der SPÖ-Vorsitzende.

Eine Reihe von Fragen

Dass nach dem ersten VN-Bericht im Oktober 2011 nichts geschehen ist, obwohl der Bürgermeister versprochen habe, bei der Versicherung auf ein beschleunigtes Verfahren zu drängen, stößt Gebhard Greber ebenfalls ungut auf. Schon damals brachte er den Fall in die Stadtvertretung und verlangte eine Lösung. „Ein Entgegenkommen der Stadt hätte keineswegs ein Schuldeingeständnis bedeutet“, sagt Greber. Dass der Bürgermeister nicht einmal das Gerichtsurteil anerkennt, „ist inakzeptabel und beschämend“.

Gestern nun konfrontierte Gebhard Greber die Stadtvertreter neuerlich mit einer Reihe kritischer Fragen. Unter anderem will er vom Bürgermeister wissen, warum bis dato nichts geschehen ist und warum er, Rümmele, nicht versuche, mit dem Hinterbliebenen zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Schließlich gehe es um die Absicherung eines Kindes. Eine weitere Frage, die sich dem SPÖ-Mandatar stellt: Warum verstecken sich der Bürgermeister und andere Stadtverantwortliche jahrelang hinter einer Versicherung? Außerdem wartet er noch auf eine Antwort nach der Höhe der jährlichen Prämienzahlungen an die betreffende Versicherung.

Seine Kritik, schränkt Greber ein, richte sich nicht gegen das Spital, sondern den Umgang der Stadtverantwortlichen mit den Hinterbliebenen eines vermuteten Behandlungsfehlers in einem besonders tragischen Fall. „Wir erwarten uns vom Bürgermeister, dass er den Fall nicht aussitzt. Nur zu sagen, die Länge des Verfahrens liege nicht im Einflussbereich der Stadt, ist erbärmlich.“

Ich musste von der Geschichte aus der Zeitung erfahren.

gebhard greber