Anlageberater muss hinter Gitter

Vorarlberg / 28.11.2012 • 22:27 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

2,9 Millionen Euro veruntreut: Fünfeinhalb Jahre Haft für 57-jährigen Vorarlberger.

innsbruck. Wegen Veruntreuung und gewerbsmäßigen schweren Betrugs mit einem Schaden von insgesamt 2,9 Millionen Euro ist ein Vorarlberger Vermögensberater gestern am Innsbrucker Landesgericht zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Dem 57-Jährigen wurde vorgeworfen, zwischen 2004 und 2011 mit verfälschten Verkaufsaufträgen seiner Kunden Banken in 30 Fällen zu Überweisungen auf sein eigenes Konto gebracht zu haben. Der Angeklagte bekannte sich schuldig. Das Urteil ist vorerst nicht rechtskräftig.

„Ihre Vorgangsweise war hoch kriminell und äußerst verwerflich“, begründete Richterin Helga Moser ihr Urteil. Der Vorarlberger Vermögensberater, der im Dienste des AWD (Allgemeiner Wirtschaftsdienst) stand, soll bei einer Bank Sparbücher unter den Namen seiner Kunden eröffnet haben und mit gefälschten Verkaufsaufträgen der Kunden Depotbanken zu Überweisungen auf die falschen Sparbücher gebracht haben. Danach habe er selbst die Beträge abgehoben und seinem eigenen Konto zugeführt.

Viel Geld floss in Verein

Ein großer Teil des Geldes, über eine Million Euro, soll in den FC Koblach, bei dem der Angeklagte als Präsident fungierte, geflossen sein. Zu seinen weiteren Motiven erklärte der Beschuldigte, dass ihn die Eröffnung seines Büros und die Finanzkrise in finanzielle Nöte getrieben hätten. Von dem Geld sei heute nichts mehr übrig, erklärte der Vorarlberger: „Außer Schulden ist mir nichts geblieben. Meine Wohnung wird aktuell versteigert.“

Aufgeflogen waren die Betrügereien, als ein Kunde versuchte, Geld von seinem Wertpapierfonds zu beheben und keine Wertpapiere mehr eingelegt waren. Viele der betrogenen Kunden standen in einem Verwandtschafts- oder Bekanntschaftsverhältnis mit dem Angeklagten. Er habe sich Opfer ausgesucht, die ihm vertrauten und ihre Wertpapiere über längere Zeit nicht kontrollierten.

Warum die vielen falschen Sparbücher, die alle bei ein und derselben Bank eröffnet wurden, nicht viel früher aufgefallen sind, konnte auch ein Vertreter der entsprechenden Bank vor Gericht nicht klären. „Uns ist nicht aufgefallen, dass Sparbücher auf andere Namen eröffnet wurden“, erklärte der Filialleiter. „Für mich ist es unverständlich, dass eine Bank so lange zuschaut“, bemängelte die Richterin.

Der Angeklagte zeigte sich vor Gericht reuig. „Ich bin seit sieben Monaten in Untersuchungshaft und hatte viel Zeit zum Nachdenken. Ich möchte mich bei den Geschädigten entschuldigen“, sagte der Vorarlberger. Sein Wunsch sei es, dass alle das verlorene Geld wieder zurückbekommen würden. Das Urteil ist vorerst nicht rechtskräftig: Der 57-Jährige erbat drei Tage Bedenkzeit.

Außer Schulden ist mir nichts geblieben. Meine Wohnung wird aktuell versteigert.

angeklagter