Erziehung zur Disziplin

Vorarlberg / 28.11.2012 • 21:03 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Rheticus-Schrift befasst sich mit der Vergangenheit des Jagdberg.

bregenz. (VN-mm) „Bist du nicht brav, kommst du auf den Jagdberg.“ Tausende von Kindern in Vorarlberg bekamen früher diese Drohung zu hören. „Also wusste die Gesellschaft, dass es dort Gewalt gibt“, schlussfolgert Dr. Christoph Hackspiel, Leiter des Vorarlberger Kinderdorfs.

Die Einschätzung basiert auf einer neuen Schrift der Rheticus-Gesellschaft, die im Auftrag des Kinderdorfs entstand. „Wir wollten uns die Geschichte des Jagdbergs einmal genauer anschauen“, begründet Hackspiel. Die ehemalige Landeserziehungsanstalt wurde bekanntlich vor zehn Jahren vom Kinderdorf übernommen. Die Rheticus-Gesellschaft konzentrierte ihre Recherchen auf die Jahre zwischen 1860 und 1938. Auf den Grund gegangen wurde vorrangig den allgemeinen Gegebenheiten, in denen Kindheit, Jugend und Familie stattfanden.

Es waren keine guten. Die Menschen lebten in Armut. Die Kirche trat extrem dominant auf. Ein uneheliches Kind war geächtet, die Kindererziehung auf Disziplinierung ausgerichtet. Schon Zehnjährige mussten in Fabriken arbeiten. Es gab ein paar, aber zu wenige Liberale, als dass sich eine Änderung der Zustände zum Besseren hin hätte durchsetzen lassen. „Es ist eigentlich die Geschichte von uns allen“, rekapituliert Christoph Hackspiel.

Gute Bedingungen schaffen

Seine Erkenntnisse aus dem Buch, das gestern in der Landesbibliothek vorgestellt wurde: „Wir müssen auf allen Ebenen kinderfreundliche Bedingungen schaffen.“ Das gelte besonders für alle Formen von Betreuung und Einrichtungen. „Außerdem brauchen diese eine gute personelle und finanzielle Ausstattung“, fügt Hackspiel an. Was ihm auch noch wichtig ist: „Kinder, die ausgegrenzt werden, und davon gibt es immer noch genug, dürfen wir niemals alleinlassen.“

Es ist eigentlich die Geschichte von uns allen.

christoph hackspiel

Die Publikation ist im Kinderdorf Vorarlberg erhältlich, Preis: 15 Euro