Zum Gedenken

Vorarlberg / 29.11.2012 • 18:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Johann Breuß

Röthis. Hans Breuß war das letzte noch lebende Mitglied der alteingesessenen Röthner „Spöti“-Familie. Sein Bruder Josef starb erst im September dieses Jahres. Hans folgte ihm im Oktober nach..

„Spötanas Hansi“ war ein Lebens- und Überlebenskünstler. Er genoss und litt, haderte und packte an. Er diskutierte und harmonisierte aus vollem Herzen. Er ließ auch immer die Taten sprechen – als Gemeindevertreter mit Verantwortung und Sinn fürs Soziale, als Kapellmeister und Gründer der Röthner Jungmusik, als vierfacher Familienvater, dem die Existenz seiner Kinder das Wichtigste war.

Seine ruhige Seite teilte er mit Fernseher und Goethe, seine gesellige mit Wein, seinem „Wieble“ und Gesang. Am meisten freuten ihn die kleinen Dinge, so etwa ein Stück Schwarzbrot mit Butter, ein Föhntag im Herbst, das Lachen und Musizieren seiner Enkel. Seine eigene Kindheit war von Armut und Bescheidenheit geprägt. Mit 16 Jahren wurde er eingezogen und musste die ganze Härte des Zweiten Weltkriegs erleben. Nie aber verlor Hans seinen Willen zum Leben.

Hans Breuß starb nun im Beisein seiner Familie im Alter von 86 Jahren.

Emma Schnetzer

Ludesch. Eine überaus große Trauergemeinde begleitete Emma Schnetzer auf ihrem letzten Weg zum Friedhof. Emma wurde 1927 in Thüringerberg geboren und wuchs vorerst mit sieben Geschwistern auf. Mit fünf Jahren wurde die Familie aufgrund einer schweren Krankheit der Mutter auf Pflegefamilien aufgeteilt. Emma kam fünfjährig zu ihrer „Gota“ nach Schlins. Sie verbrachte dort acht Jahre lang eine schöne Zeit und verstand sich gut mit ihren vier Ziehgeschwistern. Umso schwerer fiel es ihr, mit 14 Jahren wieder zu ihrer eigenen Familie zurückzukehren, die mittlerweile nach Fontanella gezogen war. Sie wurde zum Pflichtjahr eingezogen und absolvierte dieses in einer Küche der Bauleitung. Dort beköstigte die junge, tüchtige Emma bis zu 30 Arbeiter und Gefangene. Später erlernte sie das Nähen und half überall aus, wo sich Familien in Notsituationen befanden. Danach arbeitete sie in der Textilfabrik Kastner in Thüringen und heiratete 1953 Friedl Schnetzer aus Thüringerberg, dem sie zwei Töchter und vier Söhne schenkte.

Für ihre große Familie war die Mama stets der Mittelpunkt. Sie nähte die gesamten Kleider für ihre Lieben, strickte, betreute Gäste und betrieb gemeinsam mit den Schwiegereltern eine Landwirtschaft. Ein Hausneubau in Ludesch erforderte weitere Einsätze von der Verstorbenen. Auch im neuen Eigenheim verbrachten Gäste im Hause Schnetzer gerne ihren Urlaub und schätzten den fürsorglichen Umgang. Für drei Pflegekinder vertrat sie liebevoll die Mutterstelle.

Für sie war es auch selbstverständlich, ihre Mutter und Schwiegermutter im eigenen Haus aufzunehmen und bis zu deren Tod liebevoll zu pflegen. Harte Schicksalsschläge blieben Emma nicht erspart. So musste sie 2005 den Tod ihres Ehemanns hinnehmen und zwei Jahre später ihren Sohn Edi zum Friedhof begleiten. Trost fand sie damals bei ihren Kindern, den sieben Enkelkindern und drei Urenkeln, zu denen sie ein herzliches Verhältnis pflegte. Vor drei Jahren forderte eine Krankheit Einhalt in ihrem unermüdlichen Schaffen. Sie war dankbar, dass sie von ihren beiden Töchtern Rosmarie und Edeltraud liebevoll gepflegt wurde und bis zuletzt im eigenen Haus die Augen für immer schließen durfte.