Rentner-Trio betrog Anleger um über zehn Millionen Euro

Vorarlberg / 03.12.2012 • 22:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Ein 72-, ein 73- und ein 78-Jähriger sitzen wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs in der Justizanstalt.

innsbruck. (TT) Es ist eine Anklage der Superlative, die ausgerechnet drei äußerst rüstige Herren ausgelöst haben. So erstellte die Innsbrucker Staatsanwaltschaft nach langwierigen Ermittlungen des Landeskriminalamtes Vorarlberg in Zusammenarbeit mit inländischen, deutschen und Südtiroler Behörden eine Anklageschrift wegen schweren gewerbsmäßigen Anlagebetruges in der Höhe von zehn Millionen Euro. Die drei angeklagten Hauptakteure kommen aus Österreich und Südtirol – und sind 72, 73 und 78 Jahre alt. Der früher in Vorarlberg lebende Mitangeklagte des Trios brachte die von den Senioren für ihren Großbetrug mutmaßlich benutzte Londoner Briefkastenfirma „Anglo Finance Club Ltd.“ bereits vergangenes Jahr in die Schlagzeilen. Und zwar über seinen eigenen Prozess am Innsbrucker Landesgericht, den er letztlich mit vier Jahren Haft rechtskräftig abschloss. „Das Urteil ist für mich wie lebenslänglich!“, meinte einst der Ex-Unternehmer. Damals war wohl ihm, aber noch nicht der Justiz das wahre Ausmaß des Anlagekonstrukts bekannt.

Autohaus in Vorarlberg

Der Finanzagent und einst wohlhabende „­Clubbetreuer“ der mittlerweile liquidierten „Anglo Finanz Club Ltd.“ soll schon in der Erstanklage arglosen Anlegern 1,2 Millionen Euro zur Veranlagung, teils mit Kapitalgarantie, herausgelockt und selbst verbraucht haben. Dabei hatte er in Vorarlberg ein florierendes Autohaus aufgebaut und später erfolgreich verkauft. Bis zu 300.000 Euro hatten die Kunden des Unterländers in dessen Investitionsmodelle eingebracht und teils über die Londoner Barclays Bank auf Nimmerwiedersehen überwiesen. Zu einer Tirolerin hatte der Angeklagte im Jahr 2004 ein derartiges Vertrauensverhältnis aufgebaut, dass diese ihre gesamten Sparformen auflöste und 170.000 Euro in eine vom Angeklagten gepriesene „Randholm Foundation“ einbrachte. Aus dem Betrag sollten in Zeiten der Finanz-Goldgräberstimmung dann innerhalb von zweieinhalb Jahren stolze 420.000 Euro werden. Zu einer Rückzahlung des Geldes ist es jedoch bis heute nicht gekommen.

Ende 2008 hatte das Treiben des Vorarlberger Geschäftsmannes in einem Wiener Hotel unter falschem Namen geendet. Zugeschrieben hatte er schon bei Einvernahmen alles einem noch älteren Akademiker. Doch dieser blieb trotz internationaler Fahndung verschollen und hatte seine Spuren derartig geschickt verwischt, dass allein schon seine Existenz vom Erstgericht als Schutzbehauptung bewertet wurde. Bis das 78-jährige Phantom doch mit seinem Bruder heuer verhaftet werden konnte.

Am Flughafen verhaftet

„Der 78-Jährige wurde am Flughafen Wien-Schwechat mit einem Geldkoffer verhaftet, sein Halbbruder in Bozen“, bestätigte Staatsanwalt Hansjörg Mayr gegenüber der Tiroler Tageszeitung. In der noch nicht rechtskräftigen Anklage wird den Rentnern vorgeworfen, über ihre Machenschaften über 130 Personen aus Vorarlberg, Tirol, der Schweiz und Deutschland um von ihnen veranlagte 10 Millionen Euro gebracht zu haben. Nur mehr 250.000 Euro konnten laut Mayr nach Hausdurchsuchungen sichergestellt werden. „Es ist davon auszugehen, dass es nie zu Veranlagungen kam, sondern die Verdächtigen das Geld für ihren aufwendigen Lebensstil, für Provionszahlungen und zur Aufrechterhaltung des Firmengeflechts verwendet hatten. Ihre Opfer köderten sie mit Gewinnaussichten von jährlich 60 Prozent bei einem Veranlagungszeitraum von mehreren Jahren und aufwendig gemachten Hochglanzprospekten“, beschrieb Mayr die Ermittlungsergebnisse. Dem Trio drohen je zehn Jahre Haft.

Verteidiger Albert Heiss: Der 78-jährige Mandant zeigt sich großteils geständig. Verteidiger Christian Fuchs hatte für seinen bereits verurteilten Mandanten immer betont, dass dieser durch den 78-Jährigen selbst hereingelegt worden war.

Das Geld verwendeten die Verdächtigen unter anderem für ihren aufwendigen Lebensstil.

hansjörg mayr