Monika Helfer

Kommentar

Monika Helfer

Geschichte von Kübele

Vorarlberg / 04.12.2012 • 19:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

„Kennst du eine einzige Beziehung, die funktioniert?“, sagte mein Freund. „Ich nämlich kenne keine.“ Pause, er sieht mich an, mustert mich. „Außer der euren“.

„Da bin ich aber froh“, sage ich, „dass wir deine Welt retten.“

„Zum Beispiel“, sagt mein guter Freund, „meine Tochter. Studiert Fotografie und ist begabt, ziemlich, das sage ich nicht als Vater, das ist von Professoren anerkannt. Also. Sie hatte eine Beziehung und hat geklammert, hat ihren Freund ungern am Abend allein weggehen lassen. Ihre Kontrolle nervte ihn so sehr, dass er ein Ende setzte. Ein Kollege verschaute sich in sie, sie ließ sich mit ihm ein, aber als sie merkte, dass er sehr in sie verliebt war, zog sie sich zurück. Dann zog auch er sich zurück, und sie rief ihn ständig an. So ging das hin und her. Weil ich Einfluss auf sie habe – weit mehr als meine geschiedene Frau –, sagte ich, lass dich darauf ein, vorsichtig, er wird dich glücklich machen. Sie fing dann dieses Spiel an, genau das gleiche, das ihr erster Freund mit ihr gespielt hatte, ging abends weg, er wartete auf sie. Sie trennten sich kurz, versöhnten sich, trennten sich. So ging das zwei Jahre. Jetzt sind sie beide ziemlich mürbe.

Gestern rief sie mich an und weinte ins Handy: Er hat Schluss mit mir gemacht, stell dir das vor, nie in meinem Leben hätte ich das gedacht, einfach Schluss gemacht. Aus. Vorbei. Hat meine Nummer aus dem Handy gelöscht.

Wundert dich das, konnte ich da nur sagen, du hast gepokert und verloren.

Was kann ich machen, Papa? Papa sagt sie nur, wenn sie verzweifelt ist. Papa, Papa, ich komm heim und wir reden, ist das o.k. für dich?

Dann zu Hause kochte ich ihr Kaiserschmarren, wir tranken abends Wein wie Kollegen. Es endete jedes Mal mit Tränen. Sie fuhr wieder nach Wien und wollte bei ihm anklopfen.

Auf die Gefahr hin, dass er mich verachtet, sagte sie. Ich werde mich bessern, ich werde ihm treu sein, ich will auf ihn warten, wenn er weggeht, will nicht klammern und nicht streiten, was meinst du, Papa?

Übertreib es nicht, musste ich da zu ihr sagen, denk lange nach und mache ihm ein vernünftiges Angebot, eines das auch einzulösen ist.

Wird er mich wegschicken, Papa?

Kommt darauf an, ob er dir noch vertrauen kann.

Könntest du nicht mit ihm reden, dich hat er doch gern.

Keine gute Idee, du bist sechsundzwanzig.

Ach Papa, wär ich doch nur noch dein Kübele!

Du schaffst es, Kübele, du schaffst es, sag das so oft vor dich hin, bis du es glaubst, so hat es Obama gemacht.“

Das hat mein Freund erzählt. Mir. Die ich in der einzig idealen Beziehung lebe, die er kennt.

monika.helfer@vn.vol.at
Monika Helfer ist Schriftstellerin und lebt in Hohenems.
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