„Es ist ein Weihnachtswunder“

Vorarlberg / 16.12.2012 • 22:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Lastwagen raste quer über die Autobahn und landete auf dem Radweg. Foto: vn/hofmeister
Der Lastwagen raste quer über die Autobahn und landete auf dem Radweg. Foto: vn/hofmeister

Leo Ratz wird bei Unfall durch die Windschutzscheibe geschleudert und überlebt.

nüziders, egg. Den 5. Dezember 2012 wird der Großdorfer Leo Ratz wohl sein Lebtag nicht mehr vergessen: Am späten Nachmittag ist der Erdbau-Ratz-Chef gemeinsam mit seinem Fahrer auf dem Weg zu einer Baustelle. 14 Tonnen Kies transportieren die beiden von Nüziders nach Schlins. Plötzlich hören die Männer während der Fahrt auf der Autobahn einen lauten Knall – der linke Vorderreifen ist geplatzt. Dann geht alles ganz schnell: Der Lastwagen bricht nach links aus, fährt quer über die Überholspur und durchbricht die Mittelleitschiene. In weiterer Folge rast das Fahrzeug quer über die Gegenfahrbahn und kracht auch noch durch die Außenleitschiene. Der Lkw schanzt über eine Böschung, rammt dabei mehrere Bäume und knallt auf den Radweg. Ratz wird durch die Windschutzscheibe geschleudert. Der 70-jährige Fahrer ist im Fahrzeug eingeklemmt.

Retter gleich da

„Als wir auf dem Radweg gelandet sind, dachte ich, es wäre alles vorbei“, erinnert sich Ratz. „Plötzlich lag ich zehn Meter vor dem stehenden Lastwagen. Überall lag Kies und der Lkw war total zerstört. Ich habe dann gleich meinem Kollegen zugerufen und er hat Gott sei Dank geantwortet. “

Innerhalb kürzester Zeit seien die Retter da gewesen. „Denen möchte ich bei dieser Gelegenheit herzlich danken. Für mich ist alles wie ein Weihnachtswunder“, sagt der Großdorfer.

Die beiden Männer wurden ins LKH Feldkirch gebracht. „Eine Woche musste ich im Spital bleiben. Ich habe mir wie durch ein Wunder nur vier Rippen gebrochen.“ Der Fahrer hat sich ebenfalls etliche Rippen und das Fersenbein gebrochen.

Wie im Film

Während seines Krankenhausaufenthalts sind dem 58-Jährigen die Szenen immer wieder durch den Kopf gegangen. „Es kommt mir vor, als wäre ich mitten in einem Schwarzenegger-Film gewesen.“ Noch immer kann er nicht fassen, dass er den Horror-Unfall überlebt hat. „Für jeden steht die Stunde fest, in der er gehen muss.
Bei uns war es wohl noch nicht so weit. Wir hatten mindestens zehn Schutzengel bei uns. Ich fühle mich, als ob ich ein zweites Leben geschenkt bekommen hätte“, denkt Ratz auch daran, wie der Lastwagen quer über die Autobahn gerast ist. „Einige Autos sind gerade noch an uns vorbeigeschossen, andere konnten gerade noch bremsen. Es ist unglaublich, dass sonst niemand verletzt wurde.“

Als Ratz im Spital lag, hat er bei einer Radio-Telefon-Spenden-Aktion mitgemacht. „Ich habe der Krebshilfe Geld gespendet. Als Dank durfte ich mir ein Lied wünschen“, erzählt er. „Sie haben ‚Auf der Autobahn‘ für mich gespielt. Ich dachte, das wäre passend.“

Mittlerweile wurde Ratz aus dem Spital entlassen. Er erholt sich daheim von den Verletzungen. Schon im Jänner will er wieder auf seine Skier steigen, denn bei den Damen-Weltcuprennen in St. Anton ist er für die Piste verantwortlich. Und beim Weißen Ring in Lech will er auf dem letzten Streckenabschnitt auch heuer wieder für die Sicherheit der Teilnehmer sorgen.

Leo Ratz ist mittlerweile wieder wohlauf. Foto: vol.at/Pletsch
Leo Ratz ist mittlerweile wieder wohlauf. Foto: vol.at/Pletsch