Doris Knecht

Kommentar

Doris Knecht

Ene, was an Hagspiel heat

09.01.2013 • 17:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Und schon sind die Weihnachtsferien wieder vorbei. Wir waren bei Oma und Opa. Es war sehr schön. Es war auch sehr laut, denn die Kinder bekamen vom Christkind eine Nähmaschine, ein Keyboard und eine E-Gitarre geschenkt.

Für die musikalische Erziehung der Kinder ist der Vater zuständig, der spielte schließlich schon in drei Bands. Die Bands waren allesamt nicht wahnsinnig virtuos, dafür waren sie sehr bis sehrsehr laut, und das Wissen, wie man möglichst viele Dezibel aus einer Gitarre bekommt und einem Keyboard die zehennägelaufrollendsten Quäksounds abringt, wird jetzt eins zu eins an den Nachwuchs weitergegeben. Das habe ich mir irgendwie nicht gut überlegt, als wir die Weihnachstgeschenke besorgten.

Da war die Nähmaschine geschickter eingefädelt, die kriegten die Kinder von der Oberösterreicher-Oma, die sich wiederum von ihrer lieben Schwiegertochter beraten hatte lassen, welche mit ihrer eigenen alten Singer-Nähmaschine nur Verlitt hat: Die zickt und zickt und lässt sich auch von sündteuren Services nicht entzicken. Und auf so einer Maschine kann man Zehnjährigen nun wirklich nicht das Nähen beibringen, das schreckt sie nur ab, da sind sie ja gleich schon frustriert, möglicherweise für immer, und Nähen sollte man schon können. Man weiß nie, wann man es einmal braucht, das Nähen.

Die Mutter brachte den Kindern jetzt also das Nähen bei, auf einer tadellosen neuen Nähmaschine, die schnurrt wie ein Babykätzchen und kein bisschen zickt. Da aufstecken, da durchziehen, da einfädeln. Hier auf A eingestellt lassen und hier am besten zwischen zwei und drei. Und wenn es hängt, ja nicht mit Gewalt!

Es ging. Und schon beim Verfertigen des allerersten simplen Röckchens war festzustellen: Zumindest eins der Kinder kommt ganz nach seiner Mutter, die gar nicht nach ihrer Mutter kommt: Dem Kind ist wurscht, wenn der Stoff grün und der Faden rot ist, das sieht doch eh lustig aus, das braucht man nicht umfädeln. Und nein, endeln ist nicht notwendig, das geht auch so, und einmal umgenäht reicht völlig, Hauptsache der Gummizug hält, das ist eh innen, das sieht ja niemand.

Das Nähen haben wir, wie man merkt, erst in Wien gelernt, weil in Vorarlberg wäre so was nicht möglich. Aber da hatten wir sowieso keine Zeit für so etwas. Die Kinder mussten das Elternhaus verwüsten, die Mutter saß derweil auf der Eckbank, strickte, aß, nahm zu, trank Proseccco und lauschte betörenden Dialogen. „Und wia hoaßt ene im Vornama?“ „Ene hoaßt Hildegard.“ „Na, ene moan i ned. I moan ene, was an Hagspiel heat. Hoaßt se ned Irmtraud?“ „Du moanst dia mit dena drei Kind?“ „Na, zwoa heat sie. A Moatle und an Bua. Und der Bua isch mit am Lukas i d’Schual ganga, woasch eh, da Lukas vo dr Edith.“ „Welche Edith? Ene, was an Hämmerle heat?“ „Na!“

Kann ich noch einen Prosecco haben? Danke.

doris.knecht@vn.vol.at
Doris Knecht ist Kolumnistin und Schriftstellerin.
Sie lebt mit ihrer Familie in Wien und im Waldviertel.
Die VN geben Gastkommentatoren Raum, ihre persönliche Meinung zu äußern.
Sie muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.