Weiberaufstand gegen allgemeine Wehrpflicht

Vorarlberg / 16.01.2013 • 21:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das historische Ereignis verarbeitete die Autorin Ulrike Längle in ihrer Tragikomödie „Tolle Weiber“, die 2007 auf der Freiluftbühne am Krumbacher Schulhof aufgeführt wurde. Foto: M. Gmeiner
Das historische Ereignis verarbeitete die Autorin Ulrike Längle in ihrer Tragikomödie „Tolle Weiber“, die 2007 auf der Freiluftbühne am Krumbacher Schulhof aufgeführt wurde. Foto: M. Gmeiner

Krumbacher Frauen griffen zu Mist- und Heugabeln, um ihre Männer vor dem Militärdienst zu schützen.

Dornbirn. (gt) Mit einer kühnen Aktion sorgten die Frauen in der kleinen Bregenzerwälder Ortschaft Krumbach im Jahre 1807 für einen Eklat. Ein unerhörtes Ereignis, das weit über die Landesgrenzen hinaus für Aufsehen sorgte: Um ihre Männer vor dem Kriegsdienst zu bewahren, schlossen sich die Frauen zusammen, bewaffneten sich und trieben die Musterungskommission in die Flucht.

Kriegsbeute

Vorarlberg war damals ein Teil von Bayern, welches mit dem napoleonischen Frankreich verbündet war. Als Kriegsbeute wurde das Ländle nach dem Friedensvertrag von Pressburg im Jahre 1805 von Österreich getrennt und unter bayerische Verwaltung gestellt. Für seine weiteren blutigen Feldzüge in Preußen brauchte Napoleon jedoch frische Soldaten, die er unter anderem aus Vorarlberg re­krutieren wollte.

Deshalb wurde auch in Vorarlberg die allgemeine Wehrpflicht eingeführt: Jeder junge Mann zwischen 19 und 23 Jahren sollte zum bayerisch-französischen Heer eingezogen werden. Nebst diesem Erlass sorgten noch andere politische und religiöse Reformen der Bayern für Unmut im Ländle.

Bereits im Jänner 1807 kam es in Lingenau zu Aufständen gegen die Rekrutierung. Als aber wenige Monate später eine bayerische Musterungskommission in Krumbach Einzug hielt, war für die dortigen Frauen das Maß voll. Unter Führung von ­Christine Heidegger und Magdalena Schoch organisierten die Bäuerinnen den offenen Widerstand. Mit Mist- und Heugabeln und Zaunpfählen bewaffnet verjagten sie den bayerischen Abgesandten Georg Ignaz Kuttner samt seinen Beamten aus dem Wirtshaus Adler in Krumbach. Anschließend bewegte sich der „Weiberaufstand“ weiter zum Gericht nach Bezau. Sie fanden das Gebäude jedoch verbarrikadiert und offenbar menschenleer vor.

In Ketten gelegt

Bereits wenige Tage später schlug die Staatsmacht zurück: 600 bayerische Soldaten marschierten in den Bregenzerwald ein. Christine Heidegger und Magdalena Schoch wurden verhaftet und in Ketten abgeführt. Die Krumbacher Männer wurden im Rahmen der allgemeinen Wehrpflicht für die napoleonische Kriegsmaschinerie zwangsverpflichtet. Die Bevölkerung musste Strafzahlungen leisten.

Für Heidegger und Schoch nahm die Kerker-Tortur ein überraschendes Ende: Sie wurden 1808 vom bayerischen König Maximilian begnadigt.