Sie sind die Brücke zum sicheren Überqueren

Vorarlberg / 18.01.2013 • 21:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Thomas Gabl (links) mit Manfred Küng, Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Hohenems. Fotos: VN/Hofmeister
Thomas Gabl (links) mit Manfred Küng, Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Hohenems. Fotos: VN/Hofmeister

Experten wie Thomas Gabl sind für die Sicherheit von Autobahnbrücken zuständig – die VN begleiteten ihn.

Frastanz. (VN-sas) Thomas Gabl (48) schreitet mit prüfendem Blick die 622 Meter lange Illbrücke F7 in Frastanz entlang, begutachtet die Autobahnbrücke genauestens von oben nach unten. Seine ersten Blicke gelten der Straße sowie der derzeit eiskalten Ill und führen zu den Stützen über die Lager bis hin zum Tragwerk und dem Innenraum der Brücke, genannt Hohlkasten. Der Tiroler Diplom-Ingenieur ist einer von sieben ASFINAG-internen Experten, die sämtliche Autobahnbrücken in Vorarlberg und Tirol regelmäßig auf Herz und Nieren prüfen. Zwei Tage investiert er im Normalfall in die Kontrolle einer solchen Brücke. Im Zweijahrestakt werden alle 125 Brückenbauwerke in Vorarlberg – davon allein 85 auf der A 14, 40 auf der A 16 – auf diese Weise auf ihre Sicherheit überprüft. Dazu ist die ASFINAG verpflichtet. Alle sechs Jahre wird jede dieser Brücken zusätzlich einer eine Woche andauernden Prüfung unterzogen. Und da wird schweres Geschütz aufgefahren: Mithilfe eines Brückeninspektionsgeräts, das den Experten quasi als „Arbeitsbühne“ dient, werden die Bauwerke gemustert. Nicht unerwähnt bleiben sollen an dieser Stelle auch die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Hohenems, die im Zuge des Streckendienstes die Brücken täglich beobachten.

„Vier-Augen-Prinzip“

Prinzipiell gelte immer das „Vier-Augen-Prinzip“, wie ASFINAG-Pressesprecher Alexander Holzedl betont: „Jede Brücke wird regelmäßig auch von externen Experten überprüft. Vor allem, um die Gefahr der ,Betriebsblindheit‘ zu minimieren.“ Die laufenden Kontrollen seien das Um und Auf für die Sicherheit der Brücken – und letztendlich die Verkehrsteilnehmer. „Man tut alles Menschenmögliche, dass der Standard diesbezüglich so hoch wie möglich ist“, so Holzedl weiter. Die Arbeit von Thomas Gabl ist dazu essentiell: Er und seine Kollegen sind es schließlich, die laufend über die baulichen Zustände der Brückenbauwerke im Land berichten.

„Mit ihren Erkenntnissen liefern die Experten die Grundlage für das Bauprogramm der ASFINAG hinsichtlich notwendiger Sanierungsmaßnahmen sowie Prioritätsreihung der Maßnahmen“, ergänzt der Pressesprecher. Für das aktuelle Jahr sind keine größeren Brückensanierungen vorgesehen. „Mammut-Projekt“ im Vorjahr waren die vier Brückenbauwerke vor dem Südportal des Pfändertunnels. Sechs Millionen Euro wurden investiert.

Lebensdauer: 100 Jahre

„Daumen mal Pi ,lebt‘ eine Brücke an die 100 Jahre“, weiß Gabl. Das Gros der Autobahnbrücken in Vorarlberg wurde in den 1970er-Jahren erbaut. Hauptsächlich seien es der Schwerverkehr, die Witterungsverhältnisse und Streusalz, die den Brücken zusetzen. Mögliche Folgen: Schäden wie Rost oder kleine Risse. Gröbere Mängel wurden bei unserer kurzen Inspektion jedenfalls nicht entdeckt – aber gut, die F7 ist ja auch noch ein „junger Hase“ unter den Brücken. Sie wurde 1980 erbaut.

Auch „das Innere der Brücke“, der sogenannte Hohlkasten, bedarf bei jeder Kontrolle einer ordentlichen Inspektion.
Auch „das Innere der Brücke“, der sogenannte Hohlkasten, bedarf bei jeder Kontrolle einer ordentlichen Inspektion.

Autobahnbrücken in Vorarlberg

» 125 Brückenbauwerke gibt es aktuell auf dem hochrangigen Straßennetz Vorarlbergs, 85 davon sind Autobahnbrücken.

» Das macht insgesamt eine Fläche von 205.000 Quadratkilometern aus.

» Das größte Projekt 2012 war jenes vor dem Südportal des Pfändertunnels; vier Brückenbauwerke wurden in einem gemeinsamen Projekt saniert.

» Sechs Millionen Euro wurden in diese Baumaßnahmen investiert.

» Das Instandhaltungsbudget beträgt jährlich rund 15 Millionen Euro; hier sind auch Arbeiten wie Belagsanierungen etc. inkludiert; für 2013 sind im Bauprogramm der ASFINAG keine größeren Brückensanierungen vorgesehen.

» Ein Großteil der Brücken stammt aus den 1970er-Jahren; grundsätzlich reichen die Baujahre von den 1960er-Jahren bis ins Jahr 2006; auf der Arlberg-Schnellstraße gibt es Unterführungen bzw. Unterführungsbauwerke, die bereits Ende der 1940er-Jahre errichtet wurden.