TBC: Auf der falschen Fährte

Vorarlberg / 18.01.2013 • 20:22 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Einmal mehr greift die Angst vor einer Ausbreitung der TBC bei Rindern auf den heimischen Alpen um sich. Interessensvertreter und die Agrarpolitik schwören, sofort zu handeln. In Tirol wird vom Einsatz der Cobra zur Reduktion überhöhter Rotwildbestände vor allem im Lechtal laut geredet, da die Übertragung vorwiegend vom Wild erfolgt. Eine ekelhafte Vorstellung: Polizisten ballern in Wildfütterungen und Gattern herum. Als wären die Tiere Schwerverbrecher. Hauptsache, möglichst viel getötetes oder angeschossenes Wild, das dann jämmerlich verendet. Hier paaren sich Hilflosigkeit und jahrelange Versäumnisse mit Unkenntnissen und Fehlinterpretationen.

Das regionale Auftreten von Tuberkulose in der Region Lechtal, im angrenzenden Allgäu und in Vorarlberg ist längst bekannt. Im Gegensatz zur Epidemie gibt es keine Tendenz zur Ausbreitung. Und die Übertragung auf Rinder erfolgt vereinzelt. Doch Tuberkulose ist nicht gleich Tuberkulose. Es handelt sich um den Untertyp der klassischen Rinder-TBC, nämlich das „Ziegenbakterium“. Das ist eindeutig und wiederholt wissenschaftlich festgestellt worden. Der große Unterschied: Der Erreger der Rinder-TBC kann auch über die Milch ausgeschieden werden, und die Übertragung über Milch auf den Menschen erfolgt über die Lunge durch Tröpfcheninfektion. Dies stellt eine mögliche Gefahr für den Menschen dar. Was beim Ziegentyp ausgeschlossen ist. Der Weg führt über Darm und Kot, deshalb die Infektionsgefahr für Rinder auf den Alpen.

Der streitbare frühere Landesveterinär und Tierschutzombudsmann Erik Schmid, der nach einem langen Streit degradiert worden ist, lässt sich sein Engagement für den Tierschutz und eine nachhaltige Landwirtschaft nicht nehmen: „Eine Wildfütterung mit 150 und mehr Tieren ist zweifellos als Massentierhaltung anzusehen. Der Fütterungs- und Rangordnungsstress verursacht Abwehrschwäche und begünstigt damit das Ausbrechen von chronischen Infektionen wie TBC. Bei geringerem Bestand reduziert sich der Infektionsdruck entsprechend, bei standortangepasster Dichte ist das Infektionsrisiko am geringsten, nahezu ausgeschlossen.“ Die Hände reibt sich jener ehrgeizige Bezirksforsttechniker, der die Nachfolge des vor der Pensionierung stehenden Landesforstdirektors Siegfried Tschann anstrebt, und die Jäger unabhängig von jeglicher TBC vor sich her treibt. Von Kooperation zwischen Forst und Jagd kann bei allem Harmoniebedürfnis des Landesjägermeisters Ernst Albrich keine Rede sein.

office@mamkom.com
Marianne Mathis ist freie Journalistin .
Die VN geben Gastkommentatoren Raum, ihre persönliche Meinung zu äußern.
Sie muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.