Volksschulen in Nöten

Vorarlberg / 18.01.2013 • 22:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Zu wenig Personal, schlechte Ausstattung und immer mehr Verwaltungsarbeit.

Dornbirn. (VN-mm) Frieren in desolaten Gebäuden, zu wenig Personal und ungenügende Stundenkontingente: Die Volksschulen fühlen sich von der Politik grob vernachlässigt. Haupt- und Neue Mittelschulen haben bekommen, was sie brauchten. Nun melden auch die Volksschulen ihre Forderungen an. Mit der Aktion „Rettet die Volksschule“ und einer Unterschriftenaktion will ein überparteiliches Personenkomitee, dem 28 VS-Direktoren angehören, die Politik zum Handeln bewegen. „Ohne Druck geht nichts vorwärts“, diese Erfahrung hat Bernd Dragosits gemacht, einer der Initiatoren und Direktor der VS Wolfurt-Bütze.

Leistungsunterschiede

Der Frust ist groß. „Alles schaute auf die Neue Mittelschule, die Volksschulen aber wurden immer nur vertröstet“, ärgert sich Bernd Dragosits. Dabei besteht laut Lehrergewerkschafter Gerhard Unterkofler „akuter Handlungsbedarf“. Das würden auch die schlechten Ergebnisse der aktuellen Leistungstests belegen. Ein besonderes Problem sind die unterschiedlichen Leistungsniveaus, mit denen die Kinder eingeschult werden. Sie differieren laut Dragosits um bis zu drei Jahre. „Es gibt Kinder, die können sich noch nicht allein anziehen oder allein auf die Toilette gehen, andere wiederum verfügen schon über ein großes Zahlenwissen“, verdeutlicht er. Diese enormen Unterschiede in einer Klasse auszugleichen, sei für eine Lehrperson heute kaum noch möglich. „Wir hören immer nur von Investitio­nen in frühe Förderung. Bei uns kommt nichts davon an“, bemängelt Dragosits.

Soziale Unterstützung

Für Silvia Benzer, Direktorin der VS-Mähdle, resultiert daraus nur eines: „Wir brauchen mehr Zeit für jedes Kind.“ Das heißt in letzter Konsequenz mehr Personal. Konkret werden zusätzliche Dienstposten und Stunden vor allem für die 1. und 2. Klassen als dringend erachtet. Denn hier werde die Basis für die nachfolgenden Schuljahre gelegt. Ebenso wichtig sei der Aufbau einer Personalreserve. Mehr soziale Unterstützung durch Beratungslehrer und Schulpsychologen moniert Christof Jagg von der Volksschule Hohenems-Markt. Immer mehr Volksschüler weisen Sprachprobleme und Entwicklungsrückstände auf.

Die Entlastung von administrativen Arbeiten ist ein weiterer Forderungspunkt. Um die Bedingungen insgesamt zu verbessern, ist, so die Sprecher des Personenkomitees, auch der Ausbau der Schülerbetreuung nötig. „Wir müssen endlich weg von Keller- und Ganglösungen“, formuliert es Bernd Dragosits plakativ. Solche Zustände seien nicht mehr tragbar.

Unterschriftenpaket

Ab 2015 werden jährlich etwa 150 bis 180 Lehrer in Pension gehen. Dass laut Regierungsvorlage zum neuen Dienstrecht die Volksschullehrer monatlich 300 Euro weniger verdienen sollen als Mittelschullehrer, kommt da gar nicht gut an. Dann gebe es wirklich Lehrer zweiter Klasse. Und: „Ohne zusätzliches Geld ist eine Verbesserung der Situation in den Volksschulen sicher nicht möglich“, wettert Gerhard Unterkofler. Die erforderlichen Mittel soll die Finanz­ministerin lockermachen. Mit Schullandesrätin Bernadette Mennel will man über schnell umsetzbare Maßnahmen verhandeln. Und die Bildungsministerin erhält Ende Februar ein Unterschriftenpaket aus Vorarlberg.

Wir müssen endlich weg von Keller- und Ganglösungen.

bernd dragosits

Schulfakten

» Volksschüler: 16.900

» Mittelschüler: 13.150

» Sonderschüler: 1080

» Polyschüler: 1400

» Anzahl aller Pflichtschullehrerinnen im aktiven Dienst (ohne Karenzen): 3700

» ca. gleich viele VS- wie HS/MS-Lehrer

» VS-Bereich: weit über 90 Prozent Frauenanteil

» Pädagogische Hochschule: 365 Personen in Ausbildung