12-jährige Skifahrerin haftet für Verletzungen

Vorarlberg / 25.01.2013 • 21:36 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Dr. Edwin Gantner
Dr. Edwin
Gantner

Die Klägerin fuhr langsam einen eisigen Hang in Bögen hinunter. Die 12-jährige Beklagte, eine gute und erfahrene Skifahrerin, näherte sich trotz eisiger Verhältnisse und der für sie erkennbaren langsamen Klägerin viel schneller (ca. 30 km/h) von oben an. Sie kam aus ungeklärter Ursache auf der eisigen Piste zu Sturz und schlitterte in die Klägerin. Diese wurde dabei schwer verletzt.

Schadenersatz für Sturzverletzungen: Das Erstgericht wies die Schadenersatzklage ab, weil die Sturzursache nicht geklärt werden konnte. Das Berufungsgericht gab der Erstklage statt. Zwar sei die unmittelbare Sturzursache unklar geblieben, die überhöhte Fahrgeschwindigkeit der Beklagten lasse aber vermuten, dass sie den Sturz und damit die Verletzungsfolgen der Klägerin zu verantworten habe. Überdies bestehe für die unmündige Beklagte eine Versicherungsdeckung.

Entscheidung des OGH: Der OGH billigte die Entscheidung des Berufungsgerichts. Er begründete das Fehlverhalten und die Haftung des 12-jährigen Mädchens wie folgt:

Die Einhaltung einer Fahrgeschwindigkeit von 30 km/h stellt eine Sorgfaltswidrigkeit dar, da a) eine harte Kunstschneepiste, b) mit eisigen Stellen und c) auch für eine gute Skifahrerin stets die Gefahr eines Sturzes darstelle. Diese höhere Geschwindigkeit führt zu einem längeren Rutschweg nach dem Sturz, zu einer höheren Anprallgeschwindigkeit auf im Sturzbereich befindliche Personen und damit zu einem höheren Verletzungsrisiko.

In gegenständlichem Fall kam der OGH trotz Unmündigkeit (d. h. unter 14) zum Ergebnis, dass die Beklagte zur vollen Schadenersatzpflicht der Schäden der Klägerin verpflichtet ist.

Dr. Edwin Gantner, Rechtsanwalt in Schruns