Mentalcoach monatelang ausgebucht

Vorarlberg / 27.01.2013 • 19:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
66 Schüler und Lehrer haben sich seit September hilfesuchend an Martina Thaler-Schönfeld gewandt.
66 Schüler und Lehrer haben sich seit September hilfesuchend an Martina Thaler-Schönfeld gewandt.

Mentale Unterstützung für Lehrer und Schüler: Warteliste reicht bis Ostern.

Bregenz. (VN-sas) Seit Beginn des aktuellen Schuljahres, Anfang September also, ist Vorarlbergs Schulwesen um eine Stelle reicher: Martina Thaler-Schönfeld (55), selbst jahrelang als Pädagogin tätig, ist seitdem als Mentalcoach im Einsatz. Ihre Aufgabe ist es, bei Anfrage sowohl Schülern als auch Lehrern mental stärkend zur Seite zu stehen.

Bislang 66 Anfragen

„Der Andrang war von Anfang an sehr groß“, sagt sie. „Ich bin total ausgelastet, die Warteliste reicht bis Ostern.“ 66 Anfragen haben die gebürtige Salzburgerin seit September ereilt. Wenig überraschend seien es zum Großteil Schüler, die Thaler-Schönfeld in den Räumlichkeiten des Kapuzinerklosters in Bregenz besuchen. Das Alter der ratsuchenden Schüler „reicht von zehn Jahren bis hin zu 18-jährigen Maturanten“, führt die Wahl-Wolfurterin aus. Hauptprobleme der Schüler, die den Weg zum Mentalcoach von sich aus suchen, seien nicht selten falsche Lernstrategien oder Blackouts während Schularbeiten. Jenen „Kandidaten“ mit falschen Lernstrategien bietet die Expertin „eine ganz konkrete Begleitung in Form eines Wochenplans“ an. „Schülern, die den durchgenommenen Stoff zwar sehr gut beherrschen, bei Tests oder Schularbeiten aber vor lauter Druck nichts mehr zustande bringen, bringe ich mentale Techniken bei, um den Stress zu reduzieren“, so Thaler-Schönfeld. Einige Schulkinder kommen unfreiwillig in das Mentalcoach-Büro: „Sehr oft melden sich ratlose Eltern, die sich mit ihren Kindern täglich aufgrund von fehlender Motivation oder Hausaufgaben-Verweigerung in die Haare kriegen“, erzählt die 55-Jährige.

Fünf bis acht Sitzungen

Nach dem ersten Treffen arbeitet die Pädagogin für ihre Klienten ein individuelles Konzept aus. Durchschnittlich wird sie von jedem Schüler fünf bis acht Mal besucht. Das Feedback, das sie bis dato bekommen hat, sei „durch die Bank gut. Viele teilen mir mit, dass ihnen die Unterstützung geholfen hat“, freut sich Thaler-Schönfeld.

Jeder Sechste Pädagoge

Gut ein Sechstel der Klientel seien Pädagogen. „Ich habe das Gefühl, dass es bei den Lehrern etwas mehr braucht, um sich einzugestehen, dass sie Hilfe brauchen“, vermutet Thaler-Schönfeld. Unterrichten sei ein Multitasking-Job, der viel Präsenz und Energie abverlangt. Nicht selten habe man auch mit schwierigen Kindern zu tun – und die gesellschaftliche Anerkennung lässt oft zu wünschen übrig. Agenden, die sie mit den Pädagogen hauptsächlich bespreche, sei die Trennung von Beruf und Privatleben. „Viele tun sich da schwer. Ich gebe ihnen Tipps, wie sie am Abend und am Wochenende ihr Lehrerdasein besser abgrenzen können und gelassener werden“, so die 55-Jährige, die im September für die 60-Prozent-Stelle angestellt wurde. Der Bedarf ließe wohl mehr zu.

Ich habe das Gefühl, dass es bei den Lehrern etwas mehr braucht, um zu sagen, dass sie Hilfe brauchen.

Martina Thaler-Schönfeld

Schüler und Lehrpersonen (VMS, AHS, BHS) können bei Martina Thaler-Schönfeld kostenlos Mentalcoachings in Anspruch nehmen. Anmeldungen unter restart@lsr-vbg.gv.at.