Als der ganze Bodensee betreten werden durfte

Vorarlberg / 01.02.2013 • 20:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Maria Dettmann-Michelon und ihre kleine Schwester Cornelia. Noch sechs Kilometer bis Nonnenhorn? Ein Kinderspiel. Foto: Dettmann
Maria Dettmann-Michelon und ihre kleine Schwester Cornelia. Noch sechs Kilometer bis Nonnenhorn? Ein Kinderspiel. Foto: Dettmann

Es müssen verrückte Wochen gewesen sein, als vor 50 Jahren der See ein Eiskleid trug.

Bregenz. (VN-tm) Weil derart viele Vorarlberger ihre Fotoalben wieder hervorholen, wird der Winter 1963 noch einmal ganz lebendig. Von der damals 17-jährigen Lindauerin Maria Dettmann reicht die Palette bis hin zu Maria Bilgeri aus Hittisau. Nein, die heute 75-Jährige hat den zugefrorenen Bodensee nie betreten. Die „Gfrörne“ kam ihr gewissermaßen entgegen in jener Nacht, in der sich über das zugefrorene Waschbecken ihres alten Bauernhauses das kalte Nass über den Küchenboden ergoss und dort im Nu eine spiegelglatte Fläche aus Eis hinterließ. Mit einer Spachtel musste sie ihre Küche wieder mühsam begehbar machen.

Übers Eis in die Schule

Maria Michelon, geborene Dettmann, hatte es da bequemer. Sie lebte zur Zeit der Seegfrörne in Lindau und erinnert sich: „Ich besuchte die Handelschule in Bregenz und lief in den Wochen der Seegfrörne 1963 oft vom Hafen in Lindau mit Schlittschuhen nach Bregenz zum Mili-Bad.“ Nino Michelon aus Hohen­ems besuchte damals die HAK. Maria lernte ihn in der Schule kennen „und wir wurden ein Teenie-Paar“ .

Am 27. Februar wagte sich Maria Michelon dann auf die Langstrecke und überquerte das Eis von Rorschach nach Nonnenhorn. Dafür bekam sie eine Bestätigung vom Nonnenhorner Bürgermeister.

VN-Leser Hans Seibl erinnert sich noch bestens daran, wie er Anfang März 1963 mit seinen zwei Schwestern Anni und Ingrid sowie seinem Nachbarn Hans Pichler mit Tochter Evelin und Sohn Burkard auf dem See spazieren ging: „Wir sind vom Strandbad Lochau nach Lindau gegangen. Das war natürlich ein Erlebnis, welches in einem Leben nur einmal vorkommt und da muss man einfach dabei sein.“
VN-Leser Hans Seibl erinnert sich noch bestens daran, wie er Anfang März 1963 mit seinen zwei Schwestern Anni und Ingrid sowie seinem Nachbarn Hans Pichler mit Tochter Evelin und Sohn Burkard auf dem See spazieren ging: „Wir sind vom Strandbad Lochau nach Lindau gegangen. Das war natürlich ein Erlebnis, welches in einem Leben nur einmal vorkommt und da muss man einfach dabei sein.“
Aus dem Album von Herbert Madlener.
Aus dem Album von Herbert Madlener.
Alle Arten von Vergnügungen gab es in diesem Eiswinter auf dem Bodensee. Vor der Mainau donnerten Gespanne in rasender Fahrt übers Eis.
Alle Arten von Vergnügungen gab es in diesem Eiswinter auf dem Bodensee. Vor der Mainau donnerten Gespanne in rasender Fahrt übers Eis.
Maria Bilgeri (75) aus Hittisau hat im eisigen Winter 1963 hautnah erlebt, wie schnell eine Wasserfläche gefrieren kann . . .
Maria Bilgeri (75) aus Hittisau hat im eisigen Winter 1963 hautnah erlebt, wie schnell eine Wasserfläche gefrieren kann . . .
Ein Fundstück aus den Alben des VN-Lesers Herbert Haider. Dazu schrieb er: „Liebe Redaktion, am 3. März 1963 sind wir (Vater Rudolf Haider, Jahrgang 1922, Mutter Hilde, Herbert, Jahrgang 53 und mein jüngerer Bruder Karlheinz) vom Bregenzer Hafen aus Richtung Lindau gelaufen. Wir wohnten damals in der Kaiserstraße 13. Viele waren mit Mopeds und einer mit einem Käferchassis auf dem Eis unterwegs. Manchmal hat es ordentlich geknistert, und vor dem Lindauer Hafen war ein großer Spalt im Eis. Man konnte gut die Dicke der Eisschicht sehen (sicher 40 bis 50 cm) Einige Schaltafeln waren darüber gelegt, und mit mulmigem Gefühl konnte man rübergehn. Ein unvergessliches Erlebnis auf jeden Fall.“
Ein Fundstück aus den Alben des VN-Lesers Herbert Haider. Dazu schrieb er: „Liebe Redaktion, am 3. März 1963 sind wir (Vater Rudolf Haider, Jahrgang 1922, Mutter Hilde, Herbert, Jahrgang 53 und mein jüngerer Bruder Karlheinz) vom Bregenzer Hafen aus Richtung Lindau gelaufen. Wir wohnten damals in der Kaiserstraße 13. Viele waren mit Mopeds und einer mit einem Käferchassis auf dem Eis unterwegs. Manchmal hat es ordentlich geknistert, und vor dem Lindauer Hafen war ein großer Spalt im Eis. Man konnte gut die Dicke der Eisschicht sehen (sicher 40 bis 50 cm) Einige Schaltafeln waren darüber gelegt, und mit mulmigem Gefühl konnte man rübergehn. Ein unvergessliches Erlebnis auf jeden Fall.“
„Dieses Bild stammt vom 1. März 1963“, schreibt VN-Leserin Elisabeth Zehetner: „Hier sehen Sie auf dem Moped Walter Zehetner. Er zieht seinen Arbeitskollegen, Herrn Hämmerle aus Dornbirn, von Rorschach über Lindau nach Bregenz.“
„Dieses Bild stammt vom 1. März 1963“, schreibt VN-Leserin Elisabeth Zehetner: „Hier sehen Sie auf dem Moped Walter Zehetner. Er zieht seinen Arbeitskollegen, Herrn Hämmerle aus Dornbirn, von Rorschach über Lindau nach Bregenz.“

Aufruf

Vor 50 Jahren fror der Bodensee zu. In den ersten Wochen des Jahres 1963 war es bitterkalt und windstill gewesen. Fast den ganzen Februar über bedeckte eine dicke Eisschicht das Wasser. Nicht nur zwischen Lindau und Bregenz entwickelte sich zu Fuß, aber auch mit Fahrrädern, Motorrädern und Autos ein ganz besonderer „kleiner Grenzverkehr“. Haben auch Sie noch Fotos von damals? Oder persönliche Erlebnisse, die sie berichten wollen? Dann schicken Sie uns Ihre Geschichten und Bilder einfach per Mail an vnreporter@vol.at. Wir veröffentlichen Ihre Erinnerungen gerne in den VN und auf VOL.